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DESTINATION WEDDING

30.07.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 3. August 2018
DESTINATION WEDDING
USA / 2018
Drehbuch und Regie: Victor Levin
Mit: Winona Ryder, Keanu Reeves u.a.

Zuerst war da wohl die offensichtliche, in Interviews bekannt gemachte Bewunderung eines Filmemachers von heute für zwei Stars von gestern: Sie waren auch zu hinreißend, als sie jung waren, die dunkelhaarige, glühende Winona Ryder und der romantisch-dunkle Keanu Reeves. 1992 (ja, vor einem Vierteljahrhundert) waren sie in der „Dracula“-Verfilmung das ideale Leinwand-Liebespaar.

Jetzt ist sie Ende 40 und normalerweise bei Nebenrollen angelangt, wenn überhaupt. Er ist knapp Mitte 50 und spielt in sehr schlechten Action-Krimis. Man kann verstehen, dass ein Filmemacher, der sich seine eigenen Drehbücher fabriziert, versucht war, ihnen etwas auf den Leib zu schreiben, das sie wieder ins Zentrum stellt. Allerdings ist Victor Levin, meist mit Fernsehserien befasst, nicht das Supertalent, hier etwas wirklich Tolles zustande zu bringen. Und das alte, neue, als solches postulierte „Traumpaar“ (man muss die Leute ja ins Kino locken) findet nur im Pressetext der Werbung, nicht in der Leinwandrealität statt.

Gewiß, wenn man eine Screwball-Komödie machen wollte, ist die Idee ganz einsichtig, dass man es hier nicht mit dem üblichen lieblichen, flirtenden Pärchen zu tun hat, sondern mit zwei vom Leben enttäuschten, in ihrer negativen Weltsicht fast schon fest gefahrenen Persönlichkeiten. Singles natürlich, denn sie wollen keinen und keiner will sie. Der Film bemüht sich zwar um ein paar Schauplätze, aber tatsächlich hat Victor Levin eine Art Theaterstück geschrieben, das nur auf Dialog beruht. Aber was für einem?

Frank und Lindsay begegnen sich auf dem Flughafen, sind dabei, mit einer Minimaschine irgendwo ins abgelegene Kalifornien zu fliegen, wo ein Hochzeitspaar ein Wochenende lang zur Trauung einlädt. Er ist der Halbbruder des Bräutigams, sie die Exfreundin von ebendiesem, dem sie noch immer nachtrauert, und die beiden geraten schon nach wenigen Sätzen aggressiv aneinander. Und dabei bleibt es auch die längste Zeit. Wobei es nach und nach geradezu peinlich ist, wie bösartig sie sind, sowohl gegeneinander wie über andere Leute, die sie nach allen Regeln der Kunst ausrichten.

Ihre Zimmer liegen nebeneinander (mit Zwischentür), sie sitzen bei den diversen Gelagen nebeneinander, sie spazieren durch die Landschaft – und reden und reden (andere Menschen spielen nur im Hintergrund mit, es gibt faktisch nur sie beide). Sind verbiestert. Hassen das Leben. Pflegen ihren Zynismus. Es ist Jahrzehnte her, dass sie Freude empfanden, dass sie Sex hatten.

Und landen natürlich doch im Bett, wie auch nicht anders zu erwarten, allerdings in der Attitüde: Bringen wir es hinter uns. Danach wäre sie zu etwas Zutraulichkeit bereit. Er nicht. Gibt’s ein Happyend? So richtig wahrscheinlich kommt es einem nicht vor.

Die Zeit ist zu Männern gnädiger als zu Frauen. Mit seiner langen schwarzen Lockenpracht sieht Keanu Reeves aus wie immer. Winona Ryder nicht. Dafür, dass der Dialog locker sprühte, wie es ein Film dieser Art verlangte, ist das Gesprochene einfach zu holprig, künstlich, auch zu negativ. Fazit: Statt Humor und Leichtigkeit nur Gift und Galle. Ein Film, der nicht lachen macht, sondern Trübsinn erzeugt. Eine Angelegenheit für Misanthropen. Die, aber nur die, fühlen sich vielleicht tief verstanden.

Renate Wagner

 

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