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CHEMNITZ: LE NOZZE DI FIGARO. Neuinszenierung

10.06.2017 | Oper

CHEMNITZ: LE NOZZE DI FIGARO am 9.6.2017 (Neuinszenierung)

Die Oper Chemnitz setzt zum Spielzeitausklang eine Neuproduktion von Mozarts „Le nozze di Figaro“ auf den Spielplan. Als besonders geglückt kann man diesen Wurf allerdings nicht bezeichnen, können doch weder die musikalische noch die szenische Seite vollends überzeugen.

Die Regie liegt in den Händen von Helen Malkowsky, die einen bunten Stilmix zu arrangieren hat. Bewegt man sich bei den Kostümen im Hier und Jetzt (vom Hipster bis zum Rockergirl), ist man jedoch bei der Kulisse eines etwas speckigen Barockschlösschens. Worin da der Zusammenhang besteht, erschließt sich mir nicht wirklich.

Zu Beginn der Ouvertüre ist man in einem schmucklosen Caféhaus beim Speed-Dating mit allen Beteiligten der Handlung. Die erzählte Geschichte ist simpel: Der Graf will sich vergnügen, sitzt dann allerdings seiner Gattin incognito entgegen. Entsprechend peinlich die Situation, als diese ihren Sonnenhut lüftet. Ein paar Tische weiter gehts da schon wilder zu: Figaro und Susanna erleben die Liebe-auf-dem-ersten-Blick und stürzen verliebt aus der Szenerie. Das war schon fast die originellste Regie-Idee des Abends, denn ab da gehts erstaunlich bieder und klassisch weiter. Vom Fenstersprung bis zur Zofe im Kabinett im barocken Ambiente werden alle Figaro-Abläufe brav abgehandelt. Nur fragt man sich, warum dann wiederum auf Puderperücke und Reifrock verzichtet wird?! Interessanterweise gelingt in Malkowskys Inszenierung der 4. Akt (wohlgemerkt: der schwierigste von allen) am Überzeugendsten. Auf Almavivas Gartenparty dreht sich die Bühne stetig und wirft die Beteiligten von Raum zu Raum. Hier blitzt plötzlich echte Komödie auf und erstmals zeigt sich auch Personenregie. Die Figuren werden pur, zeigen Gefühle.

Die Kommunikation zwischen Bühne und Graben klappte an diesem Abend nicht besonders. Das Dirigat von Stefan Politzka kann allenfalls als unspektakulär und brav bezeichnet werden. Drohendes Unheil, wie zum Beispiel durch den oft schleppenden Chor, kann er nicht abwenden, und so klappert es am Abend leider des öfteren. Die Robert-Schumann-Philharmonie präsentierte sich nicht von ihrer besten Seite, denn auch aus dem Graben tönt es nicht immer sauber.

Das Chemnitzer Sängerensemble besteht aus einem vorwiegend sehr jungen Team, was dem Stück eine besondere Frische verleiht. An erster Stelle muss das Dienerpaar genannt sein, die grossartig durch diesen Abend trugen und die beste Leistung ablieferten. Der koreanische Bass Sejong Chang wiederholt in Chemnitz seinen Leipziger Erfolg in der Rolle des Figaro. Eine wunderbar sonore Stimme gepaart mit ordentlicher Bühnenpräsenz. Ihm zur Seite die quirlig-soubrettige Franziska Krötenheerdt als Susanna, der man (trotz mancher Unsicherheiten) nur zu gern zuschaut und der ein bezauberndes Rollenportrait gelingt.

Das Grafenpaar kann leider nur bedingt auf diesem Niveau mithalten. Ist Andreas Beinhauer als Graf zwar mit einer schönen Stimme ausgestattet, wirkt er im Spiel jedoch sehr hölzern und unbeholfen. Weder den Verführer, noch den Despoten kann man ihm vollends abnehmen. Zudem sind seine Rezitative arg verwaschen gesungen mit wenig Gefühl für den italienischen Duktus. Statt Maraike Schröter erlebte man an diesem Abend die rumänische Sopranistin Silvia Micu als Gräfin Almaviva, die diese Rolle zuvor in Pforzheim sang. Die zarte und fast engelsgleiche Gestaltung trösten allerdings nicht über den Fakt hinweg, dass diese Gräfin viel zu leicht besetzt ist und stimmlich zu sehr an der Susanna ist. Die lyrischen Momente fehlen, und sind doch gerade in dieser Partie das Gewünschte. Trotz alledem gelingt ihr ein hübsches „Dove sono“, wobei ihr auch hier aus dem Graben der ein oder andere Stein in den Weg gelegt wird. Vanessa Fasoli präsentiert einen sehr guten Cherubino, der, mit etwas Feinschliff und zarteren piani, sie durchaus an grössere Häuser bringen dürfte. Aus den hauseigenen Reihen kann vor allem Magnus Piontek als Bartolo im schmierigen Pennerlook überzeugen. Ihm zur Seite Tiina Penttinen als Marcellina mit säuerlichem Mezzosopran und groben Intonationstrübungen. Eine solide Leistung brachten André Riemer als Don Basilio, Hubert Walawski als Don Curzio und der (etwas zu) junge, aber gut singende Eric Ander als Antonio. Ebenfalls einen positiven Eindruck hinterliess die junge Sopranistin Katharina Boschmann als flippige Barbarina.

Barbara Rosenrot

 

 

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