Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ / Frauenkirche: "PETITE MESSE SOLENNELLE" IM RAHMEN DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE

23.05.2015 | Konzert/Liederabende

Dresden/ / Frauenkirche:
„PETITE MESSE
SOLENNELLE“ IM RAHMEN DER DRESDNER MUSIKFESTSPIELE
am 22.5.2015 

„Hier ist sie, die arme kleine Messe. Ist es wirklich heilige Musik (musique sacrée) oder doch vermaledeite Musik (sacrée musique)?“schrieb Gioachino Rossini in einer ironischen Widmung an den „lieben Gott“ und hatte eigentlich eine Missa solemnis und eine seiner wichtigsten geistlichen Kompositionen aus Anlass der Einweihung der Privatkapelle eines Conte geschaffen. Er schreibt weiter: „Ich bin für die Opera  buffa geboren. Du weißt es wohl! Ein bisschen Können, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.“

 Trotz der für ihn typischen ironischen Bezeichnung als „Kleine feierliche Messe“ und der Freiheit, die er sich nahm, von den üblichen Messkompositionen abzuweichen, ist es ein andächtiges, in sich ausgewogenes geistliches Werk, fernab der üblichen liturgischen Konventionen, aber mit viel Herz und Seele und ehrlichem Sinn. Für die ungewöhnliche Besetzung von zwei Klavieren und einem Harmonium anstelle eines Orchesters, die letztendlich auch auf die  neapolitanische Cembalo-Tradition des 18. Jh. zurückgeht, entschied er sich möglicherweise auch aus Platzgründen. Eine Orchesterfassung schuf er erst drei Jahre später, weil ihm „Herr Sax mit seinen Saxophonen“ oder „Herr Berlioz mit anderen Riesen des modernen Orchesters“ sonst in einer Instrumentierung seine „paar Singstimmen“ „tot“schlagen und auch ihn damit „umbringen würde“. Seine Orchesterfassung durfte erst nach seinem Tode aufgeführt werden. Sie wurde bei nachfolgenden Aufführungen bevorzugt.

 Hans-Christoph Rademann entschied sich bei seiner Aufführung mit dem Dresdner Kammerchor trotz des großen Kirchenraumes für die Originalfassung, die auch in diesem Rahmen durchaus genügte. Er hatte ein Tempo gewählt, das nicht nur akustisch unproblematisch für die Aufführung war, Sängern und Chor genügend Raum zur Entfaltung gewährte und auch Rossinis Musik voll zur Geltung kommen ließ, sondern auch dem Publikum die Musik bestmöglich erschloss. Bei seiner umsichtigen Leitung hatte er alles im Blick und sorgte für entsprechende Inspiration und nicht nachlassende Spannung bis zum abschließenden Höhepunkt, dem schlechthin ideal ausgeführten „Agnus dei“, das von der Altistin mit warmer, klangvoller Stimme und viel Anteilnahme gesungen, mit den, vom Chor mit makellosen, äußerst  feinsinnigen und stilistisch wunderbar abgestimmten „Einwürfen“ des „Dona nobis pacem“ in idealer Weise korrespondierte.

 Beim Solistenquartett gab es unterschiedliche Timbres, Techniken, Auffassungen und Gestaltungsvarianten. Ludmilla Bauerfeldt, Sopran und Theresa Kronthaler, Mezzosopran trafen den Nerv dieser Musik der Demut, Innigkeit und lebensbejahenden Gläubigkeit. Sie hatten etwas von der Art des verklärenden italienischen Kirchengesanges, dem auch eine Spur Theatralik anhaftet, aber sie trafen, wenn auch auf verschiedene Weise, genau die Mitte zwischen Operngesang und gläubiger Andacht und kamen dem Charakter der Komposition sehr nahe.

 Ludmilla Bauerfeldt faszinierte mit der großartig gesungenen Arie „O solutaris“. Sie hatte etwas vom Flair italienischer Opernsängerinnen. In der Höhe wies ihre Stimme zwar zuweilen eine leichte Härte auf, wenn sie aber etwas zurücknahm, entfaltete sich ihre Stimme sehr klangvoll.

 Theresa Kronthaler hatte das „gewisse Etwas“ in der Stimme, das sie für diese Messe prädestinierte. Mit ihrer dunklen, warmen Stimme mit sicherer, gut klingender Tiefe, die sie, homogen in allen Übergängen vom leisesten Pianissimo bis zum kraftvollen Fortissimo folgerichtig bei aller Opernhaftigkeit mit sehr viel Innigkeit und Andacht einsetzte, steigerte sie sich bis zum hingebungsvollen „Agnus dei“ – eine großartige, reife Leistung.

 Beide Sängerinnen setzten ihre ansprechenden, gut klingenden Stimmen mit viel Einfühlungsvermögen und Werkverständnis für ihre Gesangspartien ein und vereinten sie, nur vom Klavier begleitet, im Duett in völliger Übereinstimmung.

 Für den erkrankten jungen russischen Tenor Sergey Radchenko war der ebenfalls junge Südkoreaner Sung Min Song eingesprungen und meisterte mit seiner schlanken, klaren Stimme mit guter Kondition die Tenorpartie, einschließlich der großen, anspruchsvollen Arie, die er makellos, wenn auch mehr sachlich als mit dem typisch italienischen opernhaften Flair sang.

 Lediglich der Bassbariton Daniel Kotlinski wollte mit seinem gewöhnungsbedürftigen, gutturalen Bassbariton und seiner nicht mehr ganz aktuellen Gesangstechnik nicht so recht in dieses Ensemble passen, wenn er sich auch an einer guten Gestaltung orientierte.

 Die „Hauptlast“ der instrumentalen Begleitung lag bei Semjon Skigin, einem versierten Pianisten, der mit seinem Können am ersten Klavier begleitete und mit Temperament und Ausdrucksfähigkeit seinen Solopart meisterte (wenn auch ein paar kleinere „Unschärfen“ nicht zu überhören waren). Ihm zur Seite standen Michael Schütze am zweiten Klavier und Enrico Langer am Harmonium.

 Ingrid Gerk

 

Diese Seite drucken