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DRESDEN/ Kreuzkirche: „REQUIEM“ VON J. A. HASSE UND „FUNERAL ANTHEM FOR QUEEN CAROLINE“ VON G. F. HÄNDEL“

21.11.2022 | Konzert/Liederabende

Dresden / Kreuzkirche: „REQUIEM“ VON J. A. HASSE UND „FUNERAL ANTHEM FOR QUEEN CAROLINE“ VON G. F. HÄNDEL“ – 20.11.2022

Am Ewigkeitssonntag werden vielerorts in Kirchen und Konzertsälen sakrale Werke aufgeführt, bei denen sich Komponisten in Vergangenheit und Gegenwart – oft aus einem gegebenen Anlass mit den letzten Dingen des Lebens, mit Tod und Verklärung beschäftigt und ihre Gedanken in Töne gesetzt haben. Die Auswahl an solchen Werken ist groß, aber traditionsgemäß werden immer die gleichen Oratorien und Messen aufgeführt, die hoch in der Gunst des Publikums stehen.

Für ein Konzert zu diesem Anlass kam Peter Kopp, der lange Zeit in Dresden mit dem Dresdner Kreuzchor gearbeitet und die großen Oratorien-Aufführungen in der Kreuzkirche mitgestaltet hat, mit dem von ihm vor fast 30 Jahren gegründeten Vocal Concert Dresden, ein nicht allzu großer, aber sehr leistungsfähiger semi-professioneller Chor, mit zwei ungewöhnlichen Werken an den Ort seines ehemaligen Wirkens zurück. Auf dem Programm standen zwei, zumindest dem Dresdner Publikum bislang nicht bekannte, Kompositionen, die eine große Bereicherung bedeuteten.

Obwohl das Leben von Johann Adolf Hasse eng mit Dresden verbunden ist – er war hier rund 30 Jahre lang Hofkapellmeister und seine Gattin, die  weltberühmte Faustina Hasse-Bordoni die Primadonna der Dresdner Hofmusik, bis sie Georg Friedrich Händel nach London abwarb – , werden seine Werke hier äußerst selten aufgeführt, während zumindest seine sakralen Werke im süddeutschen Raum und auch in Österreich zum festen Bestandteil der Kirchenmusik gehören.

Vor einigen Jahrzehnten bemühte man sich an der Semperoper um eine Wiederbelegung dieser Komponisten-Persönlichkeit und nahm seine glanzvolle Oper „Cleofide“ in den Spielplan auf. Die Musik, ausgeführt von guten, mit Barockmusik vertrauten Sängerinnen und Sängern und der Sächsischen Staatskapelle sprach durchaus  an, obwohl es manche Besucher störte, dass fast alle Stimmen (entsprechend dem Original) „unnatürlich“, d. h. Männerrollen von hohen Stimmen (Countertenor, Mezzosopran, Altistin) gesungen wurden, vor allem aber nahm eine allzu triste modernisierende Inszenierung der Festoper zur Hochzeit des sächsischen Thronfolgers mit der österreichischen Kaisertochter den Glanz und die Publikumsgunst.

Jetzt hatte man nun Gelegenheit, Hasses für die Dresdner Kirchenmusik komponiertes „Requiem in B“, dessen Autograf in Mailand aufbewahrt wird, erstmals live zu erleben, wobei sehr unsicher ist, ob es jemals vorher aufgeführt wurde Weniger mit der opulenten Klangfülle, wie man sie von Hasses Opern kennt, sondern eher schlicht, verinnerlicht und verhalten gestaltete Kopp dieses Requiem für Chor, Orchester und drei Solist(inn)en.

Das Dresdner Vocal Concert, ein äußerst zuverlässiger Chor aus professionellen Sängerinnen und Sängern und versierten Laien, das mit seiner Stilsicherheit, natürlichen Musizierweise, interpretatorischen Intelligenz und Ausstrahlungskraft auch international große Wehrschätzung genießt und das Dresdner Instrumetal-Concert, ein sehr leistungsstarkes Kammerorchester, das auf historischen Instrumenten stilgerecht musiziert, bildeten auch bei dieser Aufführung eine harmonische Einheit. Sehr schöne, klangvolle Sopranstimmen mit innigem Ausdruck, unterstützt von guten und sicheren Männerstimmen prägten den Chorklang, in völliger Übereinstimmung ergänzt von den stilsicheren Streichen um die ausgezeichnete Barockgeigerin Anne Schumann am ersten Pult, Sebastian Knebel am Cembalo und klangschönen Oboen, die von Flöten und danach Hörnern abgelöst wurden.

Die drei Solistinnen, die schottisch-maltesische Sopranistin Carine Maree Tinney mit auffallend schriller Höhe, aber auch schönem Piano und guter Mittellage und die beiden deutschen Sängerinnen Anna-Maria Tietze, Mezzosopran und Marie Bieber, Alt, die mit entsprechendem Werkverständnisdie auch gut miteinander harmonierten, waren vorwiegend in den Chor integriert und begaben sich nur für einige wenige Solo-Passagen dezent und unauffällig in den Vordergrund, was für den Wechselgesang ein inniges miteinander Musizieren begünstigte.

Nach dem verhalten-dunklen Beginn des „Requiem aeternam“ erfolgte eine allmähliche Aufhellung bei den Worten ,,et lux“. Kopp geht bei seiner Interpretation auch vom Text aus, auf dem die Musik entstand, und legt bei seiner umsichtigen Leitung Wert auf klangliche Feinheiten.

Um Händels Musik ist es in Dresden auch wieder still geworden. An der Semperoper wurden einige seiner Opern aufgeführt. Jetzt ist öfters sein beliebtestes Werk “The Messiah“ zu hören. Das hier aufgeführte „Funeral Anthem for Queen Caroline“ (HWV 264), das  ähnliche klangliche und gestalterische Passagen seines wirkungsvollen Kompositionsstils wie „ The Messiah“ enthält, dürfte jedoch auch erstmals in Dresden live zu hören gewesen sein. Hier begannen die Ausführenden unter der Leitung von Peter Kopp ebenfalls etwas verhalten, steigerten sich aber im Verlauf der Aufführung mehr und mehr in Händels immer wieder mitreißende Musik hinein.

Es war keine Aufführung, wie man sie beim Lesen der beiden Namen dieser großen Meister der Barockzeit, deren Musik für opulente Klangfülle steht, erwartet, sondern ein, dem Anlass entsprechendes ruhiges, besinnliches Versenken in Totengedenken und Gedanken um die letzten Dinge,Trauer in Schönheit und Zuversicht,bevor die fröhlichere Adventszeit und Weihnachtszeit anbricht. Dann wird das Vocal Concert u. a. zu Weihnachten seine beliebte Englische Weihnacht mit „Nine Lessons & Carols“ nach der bekannten Feier im King’s College in Cambridge in der Loschwitzer Kirche (26. und 27.12.) aufführen, die schon zu einer nicht mehr wegzudenkenden Tradition geworden ist.

Ingrid Gerk

 

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