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DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES

25.04.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Gärtnerin von Versailles~1

Ab 30. April 2015 in den österreichischen Kinos
DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES
A Little Chaos  /  GB  /  2014
Regie: Alan Rickman 
Mit: Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Helen McCrory, Stanley Tucci, Jennifer Ehle u.a.

Wenn ein „Biopic“ über eine bedeutende Figur der Weltgeschichte gedreht wird, dann befasst man sich im allgemeinen nicht mit Gartenarchitektur. Aber auch das kann einen auf seine  Art spannenden, menschlich brisanten und sogar lehrreichen Film ergeben. Allerdings ist König Ludwig XIV., um dessen Garten in Versailles sich die Geschichte dreht (der Film heißt im Original  „A Little Chaos“ und zeigt eigentlich ein großes Chaos), nicht die eigentliche Hauptfigur – wenngleich sich Regisseur Alan Rickman die Gelegenheit nicht entgehen lässt, ihn selbst zu spielen. Er mag zwar nicht der Typ sein, den man sich unter dem „Sonnenkönig“ vorstellt, aber er ist jedenfalls ein großer Schauspieler.

Und ein Filmemacher mit Ambition, der es sich nicht nehmen lässt, in dieser seiner zweiten Regiearbeit seines Lebens sein Thema mit aller historische Sorgfalt und selbstverständlich mit wunderbarer Führung seiner ebenso wunderbaren Schauspieler auf die Leinwand zu schicken, so dass Menschen, die etwas für Geschichte übrig haben, sich mit Begeisterung in die vergangene Epoche fallen lassen können…

Frankreich, Ende des 17. Jahrhunderts. König Ludwig XIV. wünscht sich – teils aus Repräsentationszwecken, teils, weil er sich etwas aus Kunst und kunstvoll geformter Natur macht – den Garten seines Schlosses Versailles prachtvoll ausgeschmückt, ein barockes Kunstwerk. André Le Nôtre (der Mann ist historisch!), mit dieser Aufgabe beauftragt, kann sie nicht alleine lösen, muss einzelne Projekte weitergeben. Unter den Bewerbern ist auch eine Frau, Madame Sabine De Barra, die ihr eigenes Geschäft führt, und ziemlich fortschrittliche Pläne einreicht – und von Le Nôtre dennoch ausgewählt wird, was die männlichen Konkurrenten hochmütig nie für möglich  gehalten haben…

Nun, freilich liegt vieles an der Geschichte auf der Hand: Dass die nicht mehr ganz junge, aber menschlich so strahlende, in ihrem Beruf so kompetente Frau und Le Nôtre sich nahe kommen, was wiederum dessen Ehefrau stört; dass es Geheimnisse in der Vergangenheit gibt (der Tod des Gatten und der Tochter von Madame de Barra), die in Rückblenden aufgearbeitet werden; dass in der gegenwärtigen Handlung mit brutalen Intrigen versucht wird, Madame De Barras Projekt, eine prunkvolle Wasserterrasse, die als Freiraum-Ballsaal fungieren sollte, zu zerstören…

Dass schließlich der König selbst eingreifen muss, wobei es auch die klassische Szene gibt, dass Madame, die bei einem Gärtnerkollegen einkaufen will, dort einem fremden Herren begegnet, mit ihm plaudert wie mit einem Gärtnerkollegen – und selbstverständlich ist es der König höchstpersönlich…

Es mögen einige dramaturgische Holprigkeiten sein, die dem Film ausgerechnet in England, dem Heimatland von Alan Rickman und schließlich auch Kate Winslet, nicht eben enthusiastisch aufgenommen wurde. Hierzulande kann man sich an den darstellerischen Leistungen der beiden regelrecht ergötzen (wobei man schon wiederholen muss, dass man sich den Sonnenkönig nicht gerade soooo vorgestellt hat, wie ihn Rickman nobel britisch näselt).

Winslet Gärtnerin xxx

Kate Winslet, zwar erst 40, wirkt dennoch reif, erwachsen, weiblich und vor allem liebenswert. Man versteht, dass Le Nôtre, sehr zurückhaltend und sehr glaubwürdig verkörpert von dem Belgier Matthias Schoenaerts, hier fasziniert ist, zumal man ihm völlig glaubt, dass er ein Mann ist, der dem höfischen Parkett und seinen Intrigen tunlichst ausweicht. Solche Menschen sind ja dann immer in der Natur und bei Pflanzen gut aufgehoben…

Helen McCrory als Le Nôtres intrigante Gattin hat die Aufgabe, etwas von dem Hof des Königs und der dort herrschenden negativen Atmosphäre kenntlich zu machen, während Stanley Tucci und Jennifer Ehle eher als positive Gegenparts gezeichnet werden, aber eine „Königshof“-Geschichte war keinesfalls das Hauptanliegen von Rickman als Regisseur: Er hat sich in diesem Film (dessen Gartenszenen in dem Blenheim Palace geschossen wurden, der den Churchills gehört) wirklich vor allem für Gartenarchitektur interessiert… zwischen der klassischen Form von Le Nôtre und den „freieren“ Intentionen von Madame De Barra…

Renate Wagner

 

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