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CD WOLFGANG AMADEUS MOZART: Violinkonzerte Nr. 1 bis 5, ROBERTO GONZÁLEZ-MONJAS und das MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG; Berlin Classics

27.01.2026 | cd, dvd

CD WOLFGANG AMADEUS MOZART: Violinkonzerte Nr. 1 bis 5, ROBERTO GONZÁLEZ-MONJAS und das MOZARTEUMORCHESTER SALZBURG; Berlin Classics

Die schönste Neuerscheinung zum 270. Geburtstag des Salzburger Meisters

roberto

Ob der Anlass der Veröffentlichung die Mozartwoche 2026 oder das Jubiläum am 27.1.2026 ist, die Neuaufnahme der fünf Violinkonzerte von Mozart, KV, 207, 211, 216, 218 und 219 samt Rondo in B-Dur, KV 269, Adagio für Violine und Orchester in E-Dur, KV 261, und des Rondos für Violine und Orchester in C-Dur, KV 373, sind echte Meilensteine in der nicht knappen Mozart Diskografie. Dabei wäre Juwelen das richtigere und passendere Wort.

Der 36 Jahre junge spanische Musiker Roberto Gonzáles-Monjas ist seit der Saison 2024/25 Chefdirigent des Mozarteumorchesters Salzburg. Als mit allen Wassern gewaschener Geigenvirtuose fungierte Gonzáles-Monjas als Konzertmeister des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, des Philharmonia Orchestra London, des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin sowie von Les Musiciens du Louvre Grenoble.

Auf der vorliegenden Aufnahme wirkt Gonzáles-Monjas als Solist und musikalischer Leiter in Personalunion, wie dies auch Mozart selbst gerne tat. Mozart schrieb diese fünf Violinkonzerte im Zeitraum von 1773 bis 1776, also zwischen seinem 17. und 20. Lebensjahr. Experimentelle Neugier und die Lust am exaltiert-übermütigen Fabulieren auf dem Soloinstrument kennzeichnen die Fortentwicklung einer Gattung, die den Spielraum für Rede und Gegenrede, für atmosphärische Kontraste und unerwartete Überraschungsvolten ständig zu erweitern und zu vertiefen suchte.

Mozart war über die Möglichkeiten und Finessen der Violine nicht zuletzt über seinen Vater informiert, der mit seinem „Versuch einer gründlichen Violinschule“ ein Maßstab setzendes Unterrichtswerk schuf. Unendliche Inspirationen und die musikalische Bandbreite der Zeit wurden Mozart nicht zuletzt während seiner zahlreichen Auslandsreisen zuteil, die ihn bis nach Mannheim, Den Haag, Paris, London und natürlich nach Italien führten. Dort erfuhr und hörte Mozart, – wie dies Gonzáles-Monjas im Booklet ausführlich schildert – was an stratosphärischen Höhen, akrobatischen Doppelgriffen, Triolenfiguren und spektakulären Bariolagen in der zeitgenössischen Violinliteratur zu hören war.

Mozarts eminentes Vorbild in Sachen Violinkonzerte war der in Prag geborene Josef Mysliveček. Die Auslese laut Gonzáles-Monjas: „Der Einfluss des böhmischen Meisters zeigt sich auch in Mozarts späten Konzerten: Die Kopfsätze von KV 207, 216 und 218 und 219 teilen zentrale melodischer und rhythmische Merkmale mit Myslivečeks E- und F-Dur Konzerten; in beiden sind die zweiten Sätze opernhaft angelegt und viele Finali basieren auf Tänzen im Dreivierteltakt.“

Gonzáles-Monjas kann nicht nur bis ins kleinste Detail interessant und kurzweilig über Mozarts Violinkonzerte parlieren. Die Art, wie er in völliger Symbiose mit dem stets temperamentvollen und technisch hervorragenden Orchester in unendlich einfallsreichen Figuren einer passioniert-märchenhaften Raum- und Zeitreise gleich seine Violine singen, stürmisch loslegen, galant schmeicheln, fröhlich schwatzen, elegant tänzeln oder theatralisch angehaucht flirten kann, ist atemberaubend. In diesem Sinne sind mir die Interpretationen des dritten Violinkonzerts KV 216 (Allegro!) und des überschäumend-romanzensüßen, am Ende dudelsackartig-drehleiernden Vierten Violinkonzerts besonders ans Herz gewachsen.

Im fünften „Concerto Turchese“ KV 219 inkludierte Mozart der damaligen, politisch inspirierten Mode gemäß türkische Klänge in den letzten Satz. „Ein wilder Tanz bricht aus, begleitet von harten Akzenten und der unverwechselbaren Klangfarbe von col legno im Bassbereich, was zu einer der genialsten Episoden führt, die je für Violine und Orchester geschrieben wurden.“

Fazit: Welch wundersames Album an höchster Kunstfertigkeit bei locker frecher Bravour und kulinarischer Verfeinerung allererster Güte. Gonzáles-Monjas erzählt auf der Geige brillant-beseelt mit vibratoarmen, in der Tiefe üppigem Klang. Das beste Mozart Violinkonzertalbum überhaupt. Höchste Empfehlung!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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