Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Der große Wechsel in der Ballettetage des Wiener Staatsballetts: positiv, sehr positiv gedacht …

31.07.2020 | Ballett/Tanz

Der große Wechsel in der Ballettetage des Wiener Staatsballetts: positiv, sehr positiv gedacht …

Eine neue Ära beginnt auch für das Wiener Staatsballett. Dem sehr erfolgreichen Manuel Legris aus Paris folgt ab September als neuer Ballettdirektor der 61jährige Schweizer Choreograph Martin Schläpfer. Es ist eine überraschende Bestellung gewesen. Sein Bezug zu Wien? Vor Jahren ist er während eines Wiener Festwochen–Gastspiels des Baseler Balletts als ein elegant in die Höhe schnellender Tänzer auf der Bühne des Theaters an der Wien gestanden. Berufen als Choreograph und als Pädagoge hatte er später die Ballettkompanien von Bern, Mainz und seit 2009 das Ballett der Deutschen Oper am Rhein geleitet.

Kein bekannter Name hierzulande. Doch Liudmila Konovalova, aus der strengen Schule des Moskauer Bolschoi-Balletts gewachsen und nun seit einem Jahrzehnt eine der exzellenten Primaballerinen der Wiener Staatsoper, weiß nach sommerlichen Trainingstagen als Gast im Ballettsaal der Düsseldorfer Kompanie die  Qualitäten ihres neuen Chefs zu schätzen. In den höchsten Tönen äußert sie sich über Schläpfers Training: „Dieses hat mich so richtig vorbereitet. Sofort habe ich gespürt: es hilft mir, es ist für mich notwendig. Es ist ein gutes Training um sich weiter zu entwickeln. Sehr musikalisch, sehr beweglich. Sowohl für klassische Stücke wie für moderne. Genau das, was ich für mich noch brauche.“ Und Konovalova fügt hinzu: „Er geht direkt auf dich zu, sehr persönlich. In seinem Denken muss man voll konzentriert sein – man kann nicht automatisch arbeiten. Er sieht auch, wenn alle voll mitmachen. Bei den Tänzern des Rhein-Balletts ist es überzeugend so gewesen.“

Der starke personelle Wechsel unter der neuen Leitung hat in der Staatsoper einiges Rumoren mit sich gebracht. Doch die Ersten Solisten aus der Wiener Ära Legris konnten ihre Positionen halten. Und sehr wesentlich ist nun, wohl aber auch mit den Anforderungen etwas heikler: Schläpfer möchte sich in Wien mit Nachdruck als ambitionierter Choreograph präsentieren. Als Schläpfer-Uraufführungen sind für seine Einstands-Saison ein „Mahler, Live“-Programm und „Symphonie Nr.15“ von Dmitri Schostakowitsch angesetzt. Konovalova freut sich auf diese Novitäten: „Das ist es, wonach sich Tänzer sehnen: eigene Kreationen, originale, welche ganz auf ihre Fähigkeiten zugeschnitten sind. Für jeden ist es interessant Neuem zu begegnen und alles was man hat mehr und mehr zu entwickeln.“

Aus einer Tänzerinnen-Seele gesprochen: „Ich bin bereit etwas Neues zu machen, sehr offen zu probieren, ein Teil seiner Kreationen zu sein. Es wird für uns etwas geboren. Du möchtest dich weiter verbessern …. wie eine Blume wachsen!“ 

Somit: Positiv gedopt, positiv gedacht, mit voller Kraft voran – höchstes tänzerisches Niveau ist dem neuen Ballettdirektor von seinem Vorgänger vorgegeben.         

Meinhard Rüdenauer

 

Diese Seite drucken