CD W.A. MOZART Violinkonzerte Nr. 3-5, Gottfried von der Goltz, Freiburger Barockorchester; Kristian Bezuidenhout Hammerklavier; aparte

Im Herbst 1775 schrieb der 19-jährige Mozart die drei auf dem Album vorliegenden Violinkonzerte, also kurz nach der Zeit, wo er an Opern „La finta giardiniera und „Il re pastore“ gearbeitet hat. Die Durchlässigkeit und Querverweise, mit denen Mozart bei den verschiedenen Musikgattungen zugange war, zeigen sich besonders bei den handwerklich bemerkenswert gearbeiteten Stücken an der Schwelle zur Reifezeit.
Die Arien der Opera seria und der daraus entwickelte Konzerttypus sind es, die die Eigenart der drei Violinkonzerte ausmachen, wo der lustig schwatzende bis dramatisch kontrastierende Dialog zwischen Soloinstrument und Orchester mit vollendeter Geschmeidigkeit gestaltet ist. Die Ritormelle, die reich ornamentierten Begleitfiguren, die opernhafte Geste, die der Komponist dem Geiger überantwortet, all das ist zu unterhaltsamen Stücken amalgamiert, die ihre Qualität aus der Abfolge von temporeichen Abschnitten, zärtlichem cantabile und verspielten Rondo-Finali generieren.
Gottfried von der Goltz geht den Violinpart hochvirtuos und luftig an. Die Verzierungen und Triller sausen sauber und klar durch den Raum, seine technische Meisterschaft ist stupend. Das vibratoarme Spiel hört sich in den Andante-/Adagio-Sätzen bei aller Eleganz zuweilen gleichförmig und emotional distanziert an. Das Sangliche der Violine tritt bei diesem feingliedrig duftigen, aber so instrumental zelebrierten Vortrag in den Hintergrund. Man höre sich vergleichsweise die Einspielung mit der Lettin Baiba Skride (und dem Swedish Chambers Orchestra) an, wo ein Mehr an Farben und Stimmungen der Solostimme eine andere Konsistenz verleiht.
Das Freiburger Barockorchester spielt gewohnt temperamentvoll. Es ist eine Freude, diesem edlen Klangkörper, seinen kontrastreichen Reden und Widerreden zum Soloinstrument zu folgen. Kristian Bezuidenhout improvisiert dazu auf dem Pianoforte, während er das Orchester dirigiert.
Fazit: Differenziert, kenntnis- und detailreich musiziert, ein vollmundigerer, weniger formaler Klang des Soloinstruments ist mir persönlich lieber. Am Ende sind das aber bloße Geschmacksfragen. Also durchaus eine Empfehlung wert. Meine bevorzugten Tracks: 3 und 7.
Dr. Ingobert Waltenberger

