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Concerto Köln mit Geminiani-Werken „Quinta Essentia“ bei Berlin Classics erschienen/

19.09.2019 | cd

Concerto Köln mit Geminiani Concerti grossi

Eine erfrischende Musizierlust

Concerto Köln mit Geminiani-Werken „Quinta Essentia“ bei Berlin Classics erschienen/

Francesco Geminiani (1687-1762): Concerti grossi - "Quinta essentia", CD

Reiche spieltechnische Anweisungen hat Francesco Geminiani wie kein Zweiter hinterlassen. Die ungewöhnlichen Stilelemente dieser Concerti Grossi treten so in bemerkenswerter Weise zutage. Concerto Köln lässt die zahlreichen Raffinessen dieser ungewöhnlichen Partituren in reizvoller Weise aufleuchten. Man spürt auch, wie die polyphone und kontrapunktische Struktur hier einem viel einfacheren Stil gewichen ist. Es galt jetzt der galante Stil eines Mozart oder Haydn. Geminianis Spätwerk wirkt immer wieder schwierig und phantastisch, was auch bei dieser ausgefeilten Interpretation des Concerto Köln wiederholt in bemerkenswerter Weise hervorsticht. Reiche Polyphonie strahlt beispielsweise das Concerto Grosso op. 7 Nr. 6 in B-Dur aus, wobei sich der transparente Musizierstil in jeder Beziehung durchsetzt. Die einzelnen Klangflächen verdichten sich immer mehr. Tempi, Taktarten und nuancenreiche Klangfarben finden so ganz zusammen. Geminianis Musik beeindruckt durch eine unglaublich reiche Vielfalt,  die wie ein üppiger Blumenstrauß wirkt. Allerdings erscheint das Klangbild bei dieser Aufnahme zuweilen allzu grell, es fehlt manchmal eine klare Aussteuerung. Besondere spieltechnische Klarheit besitzt in jedem Fall das Concerto Grosso nach Corellis Violinsonate op. 5 Nr. 3, wo es zwischen den Solisten und dem Orchester zu einem fein ausbalancierten Zusammenspiel kommt. Das Ensemble Concerto Köln gefällt dabei immer wieder durch facettenreiche Musizierlust. Die Concerti Grossi op. 7 Nr. 2 in d-Moll, op. 3 Nr. 1 in D-Dur und op. 2 Nr. 2 in c-Moll überzeugen aufgrund ihrer plastisch und gut herausgearbeiteten thematischen Zusammenhänge. Übrigens lassen sich Geminianis Bearbeitungen in zwei spezifische Gruppen einteilen. Die erste besteht aus korrigierten oder umgestalteten Kompositionen, in welchen die ursprüngliche Form beibehalten wird. In anderen Fällen wird bei der Bearbeitung auch die Form der Komposition verändert  – so beispielsweise bei Geminianis Bearbeitungen der zwölf Violinsonaten op. 5 von Corelli. So hat Geminiani seine Violinsonaten von 1716 später für eine Neuauflage neu bearbeitet, was man anhand des schon erwähnten Concerto Grosso nach seiner Violinsonate op. 5 Nr. 3 hören kann. Harmonische Kunstfertigkeit, chromatisch geführte Akkorde und rasante Modulatorik wechseln sich auch bei dieser Wiedergabe durchaus reizvoll ab. Ein fließender Übergang in verschiedene Klangfarben gelingt dem Concerto Köln hier eindrucksvoll. Francesco Geminiani (1687 bis 1782) führte seine Violinkonzerte zusammen mit Georg Friedrich Händel am königlichen Hof in London auf. Etwas vom pompösen und imperialen Stil Händels hat übrigens auch auf die Kompositionsweise Geminianis abgefärbt (Solovioline: Mayumi Hirasaki). 

Alexander Walther

 

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