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CD-Weltpremiere: FRANZ LACHNER – CATHARINA CORNARO – Große tragische Oper in vier Akten –

Ein Stück Münchner Operngeschichte“; cpo

02.06.2018 | cd

CD-Weltpremiere: FRANZ LACHNER – CATHARINA CORNARO – Große tragische Oper in vier Akten – „Ein Stück Münchner Operngeschichte“; cpo

 

Manche Freunde des italienischen Belkanto und der Diven Leyla Gencer und Monserrat Caballé werden Donizettis „Caterina Cornaro“ kennen. Von diesem Donizetti-Juwel rund um eine Liebesgeschichte mit der zypriotischen Königen Caterina Cornaro im Epizentrum gibt es drei exzellent gesungene live Mitschnitte vom 28.5.1972 (Gencer, Aragall, Bruson; Cillario aus Neapel), vom 10.7.1971 (Caballé, Carreras; Cillario aus der London Royal Festival Hall) und vom 25.11.1973 (Caballé, Aragall; Masini aus Paris). Alle drei sind/waren auf CD im Internet erhältlich. 

 

Franz Lachners Catharina Cornaro kannten bis zur Veröffentlichung dieses Mitschnitts des Bayerischen Rundfunks  Ende Mai 2018 höchstwahrscheinlich nämlich nur die wenigen Leute, die das Glück hatten, bei der der CD zugrunde liegenden live Aufführung im Prinzregententheater München am 14.10.2012 mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ralf Weikert dabei gewesen zu sein. Volker Tosta hat eigens für diese konzertante Aufführung eine neue Edition dieses Werks erstellt, das damit nun erstmals in gedruckter Form vorliegt. 

 

Lachner war vom Typus her ein komponierender Kapellmeister (Orchesterwerke, drei Opern, ein Requiem), stilistisch im Triangel deutsche Frühromantik, italienischer Belcanto und Klassizismus befangen. Die Errungenschaften der frühromantischen Meister Franz Schubert, Carl Maria von Weber, Louis Spohr und Heinrich Marschner haben hörbar Spuren in der die Streicher bevorzugenden Partitur hinterlassen. Die in deutscher Sprache gesungene „Grand Opéra“  besteht aus einer Ouvertüre, Arien samt auskomponierten Rezitativen, Chören, Orchesterzwischenspielen, Duetten, einem Terzett, einem Quartett und drei ausladenden Finali am Ende jeweils des ersten, zweiten und dritten Aktes.nDer vierte Akt, also das Ende der Oper, schließt mit dem Chor „Auf zum Sternenthrone schwingt sich sein Geist“. In den Solonummern orientiert sich Lachner an klassischen Formmodellen, da gibt es oft nach einem langsamen Teil einen emotional motivierten Tempowechsel, wie etwa in Catharinas großer Arie im 2. Akt, die mit einer effektvollen Stretta endet. 

 

Die große historische Oper Catharina Cornaro wurde am 3.12.1841 in München uraufgeführt, knappe drei Wochen später erlebt die auf demselben Libretto von Jules Henri Vernoy Marquis de Saint-Georges vertonte Oper „La reine de Chypre“ von Halévy in Paris ihre Erstaufführung. Die Oper hatte in München einen Riesenerfolg und wurde mehrfach neu inszeniert (zuletzt 1903). Für heutige Hörer symbolisiert sie die Umbruchstimmung im deutschen Musiktheater Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Catharina Cornaro handelt von einer venezianischen Adeligen (Kristiane Kaiser), die eigentlich ihren Venezianer Marco Venero (Daniel Kirch) liebt, aber aus Staatsräson gezwungen ist, den König von Zypern Jakob II von Lusignan (Mauro Peter) zu heiraten. Politik und Privates mischen sich hier wie in so vielen anderen ähnlich gestrickten Opern. Ein verloren geglaubtes Meisterwerk ist diese Catharina Cornaro von Lachner keineswegs, aber sie ist wegen der vielen im besten frühromantischen Geist gehaltenen Musik von Interesse. 

 

Von den sängerischen Leistungen ist an erster Stelle Kristiane Kaiser in der Titelpartie zu nennen, die mit prächtig lyrischem Sopran in ihren Arien und den Ensembles reüssiert. Hinreissend vermag es Frau Kaiser, die Klangfarben ihrer Stimme je nach emotionaler Anforderung raffiniert immer neu abzumischen, die Höhen blühen frei auf, auch an dramatischem Impetus fehlt es nicht.  Die Konkurrenten um die Gunst der angebetenen Catharina sind mit dem Wagnertenor Daniel Kirch (er wird 2018 in Chemnitz seine Rollendebüts als Siegfried in Siegfried und der Götterdämmerung absolvieren) sowie dem Schweizer Rising Star im lyrischen Tenorfach Mauro Peter erstklassig besetzt. Letzterer kann auch seine Erfahrungen im Liedgesang gewinnbringend in die Rollengestaltung einfließen lassen. Die „Politischen“ erfahren im balsamischen Bariton Simon Pauly (Andrea Cornaro, Edler von Venedig) einen wunderbaren, mit dem leider distonierenden und tremolierenden Bassbariton Christian Tschelebiew (Onofrio, venezianischer Senator) einen ziemlich enttäuschenden stimmlichen Statthalter auf Erden. Ralf Weikert versucht, aus der (von ihm mit Augenmaß gekürzten) Partitur die Funken zu schlagen, die da aufzutreiben sind. Mich erinnert vieles von der Atmosphäre her an Schuberts Fierrabras. Wer diese Art Musik mag, wird auch mit Lachners Catharina Cornaro ebenfalls glücklich werden.

 

Die Klangqualität liegt für den Bayerischen Rundfunk eher am unteren Ende der gewohnten Qualitätsskala. Orchester und Chor klingen bisweilen dumpf, dafür sind die Stimmen präsent und sehr natürlich abgebildet.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

 

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