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CD: GIOVANNI SIMONE MAYR: GIUSEPPE • Concerto de Bassus, Franz Hauk Weltersteinspielung

30.06.2026 | cd

CD: GIOVANNI SIMONE MAYR: GIUSEPPE • Concerto de Bassus, Franz Hauk

Weltersteinspielung

Ein «typischer» Mayr: Herrlichster Belcanto!

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Giovanni Simone Mayr (1763-1845), 1763 als Johann Simon Mayr im oberbayrischen Ingolstadt geboren und im lombardischen Bergamo naturalisiert, ist eine der für die italienische romantische Oper wichtigsten Persönlichkeiten.

Natürlich steht Mayr im Schatten der drei grossen Belcantisten Rossini, Donizetti und Bellini, aber seine grosse, doppelte Bedeutung liegt anderswo: als Komponist hat er der entstehenden romantischen italienischen Oper die musikalischen Errungenschaften der Wiener Klassik und der französischen Oper zugänglich gemacht und als Pädagoge hat er in Bergamo die «lezioni caritatevoli», deren bekanntester Schüler Gaëtano Donizetti (1797-1848) war, begründet. Von seinen Zeitgenossen, den Belcantisten und auch Giuseppe Verdi wurde Mayr hochgeschätzt (Gioacchino Rossini: „Die Komponisten unserer Tage sollen die Opern unseres Papa Mayr studieren und sie werden darin alles finden, was sie suchen und was ihnen von Nutzen sein wird„). Zudem war er, was sich auch auf der vorliegenden Aufnahme unschwer nachvollziehen lässt, ein begnadeter Melodiker.

Vom 4. bis 8. September 2024 hat Franz Hauk, der Doyen der Mayr-Renaissance, in der Ingolstädter «Asamkirche» (St. Maria vom Sieg), das Pasticcio (von einer handschriftlichen Notiz im Autographen als „Giuseppe, dr[amma] in 3 atti. Prosa e Musica da diversi compositori“ bezeichnet; Libretto von Alexandre Duval (1767–1842) und Franz Sales Kandler (1792–1831)) «Giuseppe» (Episode der Joseph-Geschichte im Alten Testament Gen. 37-50) eingespielt.

Anregungen zu diesem Pasticcio dürfte Mayr durch die Opéra-comique (Originalbezeichnung: «Opéra en prose» oder «Drame mêlé de chants») «Joseph», ein zu seiner Zeit höchst populäres Werk von Étienne-Nicolas Méhul (1763–1817) erhalten haben, dessen italienischem Libretto von Franz Sales Kandler und der Anlage als Opéra comique Mayr in seinem Pasticcio folgte. Mayr hat in seinem Pasticcio die Chor-Nummern eingeschränkt und mehr Gewicht auf die Arien gelegt und so, so Franz Hauk im Booklet der CD, «bietet Giuseppe aus musikalischer Sicht nun alles, was man von einem italienischen musikalischen Drama der Zeit erwarten darf: große Szenen wie eine Introduktion mit Sortita, Finali, vor allem aber große Arien und Duette in der solita forma, eine Cavatine, eine Romanze, ein Duettino, eine Aria finale mit Chor».

Dieses Pasticcio, für die «Accademia finale» des Jahres 1829 der «lezioni caritatevoli» konzipiert, ist aus zweierlei Gründen von Interesse: Dank der Konzeption des Pasticcios als Abschlusskonzert, und der Tatsache, dass zu dieser Zeit immer für eine konkrete Besetzung und nicht den «Elfenbeinturm» komponiert wurde, lässt sich erkennen, welche Fähigkeiten die Abschliessenden hatten und durch Mayrs Zitate aus populären Werken seiner Zeitgenossen (Preghiere und Sestetto aus Rossinis «Mosè in Egitto», eine Arie aus «Bianca e Fernando» von Vincenzo Bellini, Material von Méhul und seinem Schüler Donizetti) konnten die Absolventen ihre Fähigkeiten für möglicherweise anwesende «Entscheidungsträger» mit den Hits möglicher zukünftiger Rollen präsentieren.

Freya Apffelstaedt gibt die Hosenrolle des Benjamino mit rundem, vollem, gut fokussiertem Alt mit wunderschönen Höhen und beeindruckenden Tiefen. Ihre Aria ossia Romanza «Allor che fiera morte» verspricht höchsten Belcanto-Genuss. Markus Schäfer gibt den Giuseppe mit leichtem, hellem und agil geführtem Tenore di grazia. Der Tenore di grazia von Philipp Polhardt (Utoban) ist reich an Farben, ebenfalls höhensicher und technisch höchst versiert geführt. Niklas Mallmann gibt den Simeone mit ausgesprochen wendig geführtem, wohlklingendem Bass. In der Aria con coro «Simeone, Fratello» zeigt er, wie ein Bass im Belcanto klingen muss. Matthias Hoffmann gibt den Giacobbe mit hellem, ungemein höhensicherem und agil geführten Bass. Im Terzetto e sortita «Un suono festoso» schöpft er beeindruckend aus dem Vollen. Dank der aussergewöhnlich ausgewogenen Besetzung (Fang Zhi als Ruben, Konstantin Igl und Micha Matthäus als Neftali ergänzen das Ensemble) auf beeindruckend hohem Niveau werden auch die Ensembles (teilweise a capella!) wie das Finale des zweiten Akts oder das Finale des dritten Akts mit dem Zitat des Sestetto aus Rossinis «Mosè in Egitto» (Sestetto «L’incontro inaspettato») zum uneingeschränkten Genuss.

Die Musiker des Concerto de Bassus begeistern unter musikalischer Leitung ihres Gründers und Mayr-Spezialisten Franz Hauk mit wunderbarem, leicht herbem, perfekt akzentuiertem und ausbalanciertem Spiel in historischer Aufführungspraxis. Besonders zu loben sind die Hörner. Die «Marcia», die den dritten Akt einleitet, entspricht mit der Besetzung mit konzertierender Harfe nicht unbedingt den Hörgewohnheiten, fasziniert durch die homogene Leistung des gesamten Ensembles aber umso mehr (wie die gleich anschliessende Einleitung zum Coro cantico «Della tua Gloria»). Der Simon Mayr Chorus überzeugt im Coro cantico «Della tua Gloria» mit purem Wohlklang. Eine bewundernswerte Leistung von Orchester und Chor!

Ein «typischer» Mayr: Herrlichster Belcanto!

30.06.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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