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DRESDEN/ Lichthof des Albertinums: BRAHMS !“ – MIT DER DRESDNER PHILHARMONIE UND NICHOLAS ANGELICH

31.10.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden / Lichthof des Albertinums: „BRAHMS !“ – MIT DER DRESDNER PHILHARMONIE UND NICHOLAS ANGELICH – 29.10.2015

„Brahms !“ lautete der Titel eines verheißungsvollen Konzertes der Dresdner Philharmonie mit zwei großen Werken des Meisters, dazu ein ausgezeichneter Pianist – das verhieß ein besonderes Konzerterlebnis, nur leider spielte die Akustik im Lichthof des Albertinums, eines monumentalen Museumsbaus vom Ende des 19. Jhs., nicht mit. So schön die Begegnung der Künste in diesem Rahmen auch ist – Musik trifft Malerei von der Romantik bis zur Gegenwart (Gemäldegalerie Neue Meister) und bildende Kunst von der Antike bis zur Gegenwart (Skulpturensammlung) -, so wenig scheint der große Raum wegen seiner akustischen Verhältnisse für die Aufführung großer Sinfonien geeignet.

Als Eingangsbereich für die Staatlichen Kunstsammlungen bietet der Lichthof einen großzügigen Eindruck und schöne Einstimmung auf die zu besichtigenden Kunstwerke. In gegenwärtiger Ermangelung eines eigenen Konzertsaales für die Philharmonie wird für die Konzerte in dem großen Raum ein „Konzertsaal“ improvisiert, der den Anforderungen für das Publikum weitgehend gerecht wird, aber für die eigentliche Aufgabe des Musikhörens nur wenig geeignet ist. Da bleibt nur zu wünschen, dass der Umbau des Konzertsaales für die Philharmonie im Kulturpalast fristgemäß abgeschlossen wird und dann über eine bessere Akustik verfügt.

Auf dem Programm des Konzertes stand zunächst die „Sinfonie Nr. 3 F-Dur“ (op. 90) von Johannes Brahms, die von der Dresdner Philharmonie zuletzt 2010 unter Rafael Frühbeck de Burgos aufgeführt wurde. Jetzt stand der neue Chef, Michael Sanderling am Pult des Orchesters in großer Besetzung und inspirierte die Musiker zu einer sehr vitalen, dynamischen, ja leidenschaftlichen Wiedergabe. Das waren beste Voraussetzungen für ein großartiges Konzerterlebnis, aber die Raumakustik erforderte ein Umdenken, um die Aufführung und die Leistungen der Ausführenden richtig zu erfassen. Das Publikum konnte nur geteilter Meinung sein. Die Zuhörer im vorderen Bereich hörten alles sehr laut, fast schrill, die anderen sehr leise. Besonders gravierend war dieser Eindruck im Forte und beim Einsatz der sehr guten Bläser. Manche Einsätze „verschwammen“, die einzelnen Instrumentengruppen schienen nicht immer ganz exakt im Zusammenklang, was wahrscheinlich auch ein akustisches Problem war. Im Mezzoforte und Piano kamen die Klangqualitäten des Orchesters dann besser zur Geltung. Letztendlich „siegte“ aber dann doch die Musik und hinterließ in dieser dynamischen Wiedergabe einen guten Gesamteindruck.

Noch weniger für diese Akustik geeignet schien das „Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in d‑Moll“ (op. 15) von Johannes Brahms mit seinen gewaltigen Klängen, die bereits das Klavierkonzert eröffnen, aber dem amerikanischen Pianisten Nicholas Angelich gelang es, dank seiner klassisch-romantischen Orientierung dem Klavierpart in jeder Phase zu schöner Klarheit zu verhelfen. Seine Interpretations-Skala reicht dank einer großen Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, Klangfarben und Klangdifferenzierungen und eines sehr differenzierenden und ausdrucksfähigen, klingenden, Anschlags von männlich-kraftvollem Forte über ein klangvolles Mezzofiorte bis  hin zum sehr feinfühligen, schmelzenden Piano mit weichem, klangvollem Anschlag, von Ausgeglichenheit bis zu verhaltener Dynamik mit auffallend schöner Phrasierung, von mitreißendem Temperament bis zu klang- und gefühlvollen leisen Tönen, die „unter die Haut gehen“.

An der „klassischen Pianisten-Schule“ orientiert, wirkt sein ein- und ausdrucksvolles Spiel frisch, jung und unmittelbar ansprechend. Er verlieh dem Konzert viel Temperament, Profil und Ausdruckstiefe. Stellenweise fingen die Philharmoniker seine Intentionen auf und ergänzten den Klavierpart in gleicher Weise. Vor allem in den gefühlvollen Piano-Passagen bildete das Orchester eine harmonische Ergänzung zum Klavierpart, wobei unter den akustischen Verhältnissen des Raumes die Klänge nur bedingt ein Miteinander zu bilden schienen. Pianist und Orchester steigerten sich aber immer mehr bis zu einem gemeinsamen triumphalen Schluss.

Für den herzlichen Applaus bedankte sich Nicholas Angelich mit Chopin, leise, fast wie ein Fragment ausklingend – oder war auch das ein Effekt der Akustik?

 Ingrid Gerk

 

 

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