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DORTMUND: AIDA

16.12.2018 | Oper

Bildergebnis für theater dortmund aida
Theater Dortmund. Foto: Theater Dortmund

Dortmund, Verdi: AIDA am 15.12.2018

Verdis Aida plastisch auf die Bühne zu bringen, ist oft ein heikles Unterfangen. Schnell bekommen die Zeremonien der Priester Statisches und auch mancherorts ist für die Protagonisten Gestehe angesagt.

In Dortmund versucht es Regisseur JACOPO SPIREI mit mäßigem Erfolg, den Figuren Konturen zu geben. Meist bleibt es bei stereotypen Fleh-Gesten Aidas und ausgebreiteten Tenorarmen. Auch in der Ästhetik ist die Regie sehr unentschlossen. Halb im Heute wie in der Eröffnungsszene (Konferenzraum) , halb bebildernd am Nil, was von einer Wasserlache angedeutet wird. Teils folkloristische, teils aktuell militärische  Kostüme (SARAH ROLKE) bekommt man zu Gesicht. Man wird nicht schlau, was die Motivationen für die szenischen Entscheidungen sind, aber vor allem wird es sehr selten packend. Und das liegt an einer vorhersehbar konventionellen Personenführung im steril- abstrakten Raum (NIKOLAUS WEBERN). Auch im Schlussbild will trotz sich senkender Plexiglas- Quadrate sich nichts Klaustrophobisches einstellen, die Szene wirkt eher mager und ein wenig banal, zumal wenn Radames Aidas Kleidungsstücke außerhalb des für immer verschlossenen Grabes noch gut zu entsorgen weiß.

Eine gewisse Beliebigkeit der Stilmittel und Ideen ist das szenische Ergebnis.

Mit dem Notentext Verdis nehmen es nicht alle so genau und der Dirigent muss Ausreißer immer wieder einfangen oder ihnen klaren Stab zeigen. Gerade die Protagonistin Aida wird von ELENA O‘ CONNOR zwar bildschön dargestellt, aber sozusagen im Freistil gesungen. Einige Töne detonieren dabei und die Notenhöhen und – werte sind nicht immer deutlich erkennbar.

HYONA KIM hat enormes dramatisches Material als Amneris. Ihre Phrasierung könnte italienischer sein, aber sie bringt Spannung und Kraft auf die Bühne.

Die ist auch sofort vorhanden, betritt der Amonasro MANDLA MBDEBELE‘s die Szene. Eine strahlkräftige, schön timbrierte, junge Heldenbaritonstimme und konzentrierte Gestaltung zeichnen ihn eindrucksvoll aus. Dass der Oberpriester Ramphis in solch exquisiter Kehle liegt wie bei KARL-HEINZ LEHNER, ist pures Hörvergnügen. Ein Basso profondo der Ausnahmeklasse! Nicht am richtigen  Platz ist stimmlich dagegen DENIS VELEV als König, dessen grossspuriges Auftreten als Diktator einer Bananenrepublik in Diskrepanz zu seiner verhaltenen Stimme steht. HECTOR SANDOVAL betrachtet die Heldentenorpartie des Radames ganz mit seinen lyrischen Mitteln. Da er eine unbestechliche Höhe mitbringt, schadet er sich bei der an sich heldischen Partie nicht. Im leichteren Fach könnte er sicher mehr Eindruck machen.

Klar und intonationssicher gefällt die Priesterin NATASCHA VALENTIN, und Tenor FRITZ STEINBACHER meistert den kurzen, aber dramatischen Botenauftritt solide.

Der Chor des Dortmunder Theaters (FABIO MANCINI) bewältigt die große Aufgabe ausgesprochen souverän. Frauen- wie Priesterchöre setzen sich musikalisch gut voneinander ab.

GABRIEL FELTZ trifft auf gut aufgelegte Dortmunder Philharmoniker. Manches gerät  deftig laut,  die Introduktion hingegen zart und delikat. Manchmal ist der Kontakt der Sänger zum Graben nicht aufmerksam genug, jedoch Dirigent und Orchestermusiker machen ihre Sache sehr konzentriert und klangintensiv.

Das Dortmunder Publikum reagiert wohlwollend.

Ein ganz großer Wurf ist hier, insbesondere szenisch, nicht gelungen, aber gerade durch außergewöhnliche Einzelleistungen ist es ein sich lohnender Opernabend geworden.

Dortmunds Spielplan hat Vielversprechendes und Innovatives wie eine Bürgeroper zu bieten. Man darf weiter gespannt sein.

 

Christian Konz

 

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