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Cornelius Obonya: KOMMEN SIE BITTE WEITER VOR

25.11.2013 | buch

BuchCover Obonya, Kommen Sie bitte weiter

Cornelius Obonya: 
KOMMEN SIE BITTE WEITER VOR  
Aufgezeichnet von Haide Tenner
276 Seiten, Amalthea Verlag, 2013 

Wieder ist es ein verhältnismäßiger junger Mensch, der seine „Memoiren“ vorlegt (ohne dass dieser pompöse Ausdruck verwendet würde): Cornelius Obonya ist 44 und drückt am Ende des Buches die Hoffnung aus, „dass mein Leben ähnlich gut weitergeht, dass ich vom Publikum gern gesehen werde und dass ich bis ins hoffentlich hohe Alter hinein immer wieder die Chance bekomme, Dinge neu auszudrücken, neu zu erfahren, andere Dinge zu machen.“ Das ist ja sehr sympathisch, und es steht viel Kluges in dem Buch, das Haide Tenner aufgezeichnet hat.

Freilich, wäre da nicht „Jedermann“, den Obonya diesen Sommer erstmals am Salzburger Domplatz spielte, sein Name hätte vielleicht nicht die Dimension eines eigenen Buches, da wäre er vielleicht immer noch „der Enkel vom Attila“ und zwar jener der  drei Enkel, der dem legendären Großvater am ähnlichsten sieht. Aber ein Salzburger „Jedermann“ zu sein (und damit in die Fußstapfen dieses Attila Hörbiger zu treten!!!), ist ein Adelsprädikat in der österreichischen Schauspielerwelt, und gewissermaßen „Royality“ war Cornelius Obonya schon von Geburt an, als Sohn der ältesten Wessely-Hörbiger Tochter Elisabeth Orth und ihres charaktervollen Schauspieler-Gatten Hanns Obonya, der früh, zu früh gestorben ist (Cornelius war damals sieben Jahre jung).

Haide Tenner verleiht jedem Kapitel eine – nicht sehr genau gekennzeichnete – Einleitung aus ihrer Feder (und schießt auch immer wieder Informationen in den Text), dann darf Cornelius erzählen. Er weiß, dass das Interesse an seinen legendären Großeltern nie versiegen wird, und er weiß auch, was alle Welt wissen will. Offenbar hat er seine Großmutter, die große Paula Wessely (die sich selbst mal „nona“, mal „nonna“ schrieb), auch direkt gefragt, wie sie das nur tun konnte, damals, mit dem „Heimkehr“-Film, ob sie verstanden hat, was sie tat (nämlich die Nazi-Propaganda mit ihrem guten Namen anheizen): Sie sagte „ja“ und war dem Enkel böse. Eine Zuckerloma war sie nicht.

Wenn man von Schauspielern umgeben aufwächst, dann muss man wohl Schauspieler werden. „Kommen Sie bitte weiter vor“, sagte man ihm beim Vorsprechen. Als Titel ist das vielleicht nicht allzu einsichtig, aber griffige Buchtitel zu finden, ist schwer (die Garanca mit ihren „Schuhen“ bekommt ja auch keinen Preis für einen Geistesblitz als Titel). Am Reinhardt-Seminar wurde er genommen, aber es gefiel ihm nicht. Also ging er zu Gerhard Bronner, zum Kabarett. Dann zum Bundesheer. Und dann gab Emmy Werner dem gerade 20jährigen die erste große Chance und die Hauptrolle in den „Brooklyn Memoiren“ von Neil Simon.

Um dem schlichten chronologischen Aufzählen von Rolle zu Rolle zu entgehen, setzt das Buch Themenschwerpunkte, mit deren Hilfe man auch alles Relevante abhandeln kann – Begegnungen mit Regisseuren (Andrea Breth war nicht nur für seine Mutter wichtig, sondern auch für ihn), wobei er auch bei Carolin Pienkos landet und das Buch dann hier die Richtung ins Private nimmt: Mit ihr ist er nämlich verheiratet und hat den 2005 geborenen Sohn Attila… (Er bekommt auch ein eigenes Kapitel im Buch.)

Obonya erzählt viel und intelligent über die Arbeit an Stücken, er hat sich viele Gedanken über das Handwerk des Schauspielers gemacht (sicher für junge Kollegen anregend), er philosophiert über die Beziehung zwischen Schauspieler und Publikum. Sprache ist für ihn wesentlich, sie führte zum Gesang, zum Wienerlied, zum Frosch in der Operette, auch zum Musical (wenngleich er absolut nicht jedermann in „The Producers“ überzeugt hat).

Es ist aufrichtig, dass Obonya auch Unbehagen am Theater, an Regisseuren, an Konzepten kundtut (etwa der „Alpenkönig“-Inszenierung am Burgtheater), und man weiß, dass er sich für politische Themen engagiert, ob es die Einwanderer sind oder die Religion (dem Katholizismus abhanden gekommen, denkt er doch über den Tod und das Nachher nach – Kunststück, wenn man den Jedermann spielt). Aber vor dem Tod sollte noch einiges kommen.

Apropos Zukunft: Cornelius Obonya ist ein sehr dezidierter Typ, keiner, dem man die klassischen Helden anvertrauen wird. („Schiach is er halt“, sagte ein Taxifahrer über ihn.) Wenn ihn das bekümmerte, hat seine Mutter ihn getröstet, mit Mitte 40 werde sich das ändern, weil in diesem Alter Optik, Erfahrung, Talent und Könnerschaft besser zueinander stimmen werden.

In diesem Sinn hat Cornelius Obonya vermutlich noch viel vor.

Renate Wagner

 

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