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DRESDEN/ Kreuzkirche: EIN DEUTSCHES REQUIEM von Johannes Brahms beim Dresdner Kreuzchor

14.11.2016 | Konzert/Liederabende

Dresden/Kreuzkirche: „EIN DEUTSCHES REQUIEM“ BEIM DRESDNER KREUZCHOR13.11. 2016

Die traditionelle Totensonntags-/Ewigkeitssonntags-Aufführung des Dresdner Kreuzchores mit dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms fand in diesem Jahr schon eine Woche vorher, am Volkstrauertag, statt, was auch nicht unpassend war.

Die Leitung lag in den Händen von Kreuzkantor Roderich Kreile. Ihm standen neben dem Dresdner Kreuzchor, der in diesem Jahr auf sein 800jähriges Bestehen zurückblicken kann, in guter Tradition zwei weitere wichtige Säulen zur Verfügung, die sich schon bei zahlreichen Oratorien-Aufführungen des Kreuzchores bewährt haben und immer wieder von neuem beeindrucken: die Dresdner Philharmonie, die seit Jahrzehnten die meisten Oratorienaufführungen mitgestaltet und immer wieder fasziniert hat, und das Vocal Concert Dresden (Einstudierung: Peter Kopp), das mit seinen Qualitäten für sich spricht und in seiner Leistungsfähigkeit immer wieder von neuem beeindruckt.

Gerade auch beim „Brahms-Requiem“ wurden an dieser Stelle schon sehr hohe Maßstäbe gesetzt, an denen bewusst oder unbewusst alle nachfolgenden Interpretationen gemessen werden. Die diesjährige Aufführung baute bewusst auf diesen Vorbildern und besten Traditionen auf, ohne auf ihre eigene Prägung zu verzichten.

Trotz immer wieder wechselnder Besetzung bildete auch in diesem Jahr die Dresdner Philharmonie das sichere und klangschöne Fundament und trug mit ihrer warmen, sehr ansprechenden Tongebung durch die sehr  zuverlässigen, klangschönen Streicher und sauberen Bläser sowie 2 Harfen wesentlich zum Gelingen der Aufführung bei. Mit großer Intensität und Qualität und der genau richtigen Tempowahl, aber auch dem richtigen Gespür für diese Musikgattung hatte sie wesentlichen Anteil an dieser besonders klangvollen Aufführung.

Ein Sonderlob verdient dabei der Paukist, der sein Instrument wirklich wie ein Musikinstrument einsetzte. Klangunterstützend und -unterstreichend gestaltete er in seiner Funktion – immer konform mit dem Orchesterklang – in jeder Situation im genau richtigen Maß die, mitunter der Erschütterung Ausdruck verleihenden, Akzente und bewirkte damit eine große Klammer um die gesamte Aufführung bis zum expressiven, fulminanten Schluss.

Der große Chor aus dem sehr gut artikulierenden gemischten Chor, dem Vocal Concert, und Knabenchor (mit Jungmännerstimmen), dem Dresdner Kreuzchor, setzte sofort sehr präzise ein und trug seinerseits zu einem nachhaltigen Gesamteindruck bei, hat er doch bei diesem Werk auch den gesanglichen Hauptteil zu tragen und damit den Charakter der Aufführung maßgeblich mitzubestimmen. Mit ausgezeichneter Phrasierung in großen musikalischen Bögen, vom zarten, fein angestimmten, auch im großen Kirchenraum noch sehr gut wahrnehmbaren Pianissimo bis zum expressiven „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ und auch wieder „nahtlosem“ Decrescendo verlieh er der Aufführung wirkungsvolle Dynamik und Vitalität.

Mit Dynamik und guter Phrasierung gestaltete auch Daniel Ochoa die beiden Bariton-Arien, die er in einer sinngebenden Konzeption mit dem Fokus einer sehr gewissenhaften Gestaltung auf den besten Traditionen des Oratoriengesanges basieren ließ und auf seine Weise umsetzte.

Mit schöner, weicher, sehr klangvoller Stimme und leicht opernhaftem Duktus verlieh Sibylla Rubens der Sopran-Arie sehr geschmeidigen Schönklang, leider aber kaum textverständlich.

In einer großen Steigerung von der beeindruckend innigen Gestaltung der ersten Verzweiflung und Fragwürdigkeit des Lebens durch Chor und Orchester in Teil I des Requiems und der Zuflucht ins Religiöse im Teil II bis hin zu einer fulminanten, siegreichen Schlussgestaltung hinterließ die Aufführung durch ihr beeindruckendes Klangbild einen bewegenden Gesamteindruck, der vor allem die Schönheit der Brahmsschen Musik zur Geltung brachte, bei der der Zuhörer „großen Trost“ finden konnte.

Ingrid Gerk

 

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