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DRESDEN/ Kulturpalast: „NATUR PUR!“ – AUFTAKT EINES NEUEN KONZERTFORMATES DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN

07.02.2025 | Konzert/Liederabende

Dresden / Kulturpalast: „NATUR PUR!“ – AUFTAKT EINES NEUEN KONZERTFORMATES DER SÄCHSISCHEN STAATSKAPELLE DRESDEN – 6.2.2025

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Copyright: Oliver Killing

Mit einem moderierten Sonderkonzert unter dem Titel „Natur pur!“ präsentierte die Sächsische Staatskapelle Dresden ein neues Konzertformat, eine Konzertreihe, die sich mit moderierten Konzerten mit dem Titel „… pur!“ jeweils einem bestimmten Thema zuwendet, um alle Jahrgänge zwischen 13 und 99, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene und erfahrene Konzertbesucher anzusprechen und für Musik zu begeistern (falls sie es nicht schon sind). Dabei wird das klassische Konzertformat aufgebrochen, um Raum für musikalische Entdeckungen zu schaffen. Die Idee kam von Julius Rönnebeck, Hornist der Sächsischen Staatskapelle, der bereits mit der sehr beliebten, von ihm initiierten und moderierten Reihe „Kapelle für Kids“ die übernächste Generation begeisterte. 

Er moderierte auch das Auftakt-Konzert der neuen „Pur“-Reihe, das der Natur gewidmet war, und führte in seiner sympathischen, unprätentiösen Art in zwei Werke der musikalischen Weltliteratur ein, unterstützt von Chefdirigent Daniele Gatti, der es sich nicht nehmen ließ, den ersten Abend zu leiten und sich an der Moderration (in Englisch) zu beteiligen. Unter seiner Leitung konnten die Konzertbesucher in sehr unterschiedlicher Weise, in der Sichtweise von Gustav Mahler und Ludwig van Beethoven in den musikalischen Kosmos Natur eintauchen. Zwischen Musik und Musik gibt es enge Verbindungen, aber jeder sieht sie ein wenig anders 

Mahler war ein großer Freund und Beobachter der Natur und komponierte auch in der Natur. Ihr vertraute er seinen Weltschmerz an. In der, Anfang des 19. Jahrhunderts von Achim von Arnim und Clemens Brentano herausgegeben, dreiteiligen Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ fand der alles, was ihn zutiefst bewegte: Natur, Sehnsucht und Liebe. 

Die Texte der 723 Liebes-, Wander-, Soldaten- und Kinderlieder vom Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert bildeten zehn Jahre lang den Kern seines kompositorischen Schaffens und fanden ihren Niederschlag in den insgesamt 24 Liedvertonungen – 12 Orchesterliedern und vorher komponierten Klavierliedern – und auch in der engen Vernetzung der gleichzeitig entstandenen 2., 3. und 4. Symphonie, den „Wunderhorn“-Symphonien. Mahlers romantische Gedichtvertonungen gehen weit über eine musikalische Übersetzung der Texte hinaus. Die Natur wird hier zum Synonym seiner inneren Zerrissenheit, seiner emotionalen Auseinandersetzung mit dem Leben.

Unter Gattis, in emotionale Tiefen vordringender, Leitung sehr einfühlsam und in mitfühlender Innigkeit vom Orchester begleitet und jeweils durch Moderation unterbrochen, sang der österreichische Bariton Markus Werba die sechs Lieder: „Verlorne Müh‘ “, „Trost im Unglück“, „Wer hat dies Liedlein erdacht?“, „Des Antonius von Padua Fischpredigt“, „Rheinlegendchen“ und „Lob des hohen Verstandes“, wobei er sich vor allem auf die gesangstechische Realisierung konzentrierte und die zwiespältige Seite der Komposition, bei der auch immer Wehmut, Traurigkeit und Verzicht auf ein heiter erscheinendes Leben mitschwingt, weniger im Vordergrund stand.

Ganz anders sah Beethoven die Natur. Für ihn als Stadtmensch war sie Erholung, Entspannung, die Idealvorstellung von einem einfachen, gesunden und erfüllten Leben (die schwere Arbeit ausgeschlossen). Er war ein großer Naturliebhaber und mochte Spaziergänge im Freien. Anders als Mahler, der am Weltschmerz litt, konnte er in der Natur sein Gehörleiden vergessen. In seiner „Sinfonie Nr. 6 F-Dur“ (op. 68), der „Pastorale“ unterstreicht er dieses, musikalisch zum Ausdruck gebrachte glückliche Gefühl mit den Worten „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande“. Da er der musikalischen Darstellung der Natur im Sinne der Programmmusik kritisch gegenüberstand und besorgt war, sein Werk könnte missverstanden werden, fügte er (in Klammern) die vielzitierten Worte hinzu: „Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei“.

Gatti und die Musiker der Staatskapelle hatten Beethovens Sinfonie richtig verstanden als „Erinnerung an das Landleben“. Völlig konform in Auffassung und Ausführung vertieften sie sich in die Musik mit all ihren Feinheiten. Gatti ließ den Musikern mit ihrer besonders schönen Tongebung und musikalischem Feingefühl freie Gestaltungs-Möglichkeiten und fügte alles zu einer wunderbaren Klang-Atmosphäre mit feinen solistischen Passagen zusammen. Sehr frisch musiziert, erklangen Vogelstimmen und Kuckuck-Rufe, sanftes Weben in der Natur und dramatisches Gewitter mit Blitz und Donner und dem anschließenden, die Dankbarkeit der Landleute ausdrückendem Choral, nicht tonmalerisch, sondern emotional geprägt aus der Sicht des Betrachters.

Der musikalische Eindruck wurde noch mit einer mehrfarbigen Licht-Installation ergänzt, und vor dem Konzert sorgten Mitglieder der Kapelle auf allen Etagen in kleinen Gruppierungen für erste persönliche Begegnungen mit den im Konzert erklingenden Naturmotiven – nette Zutaten, die vielleicht in Zukunft weitere Bevölkerungsschichten zu einem Konzert einladen. Hier empfahl sich das erste Konzert in seiner Qualität auch selbst. Da kann man gespannt sein auf das nächste Konzert dieser Reihe mit einem anderen Thema in der kommenden Saison. 

Ingrid Gerk

 

 

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