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Das Mariani Klavierquartett hat bei gwk-records eine neue CD veröffentlicht.

14.02.2020 | cd

Das Mariani Klavierquartett hat bei gwk-records eine neue CD veröffentlicht/

LEIDENSCHAFTLICH UND EMPHATISCH

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Vor allem bei Gabriel Faures leidenschaftlich interpretiertem Klavierquartett Nr. 1 c-Moll op. 15 kann das Mariani Klavierquartett mit Philipp Bohnen (Violine), Barbara Buntrock (Viola), Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) und Gerhard Vielhaber (Klavier) den Zuhörer sofort überzeugen. Zwischen Romantik und Impressionismus schwankt dieses Werk klangfarbenreich hin und her. Sonatensatzform und Dreiteiligkeit bleiben bei dieser klanglich opulenten Wiedergabe stets im Gleichgewicht. Die kontrastreichen und zwischen Dur und Moll schwankenden Themen zeigen dabei immer wieder viele Facetten. Und die kontrapunktische Durchführung des Finales sowie die Dur-Coda besitzen eine überaus strahlkräftige Wirkungskraft. Außerdem spielt die vorwärtsstrebende Punktierung eine wichtige Rolle. Sie wird vom präzise musizierenden Mariani Klavierquartett in harmonisch bewegender Weise musiziert. Synkopische Akkorde unterstreichen das Gefühl der Schicksalhaftigkeit. Die modal wirkende Harmonik bleibt stets gewahrt. Vor allem die in sich ruhende Coda am C-Dur-Schluss dieses ersten Satzes fällt besonders positiv auf. Und auch der zweite Satz mit seinen Pizzicato-Figuren sticht ausgesprochen reizvoll hervor.  Eine Entdeckung ist dann das hierzulande recht unbekannte Klavierquartett Nr. 2 in d-Moll op. 30 des rumänischen Komponisten George Enescu, wo das Mariani Klavierquartett vor allem den zweiten Satz Andante pensieroso ed espressivo in E-Dur ausgesprochen klangschön interpretiert. Die Lautmalerei von Glocken spielt auch hier eine wichtige Rolle. George Enescu hat dieses Werk seinem Lehrer Gabriel Faure gewidmet. Es ist jedoch eindeutig der Moderne zuzuordnen. Die schwärmerischen Melodielinien fallen im zweiten Satz besonders eindringlich ins Gewicht, denn der romanzenhafte Charakter des Werkes wird nicht geleugnet. So bleibt das Glocken-Motiv der fallenden Terz stark im Gedächtnis. Stürmisch wird dann der Finalsatz interpretiert, dessen schroffe Rhythmik und thematischer Reichtum stark ins Gewicht fallen. In allen denkbaren Formen und Strukturen kehrt das motivische Material der „idee fixe“ hier wieder. Die lange Coda erinnert zuletzt wieder in imponierender Weise an Gabriel Faure. Vor allem der phänomenale Orgelpunkt setzt dabei gewichtige Akzente. Die Rubato-Momente besitzen allesamt eine starke innere Spannungskraft. Es ist eine exzellente Aufnahme, die die polyphonen Strukturen von Kammermusik in geradezu üppiger Weise auslotet. Sie entstand in Kooperation mit dem rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg. Und sie vereint zwei Stücke, die jeweils von einer „idee fixe“ geprägt sind.

Alexander Walther

 

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