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Claudio Cantele: DAS STILLE GELD / DAS DUNKLE GELD

01.11.2012 | buch

  

Claudio Cantele: DAS STILLE GELD  168 Seiten

Claudio Cantele: DAS DUNKLE GELD  176 Seiten

Molden Verlag, 2012 

„White Collar“ nannte man früher diese Verbrechen, bei denen kein Blut floss und man am Ende sogar nicht ohne (neidvolle?) Bewunderung dabei zusah, wie geschickte Finger am Computer Geld in Massen um die Welt verschoben, so dass es für die Öffentlichkeit verschwunden war – und der Begünstigte sich absetzen und seine ergaunerten Millionen irgendwo in Südamerika genießen konnte… Mittlerweile haben  Finanzgeschäfte dieser Art nicht nur Firmen ruiniert, sondern auch ganze Länder, und am Ende wackelt die Weltwirtschaft (und wir wackeln mit). Also findet man dergleichen gar nicht mehr so elegant und lustig. Aber wir lesen gerne darüber, wenn man sich ein wenig für finanzielle Transaktionen interessiert.

Claudio Cantele, gebürtig in Budapest, aber Italien-verbandelt (sonst würden seine Romane nicht großteils dort spielen, mit kleinen Sprüngen nach Österreich und in andere europäische Regionen), war jahrzehntelang in Banken und Versicherungen tätig. Er weiß also, wovon er schreibt, wenn er „Das stille Geld“ und „Das dunkle Geld“ in den Mittelpunkt von zwei Krimis stellt. Demnächst wird „Das schnelle Geld“ die locker zusammenhängenden Bücher zu einer Trilogie vervollständigen.

Worum geht’s also? Nicht alles kann man transferieren, es gibt kofferweise Bargeld, das über Grenzen geschafft werden muss – im ersten Krimi ist es ein rumänischer Gangster, der dies von seinen italienischen Bankern verlangt, und der dafür ausgeschüttete Transaktions-Bonus ist so groß, dass man nicht nein sagen kann. Am Ende ist da übrigens auch noch der Vatikan im Hintergrund involviert (und den Krimi-Leser wundert gar nichts mehr).

Im zweiten Buch ist es dann eine absolut skrupellose Steuerberaterin, die sich die Ahnungslosigkeit ihres Kunden (es geht um einen Verlags-Großkonzern und dessen Junior-Chef) zunutze macht und seine Gelder so nach Zypern verschiebt, dass am Ende nur sie profitiert – falls nicht die italienische Steuerfahndung doch einmal erwacht. (Auch diese Herren kommen an sich nicht gänzlich gut weg.)

Der Autor hat zwar ein Herz für seine „Guten“, lässt die ahnungslosen Unschuldslämmer einigermaßen davonkommen, bezweifelt aber (er weiß, wovon der redet), dass die „Bösen“ immer geschnappt und ausreichend bestraft werden. Das sind keine Krimis, die einem vor Spannung die Haare zu Berg stehen lassen, man erfährt auch nicht viel mehr, als man sich ohnedies vorstellen kann, aber die schmutzigen Flüsse des großen Geldes werden uns noch lange beschäftigen – im Leben und zwischen Buchdeckeln.

Renate Wagner

 

 

 

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