Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

DIMENSIONEN WELT – MARLIS PETERSEN neue Trilogie – Solo Musica CD Bunte Naturbilder in romantischer Liedkunst

03.11.2017 | cd

DIMENSIONEN WELT – MARLIS PETERSEN neue Trilogie – Solo Musica CD

Bunte Naturbilder in romantischer Liedkunst

4260123642747

Auf ihrer konzeptuellen „lauschigen“ Erkundung schimmernder Ton-Perlen, seelentief leuchtender Dynamik-Edelsteine und wild-romantischer Klang-Fossilien stellen sich die Sopranistin Marlis Petersen und ihr Klavier-Begleiter Stephan Matthias Lademann die grundlegende Frage, ob unser Blick noch offen für die Schönheiten dieser Welt ist? Oder ob wir schon Gefangene in Strukturen, Mustern und Urteilen sind und das Grün des Waldes und das Blau des Meeres gar nicht mehr wahrnehmen können.

Dieser Frage wollen die beiden Künstler in einer Trilogie namens Dimensionen nachgehen. Auf drei CDs (Welt, Anderswelt, Innenwelt) werden die beiden das Liedgut der Klassik und Romantik nicht neu entdecken, aber neu ordnen und kombinieren. Auf der ersten CD der Trilogie mit dem Titel „Welt“ gliedern Petersen und Lademann Lieder von Robert und Clara Schumann, Schubert, Sommer, Brahms, Koch, Wagner in die vier Themenkreise: „Himmel & Erde“, „Mensch & Natur“, „Los & Erkenntnis“ sowie „Hoffnung & Sehnsucht“. Die Lieder sollen den Hörer „musikalisch durch die verschiedenen Wege des Menschen in der Welt bis hin zum Hadern und Sehnen und der Frage nach dem Sinn dieser Erdenerfahrung“ begleiten.

Also nehmen wir die Einladung von Petersen und Lademann dankbar an und entfliehen wir eine Stunde lang dem Lärm der Welt, dem Funktionieren-Müssen und dem Leistungsdruck. Das neue Album ist schon deshalb von besonderem Interesse, weil nicht die immer selben „Bestseller-Lieder“ von Schubert oder Schumann auf dem Programm stehen. Musikveredelte Naturbilder sind geradezu ein Kennzeichen der Romantik, also lohnt der Blick auf Ferneres. So findet der Musikbegeisterte auf der neuen CD selten aufgeführte Kleinode wie Schuberts „Die Berge“, die Abendhymne „An die untergehende Sonne“ oder „Die Mutter Erde“ bzw. von Robert Schumann Raritäten wie „Sehnsucht“ oder „Die Hütte“. Zwischendurch darf es da schon mal bekannter zugehen, wie etwa bei Brahms „Feldeinsamkeit“ und Wagners „Stehe still“ aus den Wesendonck Liedern. Petersen nimmt hierauf wiederum die Komposition „Das Los der Menschen“ des bei uns kaum bekannten schwedischen Tonsetzers Sigurd von Koch bzw. drei Kostproben des deutschen Spätromantikers Hans Sommer („Herbstabend“, „Gesang des Lebens“ und „Erinnerung“) in ihre Anthologie auf.

Marlis Petersen, Lulu vom Dienst, und in Wien zuletzt mit Beethovens „Leonore“ (Erstfassung 1805) konzertant im Theater an der Wien unter René Jacobs erfolgreich, hat ein Faible für das Lied. Sie verfügt über einen hell-metallischen, von der Koloratur herkommenden Sopran. Das bei diesem Stimmtypus in oberen Regionen limitierte Farbenspektrum macht Petersen durch authentisch individuellen Ausdruck primär aus dem Ton-Wortverhältnis, expressive Artikulation, meisterliche Phrasierung und glockenhelle Höhen wieder wett. Ja, die Liebe zum Lied ist hier nicht einseitig, das Lied liebt Petersen zurück, wie das auf jedem Titel der neuen CD erfahrbar wird. Petersen versteht es, Stimmung und Atmosphäre zu schaffen. Die sinnige Zusammenstellung des Programms tut das Ihrige, um Ohren zu putzen und Herzen zu öffnen. Daran hat auch Pianist Stephan Matthias Lademann seinen Anteil, der das überwiegend introvertierte Programm behutsam begleitet. Das war doch die Absicht, oder? Wir freuen uns schon jetzt auf den zweiten Streich der Trilogie mit „Anderswelt“.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

Diese Seite drucken