CD WOLFGANG AMADEUS MOZART „THE BEGINNING AND THE END“ – Maxim Emelyanychev als Dirigent und Solist: Symphonie Nr. 1, KV 16, Klavierkonzert Nr. 23, KV 488 und Symphonie Nr. 41, KV 551 „Jupiter“; aparte

Vom achtjährigen Buben, der in diesem zarten Alter 1764 während des Londoner Aufenthalts der Mozarts auf der dreieinhalbjährigen Tour durch Westeuropa seine erste Symphonie in Es-Dur schrieb, bis zu des 32-Jährigen symphonischem Vermächtnis der Symphonie Nr. 41 in C-Dur, KV 551 reicht die Spanne dieses interessanten Albums. Obwohl die künstlerische Entwicklung zwischen den beiden Werken gigantisch ist, darf die Kunstfertigkeit und die kompositorische Raffinesse des jungen Mozart uneingeschränkt bewundert werden. Dazwischen interpretiert der in seiner Geburtsstadt Nischni Nowgorod und am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium bei Gennadi Roshdestvenski ausgebildete Maxim Emelyanychev selbst am Hammerklavier das Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur aus dem Jahr 1786.
Auch der junge Russe ist ein Frühentwickler und absolvierte sein Dirigentendebüt im Alter von nur 12 Jahren. Wie rasant sich seine Karriere entwickelt, ist an folgendem Debüt-Reigen abzulesen: In der Saison 2022/23 hat bzw. wird Maxim Emelyanychev seinen Einstand bei den Berliner Philharmonikern (fand am 27.-29.10.2022 mit einem reinem Mozart-Programm mit der frz. Sopranistin Sabine Devieilhe statt), der Tschechischen Philharmonie, dem New Japan Philharmonic, dem Osaka Kansai Philharmonic, dem Bergen Philharmonic, dem Helsinki Radio Symphony und dem Rotterdam Philharmonic (ge)geben.
Emelyanychev mag es bei Mozart temporeich, detailverliebt, spielerisch und sportlich dahin fliegend. Nicht der pastose Cinemascope-Sound ist es, den er pflegt, sondern das transparent Tänzelnde, das geheimnisumrankte Intime, die zärtliche Flüchtigkeit der Musik. Was die Tempi anlangt, so bewegt er sich mit Herbert Blomstedt (SO des BR) bei der „Jupiter Symphonie“ fast synchron. Beim Allegro vivace und dem Menuetto ist Blomstedt sogar einen Hauch flotter, bei den Sätzen zwei und vier ist es umgekehrt.
Das 2012 gegründete Spezialistenorchester für Alte Musik in gepflegter historischer Aufführungsmanier Il Pomo d’Oro, dem Maxim Emelyanychev seit 2016 musikalisch vorsteht, folgt den Intentionen des Chefs aufs Akribischste. Ein schlanker, vibratoarmer Streicherklang, scharf angerissene Akzente sowie ein insgesamt helles Klangbild bilden die Markenzeichen des Ensembles. Was den direkten Vergleich der Lesarten der Jupiter-Symphonie der letzten Aufnahme von Herbert Blomstedt (erscheint in neuer Kombination mit den Symphonien Nr. 39 und 40 im März 2023) und Emelyanychev anlangt, so überzeugt mich Blomstedt mit seiner im Gesamtaufbau stringenteren, abgründigeren, aber auch kontrastreicheren Interpretation persönlich mehr.
Als Solist am Hammerklavier (Conrad Graf 1823) ist Maxim Emelyanychev in seinem ureigensten Element und unwiderstehlich gut. Die räumlich und im Detail brillanten Aufnahmen entstanden vom 28. bis 30. Juni 2022 in der Kirche Notre-Dame du Liban, Paris.
Dr. Ingobert Waltenberger

