Wiederaufnahme Mozarts Zauberflöte im Staatstheater Cottbus – am 6.1.2024
Am Samstag, den 6. Januar 2024 war die Wiederaufnahme der Zauberflöte in Cottbus, von der Premiere hatte ich berichtet. Der Regisseur Tomo Sugao wagte sich an die wohl bekannteste Oper und auch nach dem ich diese Inszenierung mehrmals gesehen habe, bleibt mein Urteil gleich: unbedingt sehenswert!
Aber mir ist aufgefallen, dass sich nicht alle mit der Inszenierung gleich angefreundet hatten. Es ist sehr empfehlenswert sich auch die Einführung zur Zauberflöte anzuhören. So wird das Konzept von Sugao gleich von Anfang an für jedermann verständlich.
Nun aber zur Inszenierung selbst. Der Salon einer Wohnung in einem Gründerzeithaus, düster und als Krankenzimmer für einen alten und im sterben liegenden Tamino führt das Publikum gleich in eine andere Welt als dem Märchen der Zauberflöte. Keine listige Schlange, sondern ein alter und gebrechlicher Tamino, der uns das Böse zeigt. Pamina umsorgt ihn. Man fragt sich, was aus der in der Oper doch so großen Liebe übriggeblieben ist. Willkommen in der Realität, wenn Sugao in aufgeklärten Zeiten das schlechte im Manne als listige Schlange wählt. Wer aber nicht bei der Einführung war, brauchte wohl einen kleinen Moment, um den Ansatz der Biografie einer Liebe und deren Veränderung zuerkennen. Mir hat die Transformation sehr gut gefallen.

Szenenfoto mit (v.l.n.r.): John Ji (Papageno), Matthias Stier (Tamino), Gloria Jieun Choi (Erste Dame), Rahel Brede (Zweite Dame), Zela Corina Caliţa (Dritte Dame) (Foto: © Bernd Schönberger)
In dem von Julius Theodor Semmelmann entworfenen Bühnenbild und in den schönen Kostümen von Julia Katharina Berndt lässt nun der alte Tamino (gespielt und gesungen von Ulrich Schneider) sein Leben in sehr bewegten Bildern Revue passieren. Hervorragend wie er sogar liegend singt. Auf der Suche nach dem Zeitpunkt, wo er falsch abgebogen ist, wird nun die Zauberflöte nahezu Werkstreu im neuen Gewand und mit einer Ernsthaftigkeit und großer Spielfreude vom Ensemble des Staatstheater Cottbus überzeugend durchlebt. Erstaunlich wie dynamisch die Szenen gespielt werden, ohne dass die Qualität des Gesanges leidet. Sugao achtet aber bei all dem Tatendrang darauf, dass alles auf den Schlag der Musik erfolgt. Es sieht alles hierdurch spielerisch leicht und tänzerisch aus. In dieser guten Performance reit sich der Opernchor unter der Einstudierung von Christian Möbius nahtlos ein. Auch die von Mozart kurz vor der Uraufführung gestrichenen Kadenzen sind von den drei Damen zu hören. Musikalisch wird das Werk vom Philharmonischen Orchester unter der Leitung von Johannes Zurl mit einer großen Klangfarbe umgesetzt.

Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Ulrich Schneider (Sarastro), Diana Schnürpel (Königin der Nacht) und Anne Martha Schuitemaker (Pamina) (Foto: © Bernd Schönberger)
Die Partie von Tamino (der Jüngling) wurde mit Matthias Stier mit besetzt. Er ist ein klangschöner und höhensicherer Tenor, der den ganzen Saal erfüllt. Es ist ein großer Zugewinn für die Produktion. Ebenso singt Diana Schnürpel ihre Partie. Wie auch die anderen Frauen scheint sie der Männerwelt zu trotzen und sie mit Säbel in die Schranken zu weisen. Eine sehr schöne Aufarbeitung von Sugaos Frauenbilds einst und heute. Monostatos Dirk Kleinke ist nicht nur gesanglich hervorragend. Es macht große Freude ihn zu beobachten, wie er die sonst eher kleine Rolle umsetzt. Leider war auch das Staatstheater Cottbus nicht von Ausfällen verschont geblieben, aber von der Seiten Bühne sang Olga Jélinková die erste Dame und fügte sich in das Klangbild nahtlos ein.
Natürlich möchte ich auch nicht die weiteren Sänger*innen vergessen: Philipp Mayer (Sarastro, Tamino der alte Mann), Ulrich Schneider (Sprecher, Tamino, der alte Mann), Anne Martha Schuitemaker (Pamina, das Mädchen) Iryna Dziashko (Papagena, Pamina, die alte Frau) Gloria Jieun Choi (erste Dame, nur gespielt), Rahel Brede (zweite Dame), Zela Corina Caliţa (dritte Dame), Hardy Brachmann (erster Priester), Heiko Walter (zweiter Priester), Katharina Holzapfel (erste Genie), Taisiia Khokhlova (zweite Genie), Yen Nhi Chu (dritte Genie), Jens Klaus Wilde (erster geharnischter Mann), Philipp Mayer (zweiter geharnischter Mann). Welch Glück hat ein Theater, dass auf solch ein Ensemble zurückgreifen kann.

Szenenfoto mit: (v.l.n.r.) Anne Martha Schuitemaker (Erste Dame), Diana Schnürpel (Königin der Nacht), Rahel Brede (Zweite Dame), Zela Corina Caliţa (Dritte Dame) sowie der Opernchor (Foto: Marlies Kross)
Der Schluss der Zauberflöte zeigt dann wieder, dass neben der Liebe die Verzeihung ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist. So hindert Pamina ihre Mutter daran, den im Sterbebett liegenden Tamino mit dem Schwert zu enthaupten. Die Frage nach der falschen Abzweigung bleibt offen. Sugao schafft es auch, seine Auffassung nicht als die alleinige Deutungsmöglichkeit dem Publikum aufzuzwingen, sondern jeder eigenen Interpretation einen Spielraum zu lassen.
Starker Applaus war der Dank für die gelungene Inszenierung. Sugao hat es letztendlich geschafft, das Publikum mitzunehmen. Mir selbst eröffnete es auch einen neuen Blick auf die Zauberflöte. Es ist eine unbedingt sehenswürdige Darbietung und man kann sie noch am 01.03 und 03.03. im Hans-Otto-Theater in Potsdam als auch am 02.02., 09.03., 07.04., 12.05.und 30.06. im Staatstheater Cottbus sehen.
Carl Osch
Cottbus, den 24.01.2024

