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DER MOMENT DER WAHRHEIT

30.05.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  Moment der Wahrheit~1

Ab 3. Juni 2016 in den österreichischen Kinos
DER MOMENT DER WAHRHEIT
Truth  /  USA  /   2015
Drehbuch und Regie: James Vanderbilt
Mit: Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace, Dennis Quaid u.a.

Journalisten-Geschichten sind auf der Filmleinwand beliebt, wenn auch kein Streifen je wieder die Nachdrücklichkeit und Wirkung der „Unbestechlichen“ von 1976 erreicht hat, als Alan J. Pakula mit Dustin Hoffman und Robert Redford die Aufdeckung der Watergate-Affäre schilderte. Nun, 40 Jahre später, ist Redford wieder dabei, wenn es um die „Rathergate“-Geschichte geht, die 2004 in den USA stattfand.

Man erinnert sich – der letzte Film dieser Art, „Spotlight“ (2015), zeigte, wie es den Journalisten des Boston Globe gelungen war, die Missbräuche in der Katholischen Kirche aufzudecken. Die Journalisten gingen als Helden daraus hervor. Warum? Weil ihr Gegner nicht stark genug war, sie abzuwürgen. Die Beteiligten bei „Rathergate“ gingen mit fliegenden Fahnen unter – denn sie legten sich mit der Familie Bush an. Und diesen waren sie einfach nicht gewachsen.

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Einmal die Fakten: 2004 trat George W. Bush gegen John Kerry zu seiner Wiederwahl um die amerikanische Präsidentschaft an. Wahlen sind immer hoch emotional, es geht stets darum, den Kandidaten etwas ans Zeug zu flicken, wer irgendeinen „Skandal“ liefern kann, hat die Quoten. Beim Fernsehsender CBS lief damals eine Live-Nachrichtensendung namens „60 Minutes“. Der schon an die 70 Jahre alte, allseits geschätzte  Anchorman war Dan Rather, die Produzentin Mary Mapes. Als man ihnen zutrug, dass Bush sich mit Hilfe seiner Familie 1968  aktiv davor gedrückt hatte, in den Vietnam-Krieg zu ziehen, war das eine Meldung, die sie zwar in aller Eile überprüften, aber aus Sensationsgründen sofort brachten. Mit entsprechend explosiven Folgen.

Der Film läuft nun auf zwei Ebenen – einerseits sind da die Versuche, die vorgelegten Dokumente unglaubwürdig zu machen (was tatsächlich passiert ist, weiß bis heute niemand genau), vor allem aber die erfolgreichen Bemühungen, die beiden Journalisten zu ruinieren, was auch gelungen ist. Sie verloren ihre Jobs – CBS hat sie ohne einen Hauch von Loyalität ganz schnell entfernt.

Mary Mapes schrieb (schließlich lebt man noch in einem „freien Land“) im Jahr darauf ihre Darstellung der Sache: „Truth and Duty: The Press, the President, and the Privilege of Power“. Darauf beruht nun der Film, der wieder einmal den Investigations-Journalismus spannend machen soll und die Macht der Mächtigen aufzeigen, die mit ihren Schmutzereien immer durchkommen, weil sie einfach genügend Geld haben und Druck machen können…

Im Gegensatz zu anderen Filmen dieser Art sind die Journalisten nicht die reinen Helden: Dass es hier um eine Sensationsstory um jeden Preis gehen mochte, erscheint als Möglichkeit, dass die Gegenseite jeden schmutzigen Trick wahr nahm (auch die Einschüchterung von Zeugen, die ihre Aussagen zurück nahmen), desgleichen. Kurz, nichts, was man hier sieht, wundert den Kinobesucher. Dass Manipulationen auf beiden Seiten am Ende zur Undurchdringlichkeit des Sachverhalts führen, hilft dem Film von Regie-Debutanten James Vanderbilt (bisher immer Drehbuchautor) nicht wirklich.

Was hundertprozentig rettet, ist die Besetzung der Mary Mapes mit der vor Energie sprühenden Cate Blanchett und des Dan Rather mit dem mühelos persönlichkeitsstarken Robert Redford. Man sieht ihnen auch dann noch fasziniert zu, wenn die vorhersehbare Geschichte gar nicht so interessant ist. Und dass CBS heute sich weigert für einen Film zu werben, in dem man selbst nicht allzu gut dasteht – wen wundert’s? Über welche Selbstverständlichkeiten soll man sich noch aufregen?

Renate Wagner

 

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