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CD WONDROUS MACHINE – Harfenistin MARGRET KOELL mit Konzerten von G.F. Händel und Musik von James Oswald und Christof Dienz; Accent

01.12.2023 | cd

CD WONDROUS MACHINE – Harfenistin MARGRET KOELL mit Konzerten von G.F. Händel und Musik von James Oswald und Christof Dienz; Accent

Köstlich wie Zimtsoufflée, fein gewebt wie Brügger Spitze

gbn

Ohrwurmig beschwingt beginnt das Andante Allegro des Konzerts für Harfe, Laute, Lyrichord und anderen Instrumenten Op. 4 Nr. 6 HWV 294, von Georg Friedrich Händel, hier zu hören in einer selten aufgeführten Originalversion von 1736. Margret Koell, Solistin und musikalische Leiterin der Aufnahme, hat ein Konzept rund um zwei Barockkonzerte Händels entwickelt, die dem Instrument der walisischen Tripelharfe weiten Raum vom 18. bis ins 21. Jahrhundert gibt. Ihr spezifischer und so wandelbarer Klang als auch die spielerische Vielfalt sind eine Offenbarung.

Der Lautenist Michele Pasotti und der Instrumentenbauer Slawomir Zubrzycki auf seinem von ihm selbst nach Plänen Leonardo da Vincis rekonstruierten, auch als „Viola Organista“ bezeichneten Lyrichord alchemieren die Wirkung des Klangs der Harfe hin zu feenhaft geheimnisvoller Schönheit. Die klangliche Besonderheit des Lyrichords, einem Tasteninstrument analog dem Cembalo, liegt darin, dass die Saiten nicht mit einer Plektron Mechanik gezupft werden, sondern auf einem sich drehenden Rad aufliegen. Das Konstrukt, welches eine Streichbogentechnik ersetzt, folgt der Drehleiernlogik. „Diese Technik in Kombination mit einem Tasteninstrument ermöglicht das Spiel eines polyphonen Satzes. Eine Kurbel an einem Fußpedal dreht das Rad und produziert einen kontinuierlichen Ton. So kann er in die Länge gedehnt und gehalten werden.“ (Laura Kacl)

Was Koell im Vergleich zur ebenso virtuosen Kollegenschaft auszeichnet, ist neben der dynamischen Bandbreite ihrer Interpretation das seidenmattstoffige, sternenstaubdurchwirkte Glitzern des drei saitenreihigen Instruments (von Eric Kleinmann 2020 nach einer Harfe von David Evans aus dem Jahr 1736 nachgebaut – letzteres heute im Victoria & Albert Museum London befindlich) in Kombination mit einer markant akzentuierten Begleitung durch das einen ganzen Schwarm an atmosphärischen Licht- und Schattenwirkungen zum Fliegen bringende Ensemble Between the Strings.

Das zweite Konzert, G. F. Händels Orgelkonzert Op. 7 Nr. 1 HWV 306, wurde von Margret Koell und ihrem Ensemble für Harfe und Laute duftig und klangsinnlich arrangiert. Erklang Händels Concerto in Bb-Dur HWV 294 erstmals als Entr’acte anlässlich der Uraufführung des Oratoriums „Alexander‘s Feast“, so spielte das Concerto HWV 306 eine ähnliche Rolle bei der Uraufführung von Händels „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“.

Zwischen den beiden Konzerten ist James Oswalds ‚Ty on the Wars‘ aus „A Curious Collection of Scots Tunes“ zu hören. Dieser schottische Komponist des 18. Jahrhunderts verlieh Volksliedern seiner Heimat in den Bearbeitungen die Aura von britischer Kammermusik à la mode. Der reizvolle Einsatz von Flöten lässt besonders Oswalds Tanzsatz ‚Bonny Christie‘ und ‚My Nanio‘ nordische Luft atmen und herbe Landschaften Gestalt annehmen.

Bevor James Oswalds ‚There are few good fellows when Jamie’s awa‘ das Album schließt, ist noch Christof Dienz‘ ‚flapping its wings‘, ein Concertino für Tripelharfe, Lyrichord und Barockstreicher zu hören. Dem Tiroler Komponisten, Fagottisten und Zitherspieler Dienz ist mit dieser Komposition meine persönliche „wondrous machine“ geglückt.

Als eine Art Vergangenheit und Gegenwart verbindende Traumsequenz und formale Spiegelung eines barocken Concertos im Jetzt reflektiert dieses 2023 im Auftrag von Margret Koell entstandene Stück – musikalisch die Kontraste der Klangwirkung der Soloinstrumente wie der Streicher geschickt nutzend – die legendären Flugvisionen eines Leonardo da Vinci für den Menschen (Stichwort: Ornithopter=Schwingflügler) als auch die Philosophie der Schmetterlingseffekte. Da geht es um die Unvorhersehbarkeit der langfristigen Auswirkungen schon kleinster Verschiebungen auf ein Gesamtsystem (erdacht für die Meteorologie) im Sinne der berühmten Frage: Was kann ein Flügelschlag oder eine x-beliebige menschliche Handlung auslösen? Natürlich man kann sich an diesem wundersamen Stück abseits jeglicher gedanklicher Unterfütterung einfach als Muster kreativer Neudeutung der zeitgemäßen Möglichkeiten von Harfe und Viola Organista delektieren.

Fazit: Nach ihren Alben „L’arpa di Partenope“ und „L’arpa Barberini“ ist Margret Koell mit „wondrous machine“ ein weiteres Mal gelungen, die Harfe aus der romantisch-orchestralen Dekorfunktion herauszuschälen und die große Stimmungszauberin als überraschend vielfältig zu präsentieren. Ganz besonderes Interesse verdient das neue Stück von Christof Dienz. Ein Coup!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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