Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Die Kölner Oper erstrahlt in altem Glanz

27.03.2026 | Feuilleton, Reflexionen

Die Kölner Oper erstrahlt in altem Glanz

Von Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

ko6
Maria Callas 1957 „Sonnambula“. Foto: Angelica Italia

ko1
Der neue Zuschauerraum. Foto: Andrea Matzker

Nachdem das alte Opernhaus am Rudolfplatz, das 1902 eröffnet worden war, nach schweren Kriegsschäden im Jahr 1958 abgerissen wurde, um Platz für eine moderne Stadtplanung machen, wurde am 18. Mai 1957 das neue Kölner Opernhaus am Offenbachplatz offiziell eröffnet. Es galt damals als eine der modernsten Spielstätten Europas und als Symbol für den kulturellen Wiederaufbau Kölns. Am 4. Juli 1957 sang Maria Callas die Amina in der „Sonnambula“ in Begleitung des Ensembles der Mailänder Scala mit Fiorenza Cossotto und Nicola Monti unter Maestro Antonino Votto zur festlichen Eröffnung des Hauses. Votto war Assistent Arturo Toscaninis und der hochverehrte Lehrer von Riccardo Muti. Diese Live-Aufnahme aus Köln ist dokumentiert und gilt nicht nur als eine der bemerkenswerten Darstellungen der Callas in ihrer Glanzzeit, sondern auch als Juwel der Interpretation der „Sonnambula“.

ko2
Köln, Bühne. Foto: Andrea Matzker

ko3
Parkettfoyer mit Pressekonferenz am 26.3.2026. Foto: Andrea Matzker

ko4

Blick in die Höhe des Parkettfoyers. Foto: Andrea Matzker

Bei der Präsentation der Spielzeit 2026/2027 am 26. März 2026 in dem noch unfertigen Parkettfoyer des Opernhauses am Offenbachplatz konnte man schon den Spirit von Aufbruch und Erneuerung spüren. Ein gut gelaunter Opernintendant erklärte, dass die Oper mit dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss am 27. September 2026 eröffnet würde. Dabei handelt es sich um die von Richard Strauss persönlich überarbeitete Version, die sehr selten zu hören ist. Ende November kommt allerdings auch das letzte Werk vom Namensgeber des Platzes, nämlich dem gebürtigen Kölner Jacques Offenbach. Bereits in der Vergangenheit feierten „Hoffmanns Erzählungen“ unvergessliche, ja geradezu geschichtliche Erfolge am Kölner Haus, und nicht umsonst kreist die Stimme von Edda Moser, der damaligen Kölner Olympia, durch das Weltall, wenn auch mit der Rache-Arie der Königin der Nacht. Insgesamt zehn Opernpremieren wird es in der neuen Spielzeit geben, ebenso auch einige Wiederaufnahmen, wie zum Beispiel die „Zauberflöte“ von Michael Hampe. Ein umfangreiches Schauspiel-Programm, ein Fest der Operette, Kinderoper- und Tanz- Aufführungen vollständigen das große Angebot. Man macht im wahrsten Sinne des Wortes „Bella Figura“. Dazu gehören Gastspiele eines kubanischen Tanzensembles und die Aufführung der „Notte Morricone“ als bildgewaltige Hommage an den Filmkomponisten Ennio Morricone. Man darf gespannt sein, auch auf das Programm vom „Divertissementchen“ der Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg, denn dort wird die beliebte Kölner Volksschauspielerin Trude Herr kurz und bündig selbst zur Opernintendantin.

Vor allem aber waren die Zuhörer der Pressekonferenz gespannt darauf, etwas über die feierliche Eröffnung zu erfahren. Voraussichtlich wird es zwei Festtage für das Kölner Publikum geben, bevor am 24. September 2026 mit einer großen Gala das Opernhaus und das gesamte Ensemble mit Schauspielhaus, Kinderoper und Tanztheater eröffnet werden wird. Am 19. und 20. September öffnen sich die Bühnen und der Offenbachplatz wieder für die Kölner Bürgerschaft. Endlich werden die Container verschwunden sein, die jahrelang den Blick auf das Opern-Ensemble verdeckt haben, und der schöne Brunnen von Jürgen Hans Grümmer aus dem Jahr 1966 mit dem Apostelkopf aus der Gedächtniskirche und mit Relikten eines Bodenmosaiks aus der Luxusjacht „Christina“, auf denen bereits Maria Callas wandelte, kann wieder plätschern!

Die Kölner dürfen an diesen zwei Tagen in allen Häusern der Bühnen auf Entdeckungsreise gehen, die zauberhaft zarten, ursprünglichen Farben nach dem Entwurf von Wilhelm Riphahn wiederentdecken, die originalen Leuchten bewundern und sich über die Möglichkeiten der neuen Bühnentechniken informieren lassen. Auf einer Außenbühne läuft durchgehend ein Programm von Oper, Schauspiel und Gästen. Sämtliche neun Stadtbezirke Kölns sind in das Programm eingebunden. Bürger können auch aktiv an der Gestaltung mitarbeiten. Zum Abschluss dieses Eröffnungswochenendes erklingt auch erstmals wieder Musik im Opernhaus: Das Ensemble der Oper Köln und das Gürzenich-Orchester nehmen endlich wieder ihre Plätze ein und begleiten unter anderem den Special Guest, die Kölner Rock-Band Kasalla. Damit möchten die Bühnen der Stadt Köln und auch der neue Oberbürgermeister Kölns, Torsten Burmester, besonders die Jugend ansprechen.

Am 24. September 2026 feiern Oper und Schauspiel Köln gemeinsam ihren Wiedereinzug in ihre angestammten Häuser am Offenbachplatz. Beide präsentieren auf der Opernbühne ein Programm für Kölner und Ehrengäste. Die Mitwirkenden sind die beiden Ensembles von Oper und Schauspiel, das Gürzenich-Orchester unter der Leitung seines GMD Andrés Orozco-Estrada und als Gast die Sopranistin Diana Damrau. Mit dieser feierlichen Wiedereröffnung kehrt die Oper Kölns mit dem Gürzenich-Orchester endlich in ihre traditionsreiche Stammspielstätte im Herzen der Stadt zurück. Das architektonisch ikonische Gebäude-Ensemble Wilhelm Riphahns präsentiert sich nach umfassender Sanierung, die inzwischen mehr als eine Milliarde Euro gekostet haben dürfte, als eines der modernsten Opernhäuser Europas. (Zum Vergleich: Der Wiederaufbau des abgebrannten Schlosses Windsor kostete innerhalb von fünf Jahren ungefähr 37 Millionen £, also ca. 42 Millionen €, und die aktuelle zehnjährige Sanierung des Buckingham Palace kostet geschätzte 369 Millionen £, also ca. 424 Millionen €.)

Der Abonnementverkauf für Oper, Schauspiel und Tanz hat bereits begonnen. Der Ticketverkauf für einzelne Veranstaltungen und für die neuen Bühnen-Cards startet am 4. Mai 2026 um 10:00 Uhr. Es gibt auch Ticketverlosungen: Ab dem 29. Juni 2026 kann man sich registrieren für die Aktion „Hier sitzt Köln – Zwei Tickets für jede Veranstaltung“ und das Konzert mit Kasalla am 20.9.2026 in der Oper. Wer keine Karte mehr bekommt, kann das Konzert vom Offenbachplatz aus miterleben, denn es wird nach außen übertragen. Auch für den Festakt am 24. September 2026 gibt es ein gewisses Kontingent an Ticketverlosungen. Neben der Möglichkeit, online zu buchen, besteht die Möglichkeit einer persönlichen Beratung an der Theaterkasse und telefonisch über die Hotline 0221- 221-28400.

ko5
Schauspielintendant Kay Voges und Opernintendant Hein Mulders blicken voller Zuversicht in die Zukunft. Foto: Andrea Matzker

 

Andrea Matzker und Dr. Egon Schlesinger

 

Diese Seite drucken