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Coswig bei Dresden / Villa Teresa: „KLÄNGE UND NACHKLÄNGE DER ROMANTIK“ –

16.03.2025 | Konzert/Liederabende

Coswig bei Dresden / Villa Teresa: „KLÄNGE UND NACHKLÄNGE DER ROMANTIK“ – 16.3.2025

Die Villa Teresa ist das einzige Eugen-d´Albert-Museum weltweit und Veranstaltungszentrum für Kammermusik und Literatur in Coswig-Kötitz, unweit von Dresden, wo der britisch-schweizerische Komponist Eugen d´Albert mit seiner vierten Ehefrau (es sollten noch zwei weitere Ehen folgen), der venezolanischen Ausnahmepianistin Teresa Carreño, der „Walküre des Klaviers“, wohnte und komponierte. 

Hier widmeten sich der Geiger Wolfgang Hentrich, Erster Konzertmeister der Dresdner Philharmonie, Leiter des Philharmonischen Kammerorchesters und der Deutschen Streicherphilharmonie sowie Primarius des Dresdner Streichquintetts und des Carus Ensembles, der Villa Teresa seit langem verbunden, und Kolja Lessing, Pianist, Geiger und Musikwissenschaftler, der auch mit interessanten, wenig bekannten Fakten durchs Programm führte, einer „Spurensuche romantischer Klänge und Nachklänge in und um Dresden“.

Die interessante, hinsichtlich interner Verbindungen der Werke untereinander gut zusammengestellte, Programmfolge begann mit Felix Mendelssohn Bartholdy, einem der ersten romantischen Komponisten, der der Romantik klassizistisch geprägte Wege wies. Lessing spielte zwei seiner „Lieder ohne Worte“, bei denen Hentrich die von Carl Czerny anstelle der menschlichen Stimme hinzugefügte, gezupft und gestrichene Violinstimme übernahm. 

Czerny hat nicht nur die, bei Klavierschülern nicht sonderlich beliebte „Schule der Geläufigkeit“ und andere Übungsstücke geschrieben, sondern etwa 1000 Werke, Orchesterwerke, Sinfonien, Klavierkonzerte usw. Er eröffnete – wie Louis Spohr, der das Konzert beschloss – nach 1800 neue romantische Klangwelten. Aus seiner „Systematischen Anleitung zum Fantasieren“ (op. 200) erklangen eine recht nett anzuhörende „Fantasie e-Moll“ und aus „Die Kunst des Präludierens“ „8 Präludien für Klavier“.

Dem folgte Ferdinand David, ein seinerzeit bedeutender Geiger und Freund Mendelssohns und Schumanns, der sich ebenfalls von der Klassik her der Romantik näherte. Damals gab es in Deutschland eine weltoffene Kultur mit bestem Dialog zur russischen und jüdischen Kultur, die in den hier gespielten Werken ihren Niederschlag fand: dem eindrucksvollen „In russischer Weise b-Moll“ mit dem wehmütigen Charakter der russischen Seele, einer „Arietta fis-Moll“ mit schöner Melodik und dem „Impromtu B-Dur“ für Violine und Klavier“, von Hentrich mit Gefühl und Hingabe gespielt. Während Lessing gewohnt war, als Solist international zu konzertieren und mit breiter Palette von hart und kraftvoll bis fein und klangvoll zu spielen, stellte sich Hentrich mit warmem, beseeltem Klang auf den kleineren, intimen Raum der Villa ein. 

Auch Richard Wagner, der 1842-49 an der Dresdner Oper wirkte, gehört in die romantische Epoche, auch wenn er sehr individuelle Wege beschritt. Mit Franz Liszt und Wagner erreichte die Romantik ihren Höhepunkt und war mit der raffinierten und mit pianistischen Schwierigkeiten gespickten „Transkription für Klavier“ über „Isoldes Liebestod“ vertreten, nicht „mild und leise“, sondern virtuos, in pianistischer Manier, womit Liszt seinerzeit Aufsehen erregte.

Mit der echt romantisch schmeichelnden „Mélodie hébraique“ (op. 12) und zwei temperamentvollen, fast überschäumenden Mazurken (fis-Moll und cis-Moll), einem „Abgesang der Romantik“, wurde an den norwegischen Dirigenten Pianisten, Opernregisseur und Komponist russisch-jüdischer Herkunft, Issay Dobrowen (1894-1953), den letzten Vertreter der Romantik erinnert, der noch einmal den Geist der Romantik beschwor, als bereits die Moderne dominierte. Er wirkte in den 1920er Jahren an der Dresdner Oper und holte unter anderem als Erster die Oper „Boris Godunow“ nach Dresden und damit an die deutschen Bühnen. 

Die Reise durch die Romantik von den Anfängen bis zu ihrem Verklingen wurde mit Louis Spohr, unter anderem Lehrer von Ferdinand David, beschlossen. Zwei Werke aus seiner Spätzeit: „Rondoletto G-Dur (op. 149) für Klavier, „Romanze B-Dur“ und „Scherzo D-Dur“ (op. 135 Nr. 2), beide für Violine und Klavier erklangen in völliger harmonischer Verbindung der beiden Ausführenden. Besonders in dem hochvirtuosen „Scherzo“ konnte Hentrich seine solistischen Fähigkeiten entfalten, er musizierte meisterhaft wie die berühmten Solisten seines Faches.

Das begeisterte Publikum kam für seinen Applaus noch in den Genuss der „Romanze“ für Violine und Klavier von Clara Schumann als Zugabe – ein stimmungsvoller Ausklang.

Ingrid Gerk

 

 

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