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COSWIG bei Dresden/ Villa Teresa: WIENER KLASSIK AUF DEM FLÜGEL VON EUGEN D’ALBERT MIT PETER RÖSEL

13.02.2023 | Konzert/Liederabende

Coswig bei Dresden / Villa Teresa: WIENER KLASSIK AUF DEM FLÜGEL VON EUGEN D’ALBERT MIT PETER RÖSEL – 12.2.2023

Die Villa Teresa, das weltweit einzige Museum für Eugen d’Albert in Coswig-Kötitz, wo d’Albert mit seiner zweiten Ehefrau, der damals weltberühmten venezolanischen Pianistin Teresa Carreño fünf Jahre (1891-1895) lebte und komponierte, bis sie sich wieder trennten und er fünf weitere Frauen ehelichte, schätzt sich jetzt glücklich, im Besitz des Flügels von Eugen d’Albert zu sein. Eugen d’Albert, der Komponist und Pianist, den Wilhelm Kempff, ebenfalls ein berühmter Pianist, als einen “Löwen mit den Samtpfoten” bezeichnete, erwarb 1898 einen Konzertflügel von Steinway & Sons. Aus Privatbesitz gelangte dieser Flügel aus Altersgründen in München ins Museum. Von dort kam er 2011 als Dauerleihgabe nach Coswig und stand – nachdem ihn Peter Rösel in einem „Begrüßungs“-Konzert im Kammermusiksaal gespielt hat, „im Hintergrund“, in einem Nebenzimmer dahinter. Inzwischen wurden die Eigentumsverhältnisse geklärt und das altehrwürdige Instrument umfassend restauriert. Jetzt steht es für Konzerte zur Verfügung.

Das erste Konzert mit dem restaurierten Flügel gab der Dresdner Pianist Peter Rösel, der in aller Welt – von Amerika bis Fernost-Asien – gefragt. Er verstand es, mit Werken der Wiener Klassik auch dieses Instrument, das jetzt mehr durch seine historische Bedeutung als durch seinen Klang beeindruckt, mit seinem fein differenzierenden Anschlag zum Klingen zu bringen. Die Flügel von Steinway & Sons sind für ihren Klang höchster Güte bekannt. Da aber bei Klavieren im Laufe der Zeit der Stimmstock nachlässt, nimmt man jetzt eine leichte Härte im Diskant gern in kauf. Hier steht weniger die Klangqualität des Flügels als vielmehr seine Geschichte und das Flair im Vordergrund.

Als erstes widmete sich Rösel der Sonate Es‑Dur“ (Hob. XVI, 52) von Joseph Haydn, die der Komponist im Jahr 1794 bei seinem zweiten Aufenthalt in London verfasste und die sich unter den Haydn-Klaviersonaten ganz besonderer Beliebtheit erfreut. In London lernte Haydn die neuen englischen Hammerflügel mit vollerem Klang, Pedalen und einem größeren Tonumfang kennen, die ihn vermutlich zu neuen Klangmöglichkeiten und zu dem auffallend vollgriffigen  Klaviersatz der beiden ersten Sätze inspirierten. Die Sonate ist der damals berühmtesten englischen Pianistin gewidmet und mit entsprechenden Schwierigkeiten versehen – für Rösel kein Problem. Mit seiner frappierenden Technik und musikalischem Gespür machte er die drei Sätze zum Hörgenuss.

Nach dieser Sonate mit ihrem relativ ernsthaften Charakter erfreute die Sonate B‑Dur“ (KV 333) von Wolfgang Amadeus Mozart, die vermutlich Ende 1783 in Linz entstand und  über deren Entstehungsumstände kaum etwas bekannt ist, mit ihren ausgewogen und virtuos vereinten Gegensätzen von Ernst und Heiter die Zuhörer. Sie gehört zu Mozarts musikalisch wie spieltechnisch anspruchsvollsten und bekanntesten Klaviersonaten. Bei dem diesigen, regnerischen Wetter wirkte sie unter Rösels Händen besonders licht und heiter – wie ein Frühlingshauch.

Zeitlich schon auf dem Weg zur Romantik, blieb Franz Schubert immer auch der Klassik verhaftet. Seine „Impromptus“, lyrische Klavierstücke, die er in seinen letzten Lebensjahren schrieb, verteilen sich auf zwei Sammlungen mit je vier Stücken. Die erste Gruppe (D 899) komponierte Schubert im Sommer und Herbst 1827 und die zweite (D 935) wenig später, im Dezember desselben Jahres.

Wie auch die „Moments musicaux“ gehören diese Charakterstücke („Improvisation“, „Augenblicklicher Einfall“) zu seinen bekanntesten und volkstümlichsten Klavierwerken. Rösel spielte die „Impromptus B‑Dur“ (D 935, 3) aus der zweiten Gruppe sowie die Impromptus „c‑Moll“, „Es‑Dur“, „Ges‑Dur und das berühmte und beliebte „As‑Dur“ (D 899) der ersten Gruppe. So mancher der Anwesenden wird sie selbst gespielt haben, nur nicht so schön und ausdrucksvoll wie Rösel und auch nicht so geläufig, aber mit Freude und Begeisterung. Vor allem früher gehörten die Impromptus zum Klavierunterricht und zur Hausmusik, jetzt werden sie wegen ihrer kompositorischen Genialität zu Recht von berühmten Pianisten in ihre Konzertprogramme aufgenommen und schlagen, meisterhaft interpretiert, eine unmittelbare Brücke zum Publikum.

Wenn Peter Rösel spielt, ist man gebannt, lauscht und genießt die Musik, fühlt sich mit hineingenommen in die Welt, die er aus Tönen entstehen lässt. Sein Repertoire reicht von Barock bis zur Moderne, und man ist immer besonders angetan von dem, was er gerade spielt.

Für den herzlichen und dankbaren Applaus bedankte er sich mit den Worten: „Es gibt noch ein Impromptu für den Heimweg“ (As‑Dur, D935,2) und fügte es ebenso ansprechend und gefällig und doch  tiefgründig hinzu..

Ingrid Gerk

 

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