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DIE WIENER ImPulsTanz- Reihe – ein perfektes Managemement

19.07.2021 | Ballett/Tanz

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Akhram Khan – Outwitter the Devil. Copyright: Jean Louis Fernandez

Die Wiener ImPulsTanz-Reihe: Ein perfektes Management 

Ein bisschen Stöbern & Schmecken im heurigen Angebot von ImPulsTanz! Schon sehr faszinierend ist die Vielzahl an Veranstaltungen, welches diese perfekt gemanagte Reihe an Tanz- oder Performanceabenden alljährlich in den Sommermonaten in Wien zu bieten hat. 61 Produktionen aus 20 Ländern stehen von 15. Juli bis 15. August auf der Liste. Mit fünfzehn Uraufführungen (wohl nicht immer weltbewegenden), vor allem aber mit zusätzlichen Angeboten wie ‚Workshops & Events‘ oder den ‚Public Moves‘ – täglich kostenlose Outdoor-Tanzklassen für alle, vom Arkadenhof des Rathauses über die Kaiserwiese im Prater bis zum Badeteich in Hirschstetten.

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Jerome Bel: Isadora Duncan. Copyright: Camilla Blake

Rundum ist es bereits in den ersten Tagen zugegangen, mit nicht gerade leicht zu merkenden Namen von Performern: Wo sind Alexandra Bachzetsits, Trajal Harrell, Ian Kaler, Petar Sarjanovic einzuordnen …. ? Bitte, es kommt aber auch ein sehr spezifisches Publikum, welches einiges an modischer Ausgefallenheit oder die Befindlichkeiten von Einzelgänger zu ertragen versteht.

Meg Stuart, 65jährige Choreographin aus New Orleans, ist in diesen Kreisen ein bekannterer Name, und ihr Trüppchen ‚Damaged Goods‘ ist im Volkstheater zu dem uraufgeführten „Cascade“-Zweistundenabend angetreten. Von welcher Seite wäre diese auf Langatmigkeit hinzielende Bewegungsshow mit zwei riesigen Plastik-Bags zum Herumturnen, mit Seilen um gelegentlich über die Bühne zu schwingen oder immer, immer wieder auf einer Rutsche rauf und runter zu gleiten zu beurteilen? Ein zufällig vorbei kommender und gut gelaunter Normalverbraucher könnte über diese skurrilen Körperhaltungen, dieses verzerrte Gestikulieren, die sich ständig wiederholenden Abläufe mit ihren abrupten Wendungen oder die in wechselnder Kleidung am Boden herum lungernden Damaged Goods sagen: Rucki Zucki in der Hüpfburg! Ein böserer Zufallsgast vielleicht auch auf wienerisch: Lauter Blöde!

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Fiebre/ Junge Choreographen. Tamara Alegre, Lydia Ostberg, Nunu Flashdem, Celia Lutangu. Foto: Nelly Rodriguez

Das Programmheft beschwört allerdings weit interessanteres, erzählt, dass die Performer „…. nach Möglichkeiten suchen dem Zeitpfeil zu widerstehen. In rhythmisch komplexen Strukturen begegnen sie einander und treiben ihre Körper und Imaginationen in einen neuen Zeit-Raum, stellen sich eine neue Erde vor und bringen unvermeidliche Ergebnisse wieder ins Gleichgewicht. In einem Spiel der Verweigerung und Fürsorge wird die Unterbrechung zur treibenden Kraft: Stürzen und Fallen folgen aufeinander, Körper verlieren den Halt, Prinzipien werden wiederholt, unterbrochen und verwandelt.“ Und schließlich die Lösung: „Ein freier Fall in die sich auflösende Zeit.“ Also, hochgeistige Spielkultur oder doch lauter Blöde? Meg Stuarts Leute  treten jetzt noch einmal an: „Violet“ heißt es am 26. Juli im Volkstheater – bitte um ein eigenes Urteil!

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„Normal“. Alas Cie, Guilherme Botelho. Copyright: Gregogy Batardon

Oder aber, sicher gesünder: Selber herumhüpfen oder gar ImPulsTanz-tanzen dank Public Moves an verschiedenen Wiener Lokationen. Etwa bis 15. August täglich um 16.30 und 18.30 Uhr auf der SPORTinsel der Donauinsel. ImPulsTanz lockt bei Schönwetter: www.impulstanz.com 

 

Meinhard Rüdenauer

 

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