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„Der Zweifel war mein bester Freund“ Ein Radioleben in DDR und vereintem Deutschland von Andreas Reinhardt. Von Thomas Janda. Erschienen im THK-Verlag Arnstadt

14.09.2026 | Feuilleton, Reflexionen

Thomas Janda über das Buch
Der Zweifel war mein bester Freund

Ein Radioleben in DDR und vereintem Deutschland von Andreas Reinhardt

Erschienen im THK-Verlag Arnstadt

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Warum sollte man das Buch lesen?

„Der Zweifel ist der Anfang der Weisheit“, schrieb einst der französische Philosoph und Naturwissenschaftler René Descartes. Damit deutet sich bereits der philosophische Horizont an, den der Autor für sich gewählt hat: ein Leben, begleitet von Erfolgen und Glück, aber auch von Niederlagen, Enttäuschungen und möglichen Irrwegen – so, wie es jeder von uns auf seine Weise erleben könnte.

Das Besondere an diesem Buch: Der Autor beschreibt seinen Lebensweg sehr persönlich und anschaulich, ohne sich in Tiefen zu verlieren – von der Kindheit in Schmalkalden und Weimar über die Ausbildung in Meiningen bis zu Familie und Beruf in Berlin. Dieser Beruf wurde zu seiner Berufung: ein Leben mit und im Radio, in zwei Welten – der DDR und dem wiedervereinigten Deutschland. Spannend erzählt und emotional bewegend.

Es ist die Geschichte eines Menschen aus Ostdeutschland, der sich selbst nie als solchen gesehen hat – bis Politik und Medien den Menschen im Osten einredeten, dass sie eben „aus dem Osten“ seien.

Pfarrerinnen und Pfarrer aus Thüringen werden ihn noch kennen, denn er hat über Jahre die kirchlichen Sprecher im Radio des MDR betreut – obwohl er selbst keiner Kirche angehörte, auch wenn er in seiner Jugend zeitweise Theologie studieren wollte. Er entschied sich anders. Warum und wieso, davon erzählt er auf 500 Seiten voller Geschichten, von denen jede einzelne einen eigenen Bericht wert wäre. Den Sprechern stand er dabei immer gern hilfreich zur Seite, um aus guten Texten noch bessere Radioansprachen zu machen.

Reinhardt berichtet auch von seiner Schauspielerfamilie: Alle standen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Der Urgroßvater Rudolf Fuchs war ein Star am Hof von Herzog Georg II. in Meiningen, auch die Großeltern und Eltern waren Schauspieler. Mit ihnen stand er selbst einmal als Statist gemeinsam auf der Bühne des Meininger Theaters. Zunächst jedoch verschrieb er sich der Dampflokomotive und erlernte einen Beruf im Reichsbahnausbesserungswerk Meiningen – eine prägende Zeit, wie im Buch nachzulesen ist, auch politisch: Er wurde zu einer Art Vorzeigejugendlichem der SED in Meiningen und blieb der Partei bis zur Enttäuschung in seinem späteren Berliner Berufsleben treu. Was ihm dabei durch den Kopf ging und was er erlebte, muss man gelesen haben – etwa, mit welchen durchgeknallten Typen er es beim Grundwehrdienst der NVA zu tun bekam, welche Höhen und Abstürze ihm das Journalistikstudium einbrachte, und wie er als Dramaturg beim DDR-Rundfunk in Berlin Feature-Produktionen begleitete und Autoren zum Erfolg verhalf, die – wie er erst nach der politischen Wende erfuhr – mehr über ihn wussten, als er sich je hätte vorstellen können. Manche dieser Geschichten lesen sich so verrückt, dass sie ein Filmdrehbuch abgeben könnten – und sind doch wahr.

Gemeinsam mit Alfred Eichhorn war Reinhardt als Reporter und Autor bei der internationalen Friedensfahrt von Berlin über Prag nach Warschau dabei und erlebte den atemberaubenden Erfolg des Siegers Uwe Ampler live mit. Daraus entstand eine Sendung, die beim internationalen Radio-Wettbewerb Prix Italia eingereicht wurde. 1989, noch vor der Maueröffnung, durfte er erstmals in den Westen reisen – und kehrte, nicht ohne den Gedanken an eine mögliche politische Flucht, wieder zu Frau und Kindern nach Hause zurück. Was am Festivalort Perugia geschah und wie die Einreise von Italien nach Ostberlin über den Flughafen Schönefeld verlief, sollte man gelesen haben.

In der Wendezeit begleitete Andreas Reinhardt als Journalist und Dramaturg Walter Janka, den ehemaligen Chef des Aufbau-Verlages, den Stasi-Chef Mielke im Visier hatte. Janka war 1957 wegen angeblicher Boykotthetze zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Sein Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ wurde im Herbst 1989 in der DDR sehr populär. Gemeinsam mit Alfred Eichhorn gestaltete Reinhardt dazu eine Radiosendung, auf die viele Hörerbriefe voller Bestürzung über die Verhältnisse in der DDR folgten. Daraus entstand das Buch „Nach langem Schweigen endlich sprechen“.

Dann kam die Wende – und mit ihr der Versuch, die eigene Redaktion zu retten und in ein neues Geschäftsmodell zu überführen. Vergeblich: In Berlin war alles zu Ende. Reinhardt wagte in Thüringen den Neuanfang beim „Thüringer Rundfunk“ (Sender Weimar), den später der MDR übernahm. Ausgerechnet in jenem großen Sendesaal saß er nun als Chef vom Dienst am Schreibtisch, in dem er dreißig Jahre zuvor als Kind bei einer Weihnachtsfeier ein Gedicht für den Weihnachtsmann hatte aufsagen müssen – damals arbeitete seine Mutter als Redakteurin beim Sender Weimar. So schloss sich ein Kreis. Der Leser bekommt einen Eindruck davon, wie es im DDR-Rundfunk zuging, und erfährt, dass Reinhardt den Übergang von einem staatsgelenkten zu einem demokratischen Rundfunk aktiv mitgestaltet hat. In den folgenden Jahrzehnten war Reinhardt als Moderator, Reporter und Redakteur beim MDR tätig, wöchentlich etwa in der Kultursendung „Marlene“ zu hören. Immer wieder berichtete er über Kulturpolitik, Theater und Museen in Thüringen, über die Erfurter Domstufen-Festspiele, denkmalgeschützte Bauten und politische Ereignisse. Im Buch ist nachzulesen, was sich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über die Jahre alles verändert hat – und was zu überdenken wäre. Es erzählt von Freunden, von sachlicher Kritik und von einem Lebensresümee, das vom Zweifel bestimmt war und ist. Und alles berichtet er mit viel Humor. Der Unterhaltungswert ist hoch!

„Der Zweifel war mein bester Freund“ von Andreas Reinhardt Erschienen 2026 im THK-Verlag.

Zu bestellen beim THK-Verlag, bei Amazon und im Buchhandel: ISBN 978-3-910993-59-4

 

 

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