Gediegener Jazz in charmant rustikalem Ambiente
– Das Inntöne Festival in Diersbach

Krzysztof Kobyliński Piano Solo (PL). Copyright: Günther Gröger

Lisa Hofmaninger bcl & Helmut Jasbar g (A). Copyright: Günther Gröger
In Diersbach, einem 1500 Seelendorf im Innviertler Outback, gibt es seit 25 Jahren eines der spannendsten und offensten Festivals des Landes. Paul Zauner, einer der wesentlichen Gestalter der Jazzszene Oberösterreichs, begann Mitte der 80er Jahre in Sigharting mit der Installation eines Musikfestes, dessen Grenzen seit weit gesteckt sind. Nach Stationen in Raab und Zell an der Pram, zog man 2002 auf Zauners Familiensitz, den Buchmannhof in der Froschau bei Diersbach, und profilierte sich rasch als wichtiger Kristallisationspunkt dieses Genres.
Wenn man fragt, wer in den Jahren aller da war, ist das schwer zu beantworten. Eher sollte man fragen, wer das Inntöne Festival nicht besucht hat. Ein wenig Namedropping sei dennoch gestattet. Die Pianisten Kirk Lightsey, Pablo Held, Aki Takase, Dollar Brand aka Abdullah Ibrahim, die Saxofonisten Gary Bartz, Steve Grossman, Azar Lawrence, Clemens Salesny, Dave Murray, die Sängerinnen/Sänger Dee Alexander, Chanda Rule, Gregory Porter, China Moses. Manche wurden Freunde, Stammgäste und traten immer wieder bei den Inntönen auf. Das Publikum dankt es Paul Zauner mit zahlreichem Erscheinen, sachkundiger Aufmerksamkeit und großer Begeisterungsfähigkeit.
Aus dem 2026er Programm, das von 14. bis 16. August über die Bühnen des Buchmannhofs ging, sei auf ein paar Höhepunkte hingewiesen, die auch einen deutlichen Beleg für die stattliche Bandbreite des Festivals geben.

Portrait of Gavin Skeggs (UK/CZ) – Gavin Skeggs voc, Osian Roberts sax, Jaromír Honzák bass. Copyright: Günther Gröger

JD Allen Trio „Back to the Future“ (USA) – JD Allen tenorsax, Jonathan Zelnik bass. Copyright: Günther Gröger
In der Scheune, der Hauptbühne des Festivals, brillierte der polnische Pianist Krzysztof Kobyliński mit einem abwechslungsreichen Solo. Er schöpft aus diversen Quellen, der osteuropäischen Folklore, der feien Improvisation, aber auch aus der afroamerikanischen Tradition von Blues und Gospel. Erlesene Balladenkunst trifft auf leichtfüßigen Swing, melancholischer Ernst auf nie clownesken Witz. Kobyliński begeistert mit Virtuosität, Spielfreude und emotionaler Tiefe.
Ein feiner Kontrast dazu ist das lässige Croonertum des britischen Baritons Gavin Skeggs mit seiner entspannten Combo. Da wird lustvoll im amerikanische Songbook geblättert, Klassiker wie „Skylark“, „What a difference a day makes“ oder „There will never be another you“ lassen uns in Erinnerungen an Frank Sinatra, Nat King Cole oder Tony Bennett schwelgen.
Der Innviertler Trompeter Lorenz Raab hat bei den Inntönen quasi ein Heimspiel. Seit 25 Jahren arbeitet er mit dem Drummer Rainer Deixler und dem Tubisten und Hackbrettspieler Ali Angerer im kooperativen Trio Blue zusammen. Das kammermusikalische Projekt entwickelt sich ständig weiter, verfeinert die Klanggewinnung, elektronische Modulationen bringen zeitgemäße loopartige Elemente ein. Zugleich wird eine gewisse Coolness gepflegt, die die Wärme der Sounds subkutan, wie eine leise Glut, wirken lässt. Ein brillantes Stück Musik, das auch bestätigt, dass lange währende Zusammenarbeit nicht zur routinemäßigen Erstarrung führen muss. Großartig, auch frenetischer Applaus.

Trio BLEU „Deeper“ (A) – Ali Angerer tuba, electric dulcimer, Rainer Deixler drums, percussion, Lorenz Raab trumpet, flugelhorn, mellophone, harmonium. Copyright: Günther Gröger

Trio BLEU „Deeper“ (A) – Lorenz Raab trumpet, flugelhorn, mellophone, harmonium.Copyright: Günther Gröger
Wieder als feiner Kontrast spielt das gut geerdete Trio des Tenorsaxofonisten J.D. Allen. Allen musiziert mit dem Kontrabass Jonathan Zelnik und dem Drummer Thomas Galliano ein Format, das der kürzlich verstorbene Sonny Rollins in den 50ern ins Leben gerufen hat, das ohne Harmonieinstrumente auskommt und so den Solisten mehr Freiräume gibt. Großzügiger freier Jazz, dessen Intensität beeindruckt und dessen Sound dort hinführt, wo alles wurzelt, im Blues und der Spiritualität der Great Black Music.

Stéphane Kerecki „Liberation Songs“ (F) – Enzo Carniel piano, Thomas Savy sopran sax, Fabrice Moreau batterie, Stephane Kerecki contrebasse. Copyright: Günther Gröger
Am glühend heißen Nachmittag überarbeitet ein Quartett um den französischen Bassisten Stéphane Kerecki auf der Open Air Bühne die „Liberation Music“ von Charlie Haden und Carla Bley aus den 60ern, eine erfrischende Wiederbelebung mit dem brillanten Thomas Savy am Sopransax und der Bassklarinette und im St. Pig’s Pub, dem umgebauten Schweinestall erinnert ein Trio um den Saxofonisten Johannes Enders an den großen Pharoah Sanders, mit dabei mit Gene Calderazzo jener Drummer, der auch schon 2013 mit Sanders bei den Inntönen getrommelt hat.
Schönes Festival.
Christoph Haunschmid

