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CINDERELLA

08.03.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Cinderella~1

Ab 12. März 2015 in den österreichischen Kinos
CINDERELLA
USA  /  2015 
Regie: Kenneth Branagh
Mit: Lily James, Cate Blanchett, Helena Bonham Carter, Richard Madden, Derek Jacobi, Stellan Skarsgård, Ben Chaplin u.a.

Von Disney würde man eigentlich erwarten, dass Cinderella, das gute, alte Aschenputtel er Brüder Grimm, ewig „gezeichnet“ von der Leinwand kommt, aber man hat sich diesmal für eine Realverfilmung entschieden, was eine sehr heikle Sache ist – man weiß schon: Kitsch, Lieblichkeit, Verlogenheit, Süßlichkeit… alles, was man so schlecht verträgt. Die Realverfilmung von „Alice im Wunderland“ (ebenfalls einst ein Disney-Animations-Klassiker) war vor ein paar Jahren von dem „schrägen“ Regisseur Tim Burton geprägt. Für „Cinderella“ ging man einen anderen Weg, als man Kenneth Branagh ans Regiepult bat – und das funktionierte nun auch mehr im Sinne eines märchenhaften Originals, versetzt mit einigem Humor und vor allem der allerfeinsten Schauspielkunst, die man von Branagh selbst kennt und die er als Regisseur auch den Darstellern abgewinnen kann. Wobei Cate Blanchett eine „böse Stiefmutter“ vermutlich ohne Hilfe vom Blatt spielt…

Doch dass sie es zwar mit ziselierter Bosheit, aber ohne offensichtliche Übertreibung tut, ist schon einmal eine Besonderheit des Films, der ein Märchen mit unmärchenhafter Selbstverständlichkeit erzählt (trotz tanzender Mäuse…) Die Psychologie, die hinter den Figuren steckt, kommt stets zum Vorschein. Da werden ein paar schöne Charakterbilder gezeigt, auch von der Titelheldin, die hier kein armes Hascherl, sondern ein zwar vom Schicksal gebeuteltes, aber ungebrochenes und sehr liebenswertes Wesen ist.

Als kleines Mädchen verliert sie die Mutter, dann stimmt sie Jahre später herzlich gerne zu, als der Vater ein neues Glück mit einer neuen Frau finden will: Ben Chaplin ist nur kurz auf der Leinwand, denn er stirbt bald, nachdem er geheiratet hat und die neue Gattin und ihre zwei Töchter eingezogen sind – man hätte diese Mädchen vielleicht ein bisschen interessanter besetzen können, sie entsprechen am ehesten dem Klischee der blöden Stiefschwestern-Zicken (die Fernseh-Gesichter Holliday Grainger als Anastasia und  Sophie McShera  als Drizella). 

Auftritt Cate Blanchett, die Frau, die sich in die finanzielle Sicherheit geheiratet hat, wie sie meint, dann entdeckt, dass eigentlich die Stieftochter das Haus geerbt hat, und schnell daran arbeitet, diese an den Rand zu drängen (und auf den Dachboden, wo die hübsch computerisierten Mäuse ihre Gefährten sind): Das Dienstpersonal wird entlassen, Cinderella zur Haussklavin degradiert, und man sieht dieser Lady Tremaine der Cate Blanchett an, wie diese ununterbrochen kalkuliert, wie sie über Wasser bleiben kann – schließlich mit der Option, dass eine ihrer Töchter den Prinzen heiratet…

Aber da ist Cinderella vor. Harry Potters Emma Watson hätte die Rolle spielen sollen, wäre vielleicht interessanter gewesen, aber die 25jährige Lily James (in „Downton Abbey“ dabei) trägt als liebes, hübsches, aber durchaus starkes Blondinchen die Rolle. Wie sie, bei einem kleinen Ausritt in den Wald, den einsamen jungen Mann trifft, von dem sie nicht weiß, dass er der Prinz ist, gewinnt dank ihrer selbstverständlichen Freundlichkeit ganz besonderen Zauber. Kein Wunder, dass der hübsche Prinz (Richard Madden aus „Game of Thrones“) diese Begegnung nicht mehr aus dem Kopf bekommt…

Schauplatzwechsel in die kleine Stadt, das kleine Schloß des kleinen Königreichs, und Branagh kann mit seinen Beziehungen natürlich die besten englischen Schauspieler heranziehen: Wunderbar Derek Jacobi als sterbender alter König, der erst an der Forderung „geheiratet wird nur eine Prinzessin“ festhalten muss, dann aber doch weiß, was wichtig ist im Leben. Am Rande intrigiert Stellan Skarsgård als Hofbeamter, und Nonso Anozie (der Freund des Prinzen, ein Farbiger) steuert nach Kräften dagegen.

Branagh kann noch einen Clou aufbieten: Als völlig verwirrte Fee hat er Helena Bonham Carter (einst seine Gefährtin, dann Tim Burtons Gattin) verpflichtet, die eine herrliche Show abzieht und aus dem Aschenputtel die Prinzessin macht, die dann am Fest des Prinzen erscheint – wobei (das sind die hübschesten Computer-Gags der Geschichte) ein Kürbis die goldene Kutsche wird, die Eidechsen die Lakaien usw…

Gerade, weil das Märchen nicht so glatt abläuft, sondern immer wieder in den Figuren einhakt, und weil diese alle so richtig besetzt und geführt erscheinen, hat man den Eindruck, eine Realverfilmung von „Cinderella“ hätte gar nicht besser ausfallen können. Ein Märchen, das eine Geschichte von Gut und Böse erzählt und das man ansieht wie eine wahre Geschichte…

Renate Wagner  

 

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