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DAS ORIGINAL MAYERLING-PROTOKOLL

08.02.2014 | buch

BuchCover Mayerling Protokoll 2014.01

Georg Markus / Karin Unterreiner
DAS ORIGINAL-MAYERLING-PROTOKOLL
der Helene Vetsera: „Gerechtigkeit für Mary“
296 Seiten, Amalthea Verlag 2014 

Vor 125 Jahren, am 30. Jänner 1889, setzte Kronprinz  Rudolf, der Erbe der Habsburger-Monarchie, in Schloß Mayerling im Wienerwald seinem Leben ein Ende. Davor war der potentielle Selbstmörder zum Mörder geworden – an der 17jährigen Baronesse Mary Vetsera, die allerdings ekstatisch bereit gewesen war, ihn in den Tod zu begleiten.

Mord und Selbstmord – schier undenklich für das allerhöchste, allerkatholischste Kaiserhaus damals, und man versuchte nicht nur, die Sache als Mord an Rudolf darzustellen, sondern auch, unter den vielen grassierenden Gerüchten, Mary Vetsera als Schuldige am Geschehen darzustellen. Ihre verzweifelte Mutter, die zwar von der Kaiserin empfangen worden war, stieß aber in der Folge mit ihren Versuchen, die Dinge zu klären, überall auf eine feindselige Hofkamarilla.

Nun sah Helene Vetsera nur eine Möglichkeit, sich selbst (um nicht als Kupplerin dazustehen) und ihre Tochter (um nicht als Hure, Verführerin oder gar Mörderin zu gelten) von jeder Verdächtigung reinzuwaschen: Sie verfasste eine Denkschrift. Wo sich deren Original befindet, ist nicht bekannt, aber es existieren einige Abschriften. Diejenige aus der Privatsammlung der Familie Plachutta, die sich Kaiserhaus-Memorabilia leisten kann, steht im Zentrum des Buches, das die Monarchie-Fachleute Georg Markus (der noch einmal „seine“ Geschichte von Mary Vetseras illegaler Exhumierung erzählen kann) und Kartrin Unterreiner herausgegeben haben.

Sie erzählen das Rundherum dieser Denkschrift, die dann als Ganzes faksimiliert wiedergegeben ist, in 148 wirklich „schön“ geschriebenen Seiten, so dass klar ist, dass keine erregte, verzweifelte Mutter dies geschrieben haben kann, sondern wohl eine gebildete Gesellschafterin, die sich für ihre Abschrift schon der lateinischen Schrift bediente.

Dieses Protokoll galt als verloren, doch vieles, was man darin liest (man muss sich übrigens nicht durch die Handschrift kämpfen, es ist auch transkribiert), ist einem in der Sekundärliteratur als Zitat schon unter gekommen. Und neue Erkenntnisse zu dem „Fall Mayerling“ gibt es natürlich auch nicht. Trotz der eisernen Behauptung von Ex-Kaiserin Zita, sie wisse, dass Rudolf ermordet worden sei, herrscht heute keine Zweifel mehr am Ablauf der Tat.

Einiges erfährt man über die Baronin Vetsera selbst, geborene Baltazzi, Tochter aus einer reichen griechischen Bankiersfamilie, eine levantinische Schönheit, in englischer Sprache aufgewachsen, mit Albin Vetsera, einem später zum Freiherrn erhobenen österreichischen Diplomaten, später auch Gesandter und bevollmächtigter Minister, verheiratet. Sie selbst war zwölf Jahre vor ihrer Tochter eine der zahlreichen Geliebten des Kronprinzen Rudolf.

Klarheit über die Motive der Tat von Mayerling kann die Schilderung der Baronin Vetsera natürlich auch nicht bringen – sicher ist, dass sie als Mutter von Tochter Mary und der wahren „Kupplerin“, der Gräfin Larisch, absolut ausgetrickst wurde, wie viele Mütter, deren Töchter zu ihren Liebhabern schleichen. Nur dass in diesem Fall welthistorische Konsequenzen daraus erwuchsen…

Renate Wagner

 

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