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Dietmar Grieser: LANDPARTIE

20.07.2013 | buch

Dietmar Grieser:
LANDPARTIE
Begegnungen, Erlebnisse und Entdeckungen in Österreich
240 Seiten, Amalthea Verlag, 2013 

Jahrzehntelang hat Dietmar Grieser über berühmte Menschen geschrieben und ist dabei als Autor selbst berühmt geworden. Verständlich also, dass seine Bücher immer autobiographischer werden. Nicht im Sinn von zusammenhängend erzählten „Memoiren“ (vielleicht kommt das irgendwann einmal auch noch), wohl aber in Berichten, in denen er selbst so wichtig ist wie die „Begegnungen, Erlebnisse und Entdeckungen in Österreich“: Das ist nämlich der Untertitel seines jüngsten Buches „Landpartie“, das er seiner Wahlheimat und deren Käuzen (man kann schon so sagen) widmet.

Er ist zwar Wiener geworden, aber wenn er mit der Stadt auch die „Ehe“ einging, so hat er – wie er es so schön formuliert – mit den Bundesländern doch seine netten „Pantscherln“. Er hat sie alle durchstreift („Ich liebe die kleinen Orte in der so genannten Provinz“), nicht zuletzt als gefragter Vorleser aus seinen Büchern (wovon er gegen Ende des Buches manches Amüsante zu erzählen weiß).

Manchmal hatte er bei seinen Reisen auch Gefährten wie den urigen Maler und Autor Franz Hrastnik, das Urviech, das Maggi als Aufstrich auf Semmeln aß und – freundlich ausgedrückt – „unbeherrscht spontan“ war. Man begegnet noch vielen anderen, die einst  vielleicht populär waren und heute vergessen, anderen wieder, deren Name noch heute klingt – der große Albert Drach, Marion Degler, Gattin des wunderbaren Leopold Rudolf, Hilde Spiel (und ihr Initmfeind Lernet-Holenia), Thea Böhm, Dirigentengattin, die ihren Geiz mit dem Gatten teilte, Gundula Janowitz, Bruno Kreisky… manche Anekdote vielleicht aus zweiter Hand, aber viele aus erster.

So privat war Grieser selten – man erfährt so manches vom Vater (mit Foto in Uniform im Ersten Weltkrieg), man liest von der Mutter, von den beiden Brüdern Hans und Helmut (Gartenarchitekt und Vogelkundler), mit denen er dann doch nicht ganz so gut ist, wie er es gerne hätte. Von negativen Jugenderinnerungen im Zusammenhang mit Zell am See. Von seinen journalistischen Anfängen in Wien beim „Kleinen Frauenblatt“, wo die Mitarbeiter sich mit Selbst-Gebackenem, -Gestricktem, -Geerntetem einstellten, was heute wohl als schwer strafbare Bestechung gälte und damals einen vergnügten kulinarischen Wochenplan gab – lockere Zeiten. In den Burgenländer „Künstlerkreis“ ist er eingetaucht, es gab Weinreisen mit Freunden, Grieser ist überhaupt auch ein „Hotelmensch“, das mag er, besichtigt aber lieber die Zweitwohnsitze der Freunde „am Land“, bevor er sich selbst einen zulegte, all das ist amüsant.

Grieser erzählt aber nicht nur „schöne“ Geschichten – wie die Waggerl-Witwe sich wie ein verletztes Tier zurückzog, weil man ihrem verstorbenen Gatten plötzlich eine Nazi-Vergangenheit vorwarf, das ist traurig. Ebenso wie seine Erinnerungen an Brigitte Schwaiger, die sich ja doch umbrachte – wie es in ihren Briefen immer wieder angeklungen war…

Wer den Historiker Grieser schätzt, der er natürlich auch ist, bekommt seine Einsichten, wie Sozialbauten bei Maria Theresia aussahen, über das Franz Joseph-Denkmal in Wiener Neustadt – oder ein Hitler-Bild in einem Grazer Kirchenfenster (aber anderswo findet sich in einem Kirchen-Deckengemälde auch Karl Marx…). Das ist das Schöne an Griesers Büchern: Man erfährt immer etwas Neues.

Renate Wagner

 

 

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