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CD: WOLFGANG AMADEUS MOZART: C-MOLL MESSE – Les Musiciens du Louvre, Mark Minkowski

05.07.2020 | cd

CD: WOLFGANG AMADEUS MOZART: C-MOLL MESSE – Les Musiciens du Louvre, Mark Minkowski

Wolfgang Amadeus Mozart: Messe KV 427 c-moll "Große Messe" (CD) – jpc

Zu den 626 im Köchel-Verzeichnis aufgeführten Werken Mozarts zählen 17 Messen und eine Toten-Messe. Aus seiner Wiener Zeit stammen nur das Requiem (1791) und die Große Messe in c-Moll KV 427 (1782). Beide Werke sind unvollendet geblieben und die Entstehungsgeschichte beider Werke ist unklar.

Kirchenmusik war, als Mozart die Komposition begann, schon länger nicht mehr gefragt: „Ich lebe in einem Land, wo die Musik kein gutes Schicksal hat“ und „Auch die feierlichste Messe darf nicht länger als eine Dreiviertelstunde dauern“, wie Mozart 1776 an den berühmten Padre Giovanni Batista Martini in Bologna schrieb.

Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach, bis 1771 Fürsterzbischof von Salzburg, war noch ein Monarch barocken Schlages: ein Mäzen der Künste und der Musik, der den jungen Mozart, der zu dieser Zeit schon einige kurze Messen vertont hatte, mit dem Titel des dritten Konzertmeisters ausstattete, damit dieser, solchermassen abgesichert, eine Studienreise nach Italien in Angriff nehmen konnte. Hieronymus Franz de Paula Josef Graf Colloredo von Waldsee und Mels, letzter regierender Fürsterzbischof des Fürsterzbistums Salzburg (bis zur Säkularisierung 1803) war ein Kleriker ganz anderen Schlags, Kind der Aufklärung. Kaiser Josephs II Einschränkungen der Kirchenmusik übernahm er sofort: sein Vater Rudolph Joseph Graf von Colloredo-Waldsee war seit 1745 war Reichsvizekanzler des Heiligen Römischen Reiches.

Am 8. Juni 1781 kündigte Mozart nach Auseinandersetzungen mit Fürsterzbischof Colloredo sein Salzburger Dienstverhältnis auf und liess sich in Wien nieder. Mit dem örtlichen Klerus hatte Mozart in Wien beruflich keinen Kontakt mehr.

Die Entstehung der Grossen Messe in c-Moll KV 427 liegt im Dunkeln. Georg Nikolaus Nissen zufolge, zweiter Ehemann Constanze Mozarts und einer der ersten Mozartbiographen, gehe die Entstehung auf einen Schwur Mozarts zurück, im Falle der glücklichen Geburt seines ersten Kindes – am 4. August 1782 hatte Mozart Constanze Weber im Stephansdom geehelicht – eine Messe zur Aufführung in Salzburg zu komponieren. Am 26. Oktober 1783 fand dann die Uraufführung in der nicht unter fürsterzbischöflicher Jurisdiktion stehenden Peterskirche statt.

Die Messe ist als Fragment überliefert: Mozart hatte nur die ersten beiden Teile der Messe fertiggestellt, was schön früh zu Vervollständigungsversuchen führte. Die erste kritische Ausgabe des Fragments legte H. C. Robbins Landon 1956 in der Edition Eulenburg vor. Die von Maestro Minkowski ausgewählte Fassung stammt von Helmut Eder, entstanden 1985 für Neue Mozart-Ausgabe.

Das Solistenquartett, Ana Maria Labin (Sopran I), Ambroisine Bré (Sopran II), Stanislas de Barbeyrac (Tenor) und Norman Patzke (Bass), der Ripieno Choir und Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski legen eine ungemein farbige, technisch perfekt exekutierte Aufnahme vor.

05.07.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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