Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DRESDEN/ Frauenkirche: „MISSA SANCTI NICOLAI“ VON JOSEPH HAYDN

28.11.2022 | Konzert/Liederabende

Dresden/Frauenkirche:  „MISSA SANCTI NICOLAI“ VON JOSEPH HAYDN – 27.11.2022

Eine spezielle Veranstaltungsreihe  der Frauenkirche sind die „Geistlichen Sonntagsmusiken“, bei denen Gastensembles, Vokal- und Instrumentalsolisten, vorrangig aber auch der hauseigene Chor oder Kammerchor der Frauenkirche und das ensemble frauenkirche unter der Leitung von Frauenkirchenkantor Matthias Grünert auftreten und die Besucher mit dem großen Spektrum der Kirchenmusik vertraut machen. Grünert überrascht immer wieder durch seine besondere Programmgestaltung, bei der er oft unbekannte oder sehr selten zu hörende Werke aus dem reichhaltigen Erbe der Kirchenmusik zur Aufführung bringt, insbesondere von Bach, Haydn und Mozart, womit auch die Vielseitigkeit dieser Komponisten, deren zahlreiche Werke im Konzertleben präsent sind, beleuchtet und deren gesamtes Oevre bekannt wird.

Im Zentrum der Sonntagsmusik am ersten Adventssonntag stand die im Dresdner Raum selten oder gar nicht zu hörende “Missa Sancti Nicolai“ in G‑Dur für Soli, Chor und Orchester (Hob. XXII:6), deutsch Nikolaimesse, von Joseph Haydn, ein geniales Gelegenheitswerk, das er für seinen Gönner und Mäzen Fürst Nikolaus I. Esterhazy schrieb und das vermutlich am 6. Dezember 1772 zur Feier von dessen Namenstag aufgeführt wurde. Es ist die sechste von15, sehr verschiedenartigen Messen, die Haydn geschrieben hat. Der pastorale Charakter der „Nikolaimesse“ entspricht mit dem Eingangschor des „Kyrie“, „Dona nobis pacem“ und Schlusschor im beschwingten Sechsvierteltakt im Stil einer Pastorale bzw. Hirtenmusik – weshalb die Messe auch “Sechsviertel-Messe“ genannt wird – der  Adventszeit.

Der an dieser Stelle schon oft lobend erwähnte, sehr zuverlässige Chor der Frauenkirche mit seinen schönen Stimmen und das erfahrene, besonders klangschön musizierende ensemble frauenkirche bildeten die tragenden Säulen und das zuverlässige Fundament der Aufführung. Die in der Gestaltung der Kirchenmusik erfahrenen Solisten waren – wie in früheren Zeiten oft üblich – weitgehend in den Chor integriert und traten nur für einige solistische Auftritte heraus.

Die Sopranistin Marie Hänsel mit ansprechender Stimme und Einfühlungsvermögen und  Henriette Gödde mit ihrer geschmeidigen, warmen Altstimme und einschmeichelndem Timbre, beide mit guter Technik und Erfahrung im Konzert- und Oratoriengesang, überzeugten mit ihrer Hingabe an das Werk solistisch und im harmonischen Duett. Sebastian Richter gestaltete die Basspartie, nur das spezielle Timbre des Tenors Alexander Schafft wollte nicht so recht in den harmonischen Gesamtklang und Gesamteindruck passen.

Haydn schrieb die Messe in Eile und verwendete verschiedene Kurzformen. So hat beispielsweise das „Dona nobis pacem“ die gleiche Instrumentalmusik wie das „Kyrie“. Es dürfte aber nicht Haydn sein, wenn nicht dennoch ein eindrucksvolles, in sich geschlossenes Ganzes von ca. 25minütiger Dauer, entstanden wäre.

Grünert umrahmte die Messe mit zwei Werken von Vater und Sohn Bach und brachte sich bei der Gestaltung der drei Werke mit seiner Vielseitigkeit ein. Zu Beginn spielte er an der großen Frauenkirchen-Orgel von Kern junior in zügigem Tempo „Präludium und Fuge C‑Dur von Johann Sebastian Bach. Anschließend leitete er die Messe und abschließend das ensemble frauenkirche, das fast ausschließlich aus führenden Musikern mit solistischer und Kammermusikerfahrung der Sächsischen Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie besteht und mit Robert Lis, einem ausgezeichneten Geiger der Staatskapelle als Erstem Konzertmeister, die dreisätzige „Sinfonie G‑Dur (Wq. 180) für Orchester von Carl Philipp Emanuel Bach sehr frisch, sehr vital, sehr klangschön, in zügigem, aber angemessenem Tempo musizierte.

Ingrid Gerk

 

Diese Seite drucken