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DIE SCH’TIS IN PARIS – EINE FAMILIE AUF ABWEGEN

18.03.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 23. März 2018
DIE SCH’TIS IN PARIS – EINE FAMILIE AUF ABWEGEN
Jolie Ch’tite Famill  /  Frankreich  /  2018
Drehbuch und Regie: Dany Boon
Mit: Dany Boon, Laurence Arné, Line Renaud, Pierre Richard u.a.

Man meint zu wissen, warum „Willkommen bei den Sch’tis“ 2008 in Frankreich (und etwas abgeschwächt auch im Rest von Europa) ein so riesiger Erfolg war. Der Film hat den Franzosen gewissermaßen gezeigt, wie groß ihr Land ist und wie wenig sie von dessen entlegenen Ecken wissen. Und vermutlich sprechen die Menschen in der Picardie im Norden wirklich einen Dialekt, den die Pariser so wenig verstehen können wie die Wiener ihre Mit-Österreicher aus Vorarlberg…

Dany Boon hat nun beschlossen, das Lachen über die Provinzler aus der Distanz von zehn Jahren noch einmal zu beleben, allerdings unter anderen, gewissermaßen politisch korrekten Vorzeichen. Auch geht es nicht um das Nord-Süd-Gefälle wie damals (als der Held von der Cote d’Azur in den tiefen Norden geriet), sondern, wie der deutsche Titel sagt, um die „Sch’tis in Paris“. Die Figuren sind allerdings nicht dieselben, und von den Darstellern sind auch nur Boon, der diesmal „Valentin D.“ heißt, und Line Renaud, die wieder seine Mutter ist, dabei. Das Lachen hat wieder mit der Sprache zu tun, und die deutsche Synchronisation musste sich erneut mit einem Kunstdialekt plagen, den man gerade noch, aber schlecht versteht…

Die Moral von der Geschichte (und des diesmal schwachen Drehbuchs von Boon) besagt, dass man seine Wurzeln nicht verleugnen soll. Aber als Sch’ti hätte „Valentin D.“, berühmter Designer, in Paris keine Karriere gemacht, wäre nicht (immer mit dem Hinweis, dass er Waise ist) reich und in der Szene begehrt geworden. Mit seiner schönen blonden Vorzeigefrau Constance (Laurence Arné) flutscht er durch die Kunstszene und ist, vom Schwiegervater getrieben, immer auf der Jagd nach den lukrativsten Aufträgen. Er sieht aus wie eine Mode-Erscheinung und gibt in aller Affektiertheit auch denselben Stuß von sich, der in dieser Kunstwelt üblich ist…

Aber der gute Mann hat im Norden eine Familie zurückgelassen, die zwischen Baracke und Schrottplatz lebt. Die alte Mama (von ihrem zweiten Sohn Gustave irregeführt) bildet sich fest ein, Valentin würde ihr zum 80. Geburtstag in Paris ein Fest geben. Mit Gustave, dessen Frau und der kleinen Tochter bricht sie nach Paris auf, gerät in die Vernissage von Valentin, bringt alles durcheinander – und kann nicht unauffällig expediert werden: Denn nun hat Valentin einen Unfall, liegt im Koma, und als er erwacht, spricht er Sch’ti und hat alles vergessen, was seit seiner Existenz in Paris geschehen ist. Nun ist er wieder der Arbeiterjunge aus dem Norden, der eigentlich mit Louloute (Valérie Bonneton) ein Verhältnis hatte, die dann (nachdem er abgepascht war) seinen Bruder (Guy Lecluyse) geheiratet hat. Peinlich, dass es herauskommt, weil niemand davon wusste…

Was nun? Valentin muss nicht nur wieder „Französisch“ lernen, sondern auch die Manieren der großen Welt. Und netterweise lernt seine Luxusfrau Sch’ti. Und die Rückkehr zur Familie wird ganz schrecklich rührend, auch der grimmige Papa (der uralte Pierre Richard tobt fröhlich herum) nimmt den verlorenen Sohn wieder auf, der böse Schwiegervater interessiert sich nur für die Firma und den Markennamen… Nein, bis Valentin sein Gedächtnis wiederfindet und jetzt weiß, wer er ist, ist Dany Boon (der natürlich sein eigener idealer Hauptdarsteller ist) nicht viel eingefallen.

Die Aussage „Sei authentisch“ hat man schon oft gehört. Mögen sich Valentin und Laurence im schlichten Arbeitermilieu des Nordens wohl fühlen… Der Nachspann des Films zeigt übrigens (wie es früher modern war) Szenen, die beim Drehen schief gegangen sind. Dabei merkt man auch, wie schwer den Schauspielern ihr Sch’ti-Dialekt gefallen ist.

Renate Wagner

 

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