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CREED – ROCKY’S LEGACY

12.01.2016 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPoster  Creed

Ab 15. Jänner 2016 in den österreichischen Kinos
CREED – ROCKY’S LEGACY
Creed  /  USA  /  2015
Regie: Ryan Coogler
Mit: Sylvester Stallone, Michael B. Jordan, Tessa Thompson u.a.

Einmal geht’s noch – und noch einmal. Und noch einmal. Man hat sich schon oft gefragt, wann Sylvester Stallone seinen Rocky Balboa endlich begraben wird. Andererseits sieht man auch ein, dass ihm das nicht so leicht fällt. Schließlich bekam er 1976 für den ersten „Rocky“ den „Oscar“, und da war er gerade 30. Damals glaube allerdings auch Hollywood noch, dass hier möglicherweise ein Qualitätsschauspieler in der Kategorie De Niro oder Pacino heranwächst, und dann machte dieser Kerl das große Geld als „Rambo“…

Immerhin, bevor Stallone mit eisernen Muskeln und eiserne Entschlossenheit zwischen Vietnam und Afghanistan kämpfte, gab es in schneller Folge (1979 und 1982) Rocky 2 und 3. Der vierte und fünfte Teil ließen sich ein wenig mehr  Zeit (1985 und 1990), dann gab’s – einmal geht’s noch – 2006 den „Rocky Balboa“. Da hatte Stallone schon 30 Jahre mit diesem wackeren Boxer verbracht.

Und, wer glaubt’s, 2015 ist er noch einmal da, Rocky der Siebente, wobei punkto Alter nichts mehr gemauschelt wird: Das ist ein alter Mann (sein schwammig zerfließendes Gesicht lässt ihn sogar mehr als seine Jahre aussehen), er hat sich zurückgezogen, danke, er will nicht mehr (was reine Koketterie ist). Immerhin, eines ist vernünftig: Dieser alte Rocky mit der glanzvollen Vergangenheit bleibt (in der Dramaturgie des Films) in der zweiten Reihe, wenn er sich bereit erklärt, einen jungen Boxer aufzubauen und an seiner Erfahrung teilnehmen zu lassen. Das ehrt den Alten und hilft dem Jungen, nachdem er ein paar falsche Vorstellungen  abgebaut hat.

Der Junge, das ist Adonis Johnson, den wir schon früh kennen lernen. Zuerst das schwarze Waisenkind, einst drogensüchtige Mutter tot, Vater unbekannt, bis er mehr Glück hat als andere. Die Gattin des Vaters, die nicht seine Mutter ist, nimmt ihn zu sich. Zieht ihn auf. Und der Vater war – Apollo Creed, Boxweltmeister im Schwergewicht, der im Ring den Tod fand, einst geschätzter Freund von Rocky. Bei diesem in Philadelphia steht der junge Mann, der als Donnie Johnson nicht als „Sohn“, sondern um seiner selbst willen Karriere machen will, eines Tages vor der Tür. Bittet um einen Trainer. Und lässt kein „Nein“ gelten.

Von da an hat man, offen gesagt, einen Boxfilm wie die meisten anderen vor sich. If youth knew and age could… Die Jungen könnten, aber wissen nicht genug, die Alten wissen’s, aber können es nicht mehr – im besten Fall profitieren die Jungen (und die Alten können sich gut fühlen). So kommt es auch hier.

Hartes Training, Aufbegehren darf nicht sein. Die Freundin. Die ersten Kämpfe und Erfolge. Der Schweiß und der Lärmpegel in der „Arena“, die allgemeine Begeisterung, dass zwei Leute auf einander einprügeln… gut, das hat sein Publikum, im Leben und noch mehr im Kino (da ist es einfacher zu bekommen).

Und dann die große Herausforderung. Im Boxring, wo Donnie in Liverpool gegen einen Nr. 1-Gegner antreten soll  – und im Leben. Denn, dergleichen gibt es in der Realität dauernd, wieso also nicht auf der Leinwand? Rocky ist schwerkrank. Auch er muss kämpfen. Der Junge macht seine Kämpfe davon abhängig, dass  Rocky sich tapfer dem Krebs stellt, statt „danke, ich habe genug“ zu sagen. Filme dieser Art sind so: aufgeladen mit Sentiment, dem man sich dennoch nicht entziehen kann.

Obwohl er, wie gesagt, in diesem Film von Regisseur Ryan Coogler am Rande bleibt, ist es natürlich der Film von Sylvester Stallone. Einen „Golden Globe“ für die beste Nebenrolle gab es schon, völlig verdient für diese in sich ruhende, so glaubhafte Knautschigkeit und Souveränität, schauen wir einmal, ob ein „Oscar“ noch drin ist. Wäre doch schön – zum Anfang und zum Ende (??? Wenn es das ist) von „Rocky“…

Michael B. Jordan, jung, stark, sympathisch, macht seine Sache als Sympathieträger ausgezeichnet, er wird einem jungen Publikum, das vielleicht gar nicht weiß, wer da der „Oldie“ als Trainer ist, den Film schmackhaft machen. Als dramaturgisches Meisterwerk wird dieser nicht in die Filmgeschichte eingehen. Aber als „noch einmal Rocky“ hat er seinen zweifelsfreien Rang, zumal Stallone, was seine Figur betrifft, alles richtig macht: Er war, bei allem, was er tat, immer ein höchst gescheiter Filmemacher.

Renate Wagner

P.S.  Im Original heißt der Film „Creed“. Es ist verständlich, dass der deutsche Verleih „Rocky“ ins Spiel bringen will, er ist schließlich das Verkaufsargument – Boxerfilm allein brächte wohl nicht so viel. Warum man dann aber für den deutschen (!!!) Titel die Beifügung „Rocky’s Legacy“ wählt, statt schlicht und deutsch „Rockys Vermächtnis“ zu sagen – das macht auch in einer Welt, wo  „Denglisch“ so selbstverständlich ist, wenig Sinn…

 

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