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CRIMSON PEAK

14.10.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPoster Crimson Park~1

Ab 15. Oktober 2015 in den österreichischen Kinos
CRIMSON PEAK
USA / 2015
Drehbuch und Regie: Guillermo del Toro
Mit: Mia Wasikowska, Tom Hiddleston, Jessica Chastain, Charlie Hunnam, Jim Beaver ua.
So etwas nennt man wohl ein Spiel mit dem Genre, ein sehr intelligentes und gekonntes allerdings. Die Story wirkt dermaßen wie „19. Jahrhundert“, dass man sich fragt, von dem die Vorlage stammt. Aber nein, Regisseur Guillermo del Toro und sein Co-Autor Matthew Robbins sind Söhne unserer Zeit, unseres digitalisierten 21. Jahrhunderts. Sie sind hier lustvoll und freiwillig in die Geschichte gereist, geradezu schwelgend in Kostümen und Ausstattung, die ein „Period Movie“, also ein historischer Film, mit sich bringt. Und, nein, es ist keine Parodie – oder doch? Jedenfalls ein Tanz auf dem Hochseil darstellerischen und inszenatorischen Könnens und solcherart über den puren vorhersehbar „gruseligen“ Inhalt hinaus spannend.

Also, was haben wir da? Einfach alles. Edith Cushing ist erstens ein Medium, sie kann die Toten sehen, die da herumgeistern, zum Beispiel ihre verstorbene Mutter. Edith Cushing ist weiters eine ambitionierte Schriftstellerin, die hofft, in diesem Beruf auf eigenen Beinen zu stehen und anerkannt zu werden – in einer Männerwelt des späten 19. Jahrhunderts. Edith Cushing schließlich ist eine sehr reiche Erbin – das heißt, anfangs ist da ja noch ihr liebevoller Papa, ein konservativer Unternehmer in den USA, der nicht sehr gerne sieht, dass da ein englischer Habenichts auftaucht, der glühende Augen auf seine Tochter wirft.

Von der Person Ediths her sind die Vorgaben sorglich positioniert, Mia Wasikowska spielt sie, teilweise mit Brille, sehr ernsthaft und liebenswürdig (aber die größte Persönlichkeit unter den jungen Frauen, die Hollywood zur Verfügung stehen, ist sie nicht). Wenn Regisseur Guillermo del Toro verkündete, er wollte mit seinem Film “a ghost story and gothic romance“ bieten, dann braucht es für die Romanze (gothic bedeutet auch „schaurig“) einen hintergründigen Liebhaber und mindestens ein Schloß.

Beides bekommt man in Gestalt von Tom Hiddleston (der seit dem hintergründigen Gott Loki in „Thor“ jedem Filmfan in Erinnerung ist). Dieser verarmte englische Lord, Sir Thomas Sharpe, kann das Herz der jungen Dame unschwer gewinnen, er sieht gut aus und offenbart scheinbar ein tiefes Innenleben (später merkt man, dass er wirklich von seinen Gefühlen zerrissen wird). Gemeinsam mit seiner undurchschaubaren Schwester (Jessica Chastain, diesmal schwarzhaarig und in allen Farben schillernd) tut er sich in der wohlhabenden amerikanischen Gesellschaft um. Wir wissen natürlich genau, dass er die reiche Erbin will – der Vater von Edith (nobel: Jim Beaver) möchte ihn, vernünftig, wie er ist, auch auszahlen, damit er wieder verschwindet. Da stirbt der arme Mann. Könnte wie ein Unfall aussehen, im Bad ausgerutscht, Kopf am Becken angeschlagen, tot. Wir wissen natürlich: Es war Mord.

Noch mehr „gothic“ wird es, wenn Edith – nun natürlich als Gattin von Sir Thomas – mit ihm nach England geht: Er nimmt sie auf sein Anwesen namens Allerdale Hall, ein Herrensitz so gruselig, wie man es nur haben will, wo seine Schwester als Herrin herrscht. Rundum rote Erde, rotes Gestein – der Film heißt schließlich „Crimson Peak“, und die schaurigen, teils blutigen, teils verwesten Leichen, die Edith sieht, lassen nicht auf sich warten.

Auch nicht die Mordversuche der Schwägerin – und auch nicht die Rettung in Gestalt des amerikanischen Arztes, der Edith nachreist (nachdem sich der Anwalt kopfschüttelnd daran gemacht hat, ihren sämtlichen Besitz zu veräußern und das Geld nach England zu schicken): Wenn dann zwischen Dr. Alan McMichael (ganz der seriöse Ersatzmann zu dem funkelnden Engländer: Charlie Hunnam) und dem Lord regelrecht gekämpft wird, da ist man sich bezüglich der Parodie nicht mehr so sicher… auch angesichts des immer kruderen Verhaltens der Schwägerin.

Und was dann noch in geheimen Winkeln und Kellern an Geheimnissen auftaucht, geht gewissermaßen auf keine Kuhhaut, aber man wollte es ja, man geht ja mit bei dieser Gespenstergeschichte im Schloß, das Genre jubelt geradezu, und es ist wirklich gut genug gemacht, um einmal an sich genossen zu werden.

Renate Wagner

 

 

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