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Cornelia Köndgen: MIT EINEM KLEINEN SCHUSS INS ROT

23.12.2013 | buch

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Cornelia Köndgen: 
MIT EINEM KLEINEN SCHUSS ROT
Die Jahre mit Ludwig Hirsch
214 Seiten. Verlag Seifert, 2013 

Sie war nicht nur „die Frau an seiner Seite“, Cornelia Köndgen hatte durchaus ihre eigene Karriere. Und sie erzählt sie auch. Dennoch handelt ihr Buch vor allem von der gemeinsamen Zeit mit ihrem Ehemann Ludwig Hirsch, der sich Ende 2011 das Leben genommen hat. Zwei Jahre danach der Rückblick auf 35 Jahre Gemeinsamkeit – viel mehr als ihr halbes Leben.

Der Titel ihres Buches, „Mit einem kleinen Schuss ins Rot“ mag auf Anhieb nicht verständlich sein. Aber es stellt sich überzeugend heraus, dass das Leben mit einem Künstler, der mit „Dunkelgrauen Liedern“ nachhaltig berühmt wurde, keinesfalls ein Jammertal war…

Der Ablauf des Buches ist einigermaßen chronologisch, aber Cornelia Köndgen erzählt nicht brav wie im Schulaufsatz, sie plaudert ganz locker, gibt drunter und drüber ihren Gedanken nach, liefert Impressionen aller Art (auch Insider-Stories und Erkenntnisse über das Wiener Theaterleben). Das ist kein Buch für systematische Leser. Aber wer in den letzten Jahrzehnten in derselben Welt gelebt hat wie das Paar Hirsch-Köndgen, wird sich zurechtfinden.

Als sie einander trafen, waren sie beide – die Deutsche und der Steirer – junge Schauspieler.  Er war als Jungspund an der Josefstadt engagiert. Sie kam aus Deutschland für eine Fernsehproduktion von „Feuerwerk“ und tauchte in die Wunderwelt der Wiener Schauspieler ein – ihre Partner waren Pluhar, Nicoletti, Serafin, Sowinetz, Zimmer…  Abends in der Josefstadt sah sie in „Dreyfus“ neben dem großen Leopold Rudolf zum ersten Mal den jungen Ludwig Hirsch. Und fuhr nach Deutschland zurück. Kam dann doch nach Wien. An die Josefstadt. Und traf den Mann, nach dem sie immer Ausschau hielt, monatelang nicht (dafür hatte sie eine wunderbar Trink- und Plauderfreundschaft mit dem großen Ernst Waldbrunn). Bis sie – Köndgen und Hirsch –  endlich einmal am Schauspielerstammtisch im Café Maria Treu zufällig zusammen trafen. Nach acht Stunden landeten sie in ihrer Theaterwohnung (gleich neben der Josefstadt und dem Café). Und von da an wurden alle Versuche von Cornelia Köndgen, wieder zu ihrer früheren Karriere in München zurückzukehren, von Ludwig Hirsch durchkreuzt…

Sie heirateten am 8. November 1977 in „Floridsdorf am Spitz“ und haben in der Folge beide keine konventionellen Wiener Theaterkarrieren gemacht, dazu waren sie letztlich zu „anders“, keine Stammtisch-Schleimer und keine Menschen mit konventionellen Vorstellungen vom Leben. Hirsch, der sich mit seinen vielen Talenten nicht einordnen ließ, wurde als Liedermacher, der er in tiefster Seele immer war, entdeckt, und als er zum Platten- und Pop-Star avancierte, als er monatelang auf Tournee war (und von Frauen belagert wurde), „verkaufte“ man ihn lieber ohne Familie (1981 hatten die beiden einen Sohn bekommen). Das Eheglück machte Pause, aber es zerbrach nicht.

Von da an wird das Buch kürzer – obwohl die Beziehung sich eingependelt hat, Hirsch auch (u.a. für einige Nestroy-Rollen) zum Theater zurückkehrte, Cornelia Köndgen ihre eigene Schauspielkarriere weiter verfolgte, beide auch wieder zusammen spielten. Und zweifellos bis zum Ende ein Paar waren, das ohne einander nicht sein konnte und wollte.

Das Ende selbst, das so tragisch war, wird nur am Rande geschildert – da möchte die Autorin vermutlich nicht die Gier eines Publikums aufs allzu Private befriedigen. Dass Cornelia Köndgen seither versucht, mit ihrem Beruf weiter zu machen, um auch seelisch Boden unter den Füßen zu gewinnen, weiß man. Ihre Erinnerungen niederzuschreiben, hat für sie – wie sie auch in Interviews sagte – einen therapeutischen Effekt. Trauerarbeit, indem man sich an vieles und auch an viel Heiteres und Glückliches erinnert.

Renate Wagner

 

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