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CD: „Zwischenspiel“, Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 26, Franz Schubert, Sonate D 784, Johannes Brahms, Drei Intermezzi, Giorgos Karagiannis

31.03.2023 | cd

CD: „Zwischenspiel“, Ludwig van Beethoven, Sonate Nr. 26, Franz Schubert, Sonate D 784, Johannes Brahms, Drei Intermezzi, Giorgos Karagiannis

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Entschleunigung? Nachdenklichkeit? Wenn der griechische Pianist Giorgos Karagiannis sich Beethovens Sonate Nr. 26 „Les Adieux“ vornimmt, dann geht es kaum um Selbstdarstellung des eigenen pianistischen Egos. Virtuosität demonstrieren hier sowieso andere zur Genüge. Das zurückgenommene Tempo und das ruhige Hineinversenken in jeden einzelnen Ton laden stattdessen dazu ein, an Giorgios Karagiannis unaufgeregten Erkundungen der drei für diese CD ausgewählten Kompositionen teilzuhaben. Neben Beethovens Sonate Nr. 26 widmet er sich hier der Sonate D 784 von Franz Schubert und den Drei Intermezzi opus 117 von Johannes Brahms.

„Les Adieux“ ist eine der wenigen Beethoven-Sonaten, bei denen der Titel vom Komponisten selbst stammt, also auch dem Komponieren eine programmatische Grundlage gab. Und ja: Mehr noch als sonst, wird in der getragenen Lesart von Giorgos Karagiannis das Gefühl von Abschied und Melancholie plausibel gemacht. Anlass gibt es dafür heute umso mehr, da dieser Pianist Ende letzten Jahres, 36 Jahren jung, nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.

Auch die quirlige Fröhlichkeit, welche im dritten Satz dieser Beethoven-Sonate enthalten ist, verkehrt sich in Karagiannis Spiel in einen Zustand von leiser Traurigkeit hinein. Es kommt schon manchmal das Gefühl auf, dass er sich an dem Dreiermetrum des Satzes mehr festzuhalten versucht, als dass hier etwas gesprengt und ins pralle Leben losgelassen werden will. Das alles hat nur vordergründig mit Verzagtheit zu tun. Beim tieferem Hineinhören erschließt sich ein konsequente rGestaltungswillen, sich in die Unmittelbarkeit der Töne und ihrer auskomponierten Beziehungen untereinander hinein zu versenken. Das weitgehende Fehlen von explosiver Emphase, dafür diese eigenwillige, tief gründende Behutsamkeit, schlägt dann auch eine stimmige Brücke zu Franz Schuberts Sonate, in der Georgos Karagiannis weiterhin eine ähnlich getragene, in sich ruhende Empfindsamkeit kultiviert.

Folgerichtig entkleidet er die drei Intermezzi von Johannes Brahms von jeder auftrumpfenden Bravour. Auch das legt Tiefenregionen dieser Musik, manchmal am Rande der Stille, oder des Stillstandes frei. Der im griechischen Grevena geborene Giorgos Karagiannis studierte unter anderem bei Markus Becker in Hannover und war Preisträger vieler nationaler und internationaler Wettbewerbe. Ausgiebig konzertierte er als Solist, Begleiter und Kammermusiker. Man hätte gerne noch viel mehr von ihm gehört.

Stefan Pieper

Giorgos Karagiannis: Zwischenspiel
ARS-Produktion 2022

 

 

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