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Dolores Schmidinger: IM BETT MIT DEM TEUFEL

26.09.2014 | buch

BuchCover Schmidinger, Teufel

Dolores Schmidinger: 
IM BETT MIT DEM TEUFEL
Ein Wien-Krimi
232 Seiten,
Amalthea Verlag 2014  

Einst war die „Dolly“ Schmidinger die Lachwurzen des Volkstheaters und eine der begabtesten, beliebtesten Schauspielerinnen von Wien. Dann ging es in ihrem Leben einigermaßen auf und ab, und sie war genötigt, sich immer wieder neu zu erfinden. Heute sieht man sie nur noch sehr selten auf der Bühne, aber sie hat zwei neue Berufe – als Regisseurin und als Autorin.

Nachdem sie, wie ungefähr jeder Wiener Schauspieler, der auf sich hält, ihre Erinnerungen geschrieben hat, tritt sie nun als Krimi-Autorin hervor. „Im Bett mit dem Teufel“ klingt schon einmal herausfordernd gut. Und dass das Ganze auch einen autobiographischen Hintergrund hat, wurde von ihr oftmals bestätigt.

Gut, die Heldin – Eva Traxler – ist auch Schauspielerin, wenn auch 14 Jahre jünger als die echte Dolly. Und einen Ex-Freund ähnlich jenes Joachim Kaunitz Hackenberg, den sie da Angst erregend schildert, will sie einmal gehabt haben? Na wusch, wie man in Wien sagt – das Wienerische ist schließlich integraler Bestandteil ihres Romans.

Er spielt auf zwei Zeitebenen, heute, also 2014, und 20 Jahre davor, 1994. Damals, als Eva noch Theater spielt, mit diesem Joachim zusammenstößt und dringliche sexuelle Lust nach ihm entwickelt, obwohl (weil) er sie so schlecht behandelt. Der gute Mann gehört nämlich zu einer „gnostischen“ Satanisten-Sekte, die Sex eigentlich verfemt und aus dem Leben verbannt wissen will… Er „sündigt“ also ganz gewaltig, wenn er sich von Evas Begierden mitreißen lässt.

Bedenkt man, wie schnell Eva die ganze Verrücktheit von Joachim und seiner faschistoiden Welt, die am Munde eines „Professors“ hängt, durchschaut, muss sie doch einen ganz schönen Huscher gehabt haben, so lange an ihm festzuhalten. Wie dem auch sei – 20 Jahre davor macht sie dann schlechtendlich doch Schluß, kommt also davon…

Der Roman konzentriert sich kapitelweise auf einzelne Figuren, nicht in Ich-Form, aber es wird immer ganz nahe an der jeweiligen Person erzählt (und immer mit Artikel: „die Eva“, „der Joachim“, „die Franziska“ tun dies und jenes). 20 Jahre später sind die Kinder erwachsen, der Kreis der Handelnden hat sich erweitert. Nun kommen zu Eva und Joachim, dem sie wieder begegnet, noch Evas Tochter Franziska (ihres Zeichens Reporterin bei einem Wiener Lokal-Blatt), deren Freund (der verheiratete Polizist Stefan), „die Heidelinde“ (Wahrsagerin, aus dem Satanisten-Kreis, Mutter von Joachims Sohn) und „der Thomas“ (mit schlechtem Erbgut behafteter Sohn) zentral vor. Und der alte, greise, schon dem Absterben nahe „Professor“, noch immer Zentrum einiger Anhänger, befiehlt nun zur Reinigung der Erde Prostituierten-Morde… Die Schlusspointe entspricht dann dem klassischen Muster, dass unsere Heldin in Lebensgefahr gerät.

Es braucht mehr als 140 Seiten, bis man beim ersten Mord anlangt, aber so richtig grauslich ist die Geschichte die ganze Zeit. Dolores Schmidinger lässt anschauliche Phantasie bei den Perversionen der Satanisten (und auch ein wenig bei den Sex-Schilderungen) walten. Absolut keine elegante Wiener Krimi-Lektüre, sondern so scharf gewürzt, als hätte die Autorin beim abgefahrensten Würstelstand ihre schreibende Energie getankt.

Renate Wagner  

 

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