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CD: WOLFGANG AMADEUS MOZART: BETULIA LIBERATA –  Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

05.01.2021 | cd

CD: WOLFGANG AMADEUS MOZART: BETULIA LIBERATA –  Les Talens Lyriques, Christophe Rousset

 Holofernes geköpft – Bethulien befreit – Achior zum Judentum übergetreten

La Betulia Liberata KV 118 - Rousset, C., Piau, S., les Talens Lyriques,  Mozart, Wolfgang Amadeus: Amazon.de: Musik

«Holofernes geköpft – Bethulien befreit – Achior zum Judentum übergetreten»: diese drei Stichworte beschreiben kurz und knapp die Handlung von Mozarts einzigem vollständigen Oratorium. Mozart erhielt den Auftrag als Vierzehnjähriger, als er mit seinem Vater auf dem Rückweg seiner ersten Italien-Reise war, von Don Giuseppe Ximenes, Prinz von Aragon, in Padua. «Betulia liberata», «Das befreite Bethulien», ist zusammen mit «Mitridate, re di Ponto», «Ascanio in Alba» und «Lucio Silla» eines jener Werke, das für Mozarts bereits in jungen Jahren erreichte künstlerische Reife als Komponist dramatischer Werke steht. Das Libretto zu «Betulia liberata» stammt von Pietro Metastasio und ist das fünfte seiner sieben in Wien geschriebenen Oratorienlibretti und wurde ungefähr 50 Mal vertont. Die erste Vertonung, von Georg Reutter, wurde am 8. April 1734 in Wien uraufgeführt. Weitere Vertonungen stammen unter Anderen von Niccolò Jommelli, Josef Mysliveček und Antonio Salieri. Mozarts Vertonung wurde zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt.

Les Talens Lyriques unter ihrem Gründer Christophe Rousset bieten eine perfekte Interpretation von Mozarts «azione sacra», seinem einzigen vollständigen Oratorium, und überzeugen in jeglicher Hinsicht. Rousset wählt ideale Tempi und akzentuiert, ohne zu übertreiben: die Lebendigkeit und der Farbenreichtum von Les Talens Lyriques dürfte unerreicht sein. Accentus (Einstudierung: Nikolaï Maslenko), der Chor der Aufnahme, ist dem Orchester und den Solisten ein Partner auf Augenhöhe und begeistert mit kompaktem Wohlklang.

Dem Label Aparte ist es gelungen, ein Ensemble fabelhafter Solisten zu versammeln. Sandrine Piau brilliert als Amital, Edle des Volkes Israel. Den in «Con troppa rea viltà» geforderten Ausdruck meistert sie gleichermassen perfekt, wie das technisch höchst anspruchsvolle «Quel nocchier che in gran procella» Amanda Forsythe singt Cabri und Carmi, die Führer des Volkes Israel. Die Mezzosopranistin Teresa Iervolino gibt eine überzeugende Giuditta. In «Parto inerme, e non pavento» begeistert sie mit wunderbaren Tiefen. Pablo Bemsch verströmt mit seinem leicht dunkel grundierten Tenor in der Rolle des Ozia, dem Gouverneur von Bethulien, puren Wohlklang. Nahuel Di Pierro gestaltet mit seinem erfrischend jugendlich klingenden Bass einen überzeugenden Achior, Prinz der Ammoniten.

Eine Aufnahme, die das Zeug zur Referenzaufnahme hat!

05.01.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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