Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Der Dirigent ANDREA SANGUINETI (GMD am Aalto-Theater Essen): Zwischen Klangfülle und Klarheit

23.10.2026 | Dirigenten

Andrea Sanguineti: Zwischen Klangfülle und Klarheit

natas
Andrea Sangueneti. Copyright:Natasha aufmKamp

Ein Orchester braucht eine eigene Identität – und zugleich die Fähigkeit, sich auf ganz unterschiedliche musikalische Welten einzulassen. Daran arbeitet Andrea Sanguineti seit 2023 mit den Essener Philharmonikern. Zum Auftakt seiner letzten Spielzeit spricht er über die sinnliche Radikalität von Korngolds „Das Wunder der Heliane“, das Zusammenspiel von Bühne und Orchester, ein Repertoire, das unter Spardruck besonders gefährdet ist, seine Arbeit mit den Essener Philharmonikern und seinen Blick auf die Ereignisse des vergangenen Jahres.

1. Herr Sanguineti, Sie beginnen Ihre vierte Spielzeit als Generalmusikdirektor in Essen gleich mit einem außergewöhnlichen Werk: „Das Wunder der Heliane“ des österreichisch-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold. Warum sollte man diese Oper unbedingt einmal gehört und gesehen haben?

Weil „Das Wunder der Heliane“ ein Werk ist, das sich jeder einfachen Einordnung entzieht. Es ist opulent, sinnlich, extrem theatralisch und gleichzeitig musikalisch von einer außerordentlichen Raffinesse.
Korngold schreibt hier nicht einfach eine große Oper im spätromantischen Sinn. Er schafft eine Welt, in der Erotik, Gewalt, Spiritualität, Tod und Erlösung unmittelbar miteinander verbunden sind. Die Musik ist manchmal überwältigend sinnlich, dann wieder von einer fast expressionistischen Intensität.
Und vor allem ist es ein Werk für das Theater. Korngold nutzt einen riesigen Apparat – Orchester, Chor, Solisten und Bühnenmusik – mit einer Fantasie, wie sie sich ein Komponist eigentlich nur wünschen kann. Das alles ist aber kein Selbstzweck. Es dient einer sehr konkreten dramatischen Idee.
Ich glaube, man muss diese Oper wirklich auf der Bühne erleben, um zu verstehen, welche Kraft in ihr steckt. Sie ist nicht nur ein interessantes Stück Musikgeschichte. Sie ist ein großes, sinnliches Theaterereignis.

natash3
Andrea Sangueneti. Copyright:Natasha aufmKamp

2. Sie haben bereits „Die tote Stadt“ dirigiert. Wie unterscheidet sich „Das Wunder der Heliane“ musikalisch und kompositorisch von diesem Werk? Gibt es Unterschiede in der Tonsprache?

Natürlich gibt es eine Verwandtschaft. Beide Werke tragen unverkennbar Korngolds Handschrift: diese unglaubliche orchestrale Farbigkeit, die große melodische Begabung und eine Harmonik, die immer wieder zwischen spätromantischer Sinnlichkeit und einer deutlich moderneren Klangsprache oszilliert.
Aber „Heliane“ ist für mich noch stärker ein Werk des Theaters. Die Erotik ist viel unmittelbarer. Es gibt eine enorme körperliche Spannung, die sich durch die gesamte Oper zieht.
Und Korngold hatte hier einen riesigen Theaterapparat zur Verfügung. Das Orchester ist gewaltig, der Chor hat eine große und dramaturgisch wichtige Partie, dazu kommt die Bühnenmusik. Das eröffnet dem Komponisten eine unglaubliche Palette an Farben und Ausdrucksmöglichkeiten. Bei „Die tote Stadt“ ist die musikalische Welt stärker psychologisch und von einer inneren, traumhaften Atmosphäre geprägt. „Heliane“ ist extrovertierter, körperlicher und in gewisser Weise auch radikaler. Ich würde sogar sagen: Man hört hier einen Komponisten, der versucht, aus der spätromantischen Oper heraus noch einmal ein großes Gesamtkunstwerk zu schaffen. Und gerade diese Verbindung von Erotik, Sinnlichkeit und einem gigantischen Theaterapparat macht das Stück für mich so faszinierend.

sang2
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

3. Korngold war ein Wunderkind und gefeierter Opernkomponist, musste als Jude vor den Nationalsozialisten in die USA emigrieren und wurde dort zu einem der prägenden Filmkomponisten Hollywoods. Seine Opern verschwanden dagegen für Jahrzehnte weitgehend von den Spielplänen. Inwieweit wirkt diese Zäsur bis heute nach – gerade wenn man sieht, wie selten Opern wie „Das Wunder der Heliane“ gespielt werden?

Ich glaube, diese Zäsur wirkt bis heute nach – und zwar auf mehreren Ebenen. Die Nationalsozialisten haben nicht nur Menschen verfolgt und vertrieben. Sie haben auch eine musikalische Erinnerungskultur zerstört und missbraucht. Komponisten wie Korngold, Zemlinsky, Schreker und viele andere Künstler, deren Musik aus den deutschen und österreichischen Theatern verschwinden musste, wurden für eine ganze Generation aus dem kulturellen Gedächtnis entfernt.
Bei Korngold kommt noch etwas hinzu: Seine enorme Karriere in Hollywood hat nach dem Krieg paradoxerweise dazu beigetragen, dass man ihn als Opernkomponisten weniger ernst genommen hat. Dabei war seine Filmmusik natürlich keine Abkehr von seinem musikalischen Denken. Vieles von dem, was wir heute als typische Korngold-Klangwelt erkennen, war bereits in seinen Opern vorhanden.
Das Problem ist aber auch ganz praktisch. Diese Werke brauchen enorme Kräfte. „Heliane“ kann man nicht mit einer kleinen Besetzung irgendwo nebenbei produzieren. Man braucht ein großes Orchester, einen großen Chor, starke Solisten und einen entsprechenden Bühnenapparat.
Und genau hier sehe ich heute eine Gefahr. Wenn Theater aus Sparzwängen immer stärker nach dem Prinzip funktionieren müssen: Wie können wir mit möglichst wenig Personal möglichst viel produzieren?, dann verschwinden gerade solche Werke als Erstes. Das wäre fatal.
Denn das Bewahren dieses Repertoires ist keine Frage von Luxus. Es ist eine kulturelle Verantwortung. Ein Teil dieser Musik ist in Deutschland bereits einmal aus unseren Theatern verschwunden – und zwar nicht aus künstlerischen Gründen, sondern aus politischen.
Deshalb war es mir persönlich sehr wichtig, dass wir dieses Werk in Essen machen konnten. Ich bin Dr. Merle Fahrholz sehr dankbar, dass wir trotz aller Schwierigkeiten den Mut dazu hatten.
Ein Theater darf nicht nur das spielen, was gerade einfach und billig zu produzieren ist. Es muss auch seine Geschichte bewahren. Sonst verlieren wir irgendwann einen Teil unserer eigenen kulturellen Identität.

sang1
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

4. Wie haben sich die Essener Philharmoniker Ihrer Einschätzung nach seit Ihrem Amtsantritt entwickelt? Welchen Klang haben Sie für das Orchester im Sinn, und hören Sie heute Unterschiede zu 2023?

Ganz eindeutig. Ich finde, dass die Essener Philharmoniker in diesen fast vier Jahren eine enorme Sensibilität und Anpassungsfähigkeit entwickelt haben. Ein Orchester muss heute in der Lage sein, sehr unterschiedliche musikalische Welten unmittelbar zu verstehen. Strauss braucht eine andere Klangvorstellung als Mozart. Verdi funktioniert anders als Korngold. Puccini verlangt etwas anderes als Schostakowitsch.
Ich habe den Eindruck, dass wir inzwischen eine gemeinsame musikalische Sprache entwickelt haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, einen bestimmten „Sanguineti-Klang“ zu produzieren. Ein Orchester muss seine eigene Identität behalten.
Aber ich wünsche mir einen Klang, der gleichzeitig transparent, flexibel und intensiv ist. Bei Strauss oder Korngold muss man eine enorme Klangfülle entwickeln können, ohne dass die einzelnen Stimmen verschwimmen. Bei Mozart oder Verdi brauchen wir dagegen Klarheit, Beweglichkeit und eine ganz andere Form der Artikulation. Im sinfonischen Bereich war es mir außerdem wichtig, eine gewisse Experimentierfreude zu entwickeln – auch bekannte, klassischere Werke einmal aus einer anderen Perspektive zu lesen.
Wenn ich heute mit dem Orchester arbeite, merke ich sehr deutlich, dass wir uns musikalisch gegenseitig besser verstehen als am Anfang meiner Amtszeit. Für mich ist diese Entwicklung eine der wichtigsten Erfahrungen meiner bisherigen Zeit in Essen.

5. Auch „La fanciulla del West“ wurde zum Ende der vergangenen Spielzeit zu einem außergewöhnlichen Erfolg bei Publikum und Presse. Gab es bei dieser Produktion einen Moment, in dem Sie während der Proben oder einer Vorstellung selbst gespürt haben: Jetzt ist etwas Besonderes entstanden?

Ja. Solche Momente kann man natürlich nicht erzwingen. mBei „Fanciulla“ war für mich entscheidend, dass irgendwann Orchester, Sänger und Bühne wirklich angefangen haben, als eine Einheit zu funktionieren. Gerade bei Puccini ist das unglaublich wichtig. Die Musik darf nicht einfach nur schön klingen. Sie muss aus dem szenischen Moment heraus entstehen. Ich hatte während der Proben zunehmend das Gefühl, dass das Orchester sehr unmittelbar auf die Bühne reagiert und die Sänger gleichzeitig sehr stark vom Orchester getragen werden.
Und irgendwann merkt man: Jetzt muss man eigentlich gar nicht mehr viel erklären. Die Musik beginnt von selbst zu sprechen. Das ist für einen Dirigenten ein sehr besonderer Moment.

6. Zur vergangenen Spielzeit gehört allerdings auch eine Vorgeschichte: Im Sommer 2025 wurden von einzelnen Ensemblemitgliedern öffentlich Vorwürfe gegen Ihren Führungsstil erhoben. Eine anschließend durchgeführte externe juristische Prüfung konnte Ihnen kein Fehlverhalten im arbeitsrechtlichen Sinne nachweisen. Was bleibt für Sie persönlich gut ein Jahr später von dieser Erfahrung zurück?

Zunächst einmal war diese Erfahrung für mich persönlich sehr belastend. Nicht nur wegen der Vorwürfe selbst, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie sich die Situation entwickelt hat. Ich war während der laufenden Prüfung an eine Vertraulichkeit gebunden und konnte mich zu den einzelnen Vorwürfen öffentlich kaum äußern. Gleichzeitig waren diese Vorwürfe bereits öffentlich geworden. Das schafft eine enorme Asymmetrie: Die Anschuldigung ist öffentlich, die Möglichkeit, sich dagegen zu verteidigen, aber zunächst nicht.
Für mich war deshalb das Ergebnis der externen juristischen Prüfung entscheidend. Die von der Geschäftsführung beziehungsweise dem Aufsichtsrat beauftragte Prüfung kam zu dem Ergebnis, dass mir kein Fehlverhalten im arbeitsrechtlichen Sinne nachgewiesen werden konnte.
Das ist für mich keine Nebensächlichkeit, sondern eine wichtige Feststellung. Denn zwischen einem erhobenen Vorwurf und einem festgestellten Fehlverhalten besteht ein grundlegender Unterschied. Genau diese Unterscheidung ist in einer öffentlichen Debatte aber leider sehr schnell verloren gegangen. Ich habe danach bewusst entschieden, meine Arbeit nicht von diesem Konflikt bestimmen zu lassen. Meine Antwort konnte und sollte letztlich nur die künstlerische Arbeit sein.

7. Damals konnten Sie sich während der laufenden Prüfung öffentlich kaum zu den Anschuldigungen äußern. Die Vorwürfe waren zu diesem Zeitpunkt aber bereits Gegenstand der Berichterstattung. Sehen Sie darin ein grundsätzliches Problem – also ein Ungleichgewicht zwischen dem Schutz eines internen Prüfverfahrens und dem Schutz der Reputation eines Menschen, über den bereits öffentlich gesprochen wird?

Ja, eindeutig. Aus meiner Sicht wurden die Vorwürfe gegen mich intern intransparent behandelt. Besonders schwer wiegt für mich, dass ich über das Ergebnis des internen Verfahrens nicht einmal informiert wurde. Eine unabhängige juristische Prüfung wurde erst durch Geschäftsführung und Aufsichtsrat veranlasst, nachdem die Angelegenheit bereits öffentlich geworden war. Im Rahmen der WDR- Berichterstattung wurde zudem die Einschätzung von Adil Laraki wiedergegeben, der damals Betriebsratsvorsitzender der Theater und Philharmonie Essen war,
Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und langjähriger Landesvorsitzender NRW der GDBA. Zu diesem Zeitpunkt waren die gegen mich erhobenen Vorwürfe weder auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft noch rechtlich bewertet worden. Wie konnte es geschehen, dass ungeklärte Vorwürfe eine solche mediale Wirkung entfalten konnten, ohne dass ihre tatsächliche Grundlage zuvor ausreichend geklärt war? Und warum wurde nicht früher darauf geachtet, dass die Angelegenheit fair, transparent und unter Wahrung der Rechte aller Beteiligten behandelt wurde, bevor es zu einer derartigen öffentlichen Eskalation kam? Auch die Rolle von Adil Laraki wirft Fragen auf. Angesichts seiner damaligen Funktionen stellte sich die Frage, auf welcher Grundlage er sich öffentlich zu den Vorwürfen äußerte, obwohl deren Wahrheitsgehalt noch nicht festgestellt war, und ob dabei die gebotene Zurückhaltung sowie etwaige Vertraulichkeits- und Verschwiegenheitspflichten beachtet wurden? Für mich persönlich war diese Situation außerordentlich belastend.
Es war mir nicht erlaubt, öffentlich zu den einzelnen Vorwürfen Stellung zu nehmen, während diese bereits öffentlich diskutiert wurden. Dadurch verfestigte sich ein negatives Bild von mir als Führungskraft und als Mensch, dem ich öffentlich nicht entgegentreten durfte. Auch wenn sich nach der mir bekannten abschließenden Bewertung kein arbeitsrechtlich relevantes Fehlverhalten nachweisen lassen konnte, war der Schaden für meine Reputation zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits
entstanden. Besonders schmerzhaft war für mich zu erleben, dass die Vorwürfe öffentlich große Aufmerksamkeit erhielten, während die Ergebnisse der späteren Prüfung kaum öffentlich wahrgenommen wurden. Ich habe erlebt, wie meine berufliche und persönliche Reputation beschädigt wurde, ohne dass ich die Möglichkeit hatte, mich öffentlich wirksam zu verteidigen. Für einen Dirigenten, dessen Arbeit auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert, ist das nicht nur beruflich, sondern auch persönlich tief verletzend. Denn selbst wenn sich Vorwürfe nicht
bestätigen, bleiben in der öffentlichen Wahrnehmung oft Spuren zurück.

natash4
Andrea Sangueneti. Foto: Sangueneti

8. Wie ist es Ihnen danach gelungen, wieder vollständig zur künstlerischen Arbeit zurückzufinden?

Für mich war entscheidend, dass ich mich irgendwann wieder vollständig auf das konzentrieren konnte, wofür ich in Essen Verantwortung trage: die künstlerische Arbeit. Die externe Prüfung war dabei eine wichtige Grundlage. Sie hat mir ermöglicht, die Situation nicht nur persönlich, sondern auch professionell einzuordnen. Für mich wurde dadurch noch einmal sehr deutlich, dass die künstlerischen Ziele, die wir uns gesetzt hatten, grundsätzlich richtig waren. Und vor allem konnte ich an den Ergebnissen der Arbeit anknüpfen. Seit September 2025 habe ich eine deutliche künstlerische Entwicklung erlebt. Die Vorbereitung der Partien ist strukturierter geworden, die Zusammenarbeit zwischen Orchester, Sängerinnen und Sängern und den szenischen Teams hat sich weiterentwickelt, und ich habe den Eindruck, dass auch das gemeinsame musikalische Niveau noch einmal gestiegen ist. Das Entscheidende ist am Ende die Bühne. Dort lässt sich sehr konkret erkennen, ob eine musikalische und künstlerische Arbeit funktioniert. Die internationale Resonanz auf „La fanciulla del West“ war für mich deshalb besonders wichtig. Und auch bei „Das Wunder der Heliane“ erlebe ich jetzt eine sehr starke künstlerische Reaktion. Das bestätigt mich darin, dass wir musikalisch den richtigen Weg eingeschlagen haben.
Natürlich hat mich die damalige Situation persönlich sehr beschäftigt. Aber ich möchte meine Zeit in Essen nicht über diese Auseinandersetzung definieren. Viel wichtiger ist für mich, was wir gemeinsam künstlerisch erreicht haben und was wir noch erreichen können.
Ich habe noch eine Verantwortung für dieses Haus und für das Orchester. Und deshalb geht es mir heute vor allem darum, diese Arbeit auf einem möglichst hohen Niveau weiterzuführen und gleichzeitig meinem Nachfolger ein künstlerisch gut aufgestelltes Haus zu übergeben. Wenn ich auf die Entwicklung der letzten Jahre schaue, bin ich darauf stolz. Nicht weil alles einfach gewesen wäre, sondern gerade weil wir trotz aller Schwierigkeiten musikalisch und künstlerisch weitergearbeitet und uns weiterentwickelt haben.
Am Ende sollte das die eigentliche Antwort sein: nicht die öffentliche Auseinandersetzung, sondern die Qualität der Arbeit auf der Bühne.

9. Wenn wir uns am Ende Ihrer vierten Spielzeit noch einmal unterhalten  würden: Woran würden Sie persönlich erkennen, dass es eine gute Saison
gewesen ist?

Daran, dass ich dieses Theater ein Stück weiter nach vorne gebracht habe. Ich bin heute stolz auf die künstlerische Entwicklung, die wir seit September 2025 erreicht haben. Trotz aller Schwierigkeiten ist auf der Bühne sehr viel entstanden. Ich möchte meine letzte Spielzeit in Essen deshalb nicht als bloßen Abschied von etwas betrachten, sondern als Verantwortung gegenüber dem, was danach kommt. Mein Ziel ist, meinem Nachfolger ein Theater zu übergeben, das künstlerisch stark, musikalisch gut aufgestellt und bereit für die nächsten Schritte ist.
Ich möchte, dass die Essener Philharmoniker ihre gewachsene musikalische Identität behalten und weiterentwickeln. Und ich möchte, dass das Aalto-Musiktheater den Mut behält, große und manchmal schwierige Werke zu spielen – auch wenn sie nicht die einfachste oder billigste Lösung sind.
Natürlich hat mich die vergangene Zeit persönlich sehr viel gekostet. Das wäre unehrlich zu verschweigen. Aber ich möchte am Ende nicht auf die Konflikte zurückblicken, sondern auf die Musik. Auf die Entwicklung des Orchesters, die Produktionen und Sänger und auf die Abende, an denen plötzlich alles zusammengepasst hat. Und wenn ich am Ende sagen kann: „Dieses Theater steht künstlerisch stärker da, als ich es übernommen habe, und mein Nachfolger bekommt eine gute Grundlage, um darauf weiterzubauen“, dann wäre das für mich eine gute
Saison. Und vor allem wäre es für mich ein guter Abschluss dieser besonderen Zeit in Essen.

Das Gespräch führte Mag.I.C. im Oktober 2026

 

Diese Seite drucken