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CD „VIOLIN ON STAGE“ – BOMSORIs erstes Soloalbum bei der Deutschen Grammophon

Achtung Zuckerschock

08.08.2021 | cd

CD „VIOLIN ON STAGE“ – BOMSORIs erstes Soloalbum bei der Deutschen Grammophon

 

Achtung Zuckerschock

 

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Bomsori Kim, koreanische Spitzenakrobatin auf der Geige, Olympinikin aller Spieltechniken, hat einen Exklusivvertrag mit dem Gelblabel geschlossen. Ihre erste Zusammenarbeit mit der Deutschen Grammophon war ein Sonatenalbum mit Rafal Blechacz (Faure, Debussy, Szymanowski, Chopin), erschienen 2019. Nun folgt ihr erstes Soloalbum, das Stücken aus der Welt der Oper gilt. Mit teils selbst arrangierten Nummern, wie dies große Geigenlegenden wie Sascha Heifetz oder Nathan Milstein vor ihr taten. 

 

Sie huldigt auch mit „Violin on Stage“ ihrem Glücksbringer Henryk Wieniawski, mit dessen Musik sie beim Wettbewerb Wieniawski 2016 ihren großen Durchbruch feierte. Die Musik des polnischen Komponisten ist mit drei Stücken vertreten: „Polonaise brillante“ Nr. 1 in D-Dur, Op. 4, „Légende“ in g-Moll sowie „Fantaisie brillante sur des motifs de l‘opéra Faust de Gounod“, Op. 20. Bei Warner hat die Geigerin schon zuvor ein exzellentes Album mit Violinkonzerten veröffentlicht, bei dem neben dem romantischen zweiten Wieniawski-Konzert in d-Moll, Op. 22 das erste Violinkonzert von Shostakovich auf dem Programm stand. Eine reizvolle Kombination. 

 

Nun legt sie mit „Violin on Stage“ ein reines Virtuosenprogramm alter Schule vor. Ja es ist richtig, dass einige Geiger vor allem für den Zugabenteil ihrer Konzerte (sog. „Encores“) alles Mögliche und Unmögliche zu mundgerechtem Virtuosenfutter arrangierten. Wohl zu dem einzigen Zweck, ihre Kunstfertigkeit zu demonstrieren, damit zu unterhalten und wohl auch gezielt den Applaus in der Zielgeraden eines Konzerts anzutreiben.

 

Solche Encore-Alben waren aber stets nur ein Beiprodukt, wenn damit ins Tonstudio gegangen wurde. Schließlich wollen auch die Radio-Sonntagsnachmittags-Wunschprogramme mit leicht Verdaulichem und die Kasse der Verlage gefüllt werden. Alles legitim. Warum allerdings Bomsori mit den Arrangements eines „Pas de deux“ aus dem Ballett „Nussknacker“ (Einrichtung von Michael Rot), dem „Tanz der Seligen Geister“ aus Glucks „Orfeo ed Euridice“ und vor allem der vor Kitsch triefenden „Méditation“ aus der Oper „Thais“ von Jules Massenet nur Säuslerisch-Sentimentales bedient, ist mir ein Rätsel. In diesselbe Kerbe schlägt auch das ölige Michael Rot Arrangement der Arie „Mon coeur s‘ouvre á ta voix“ aus der Oper „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns. Dazu kommt die geschmäcklerische Carmen-Fantasy von Franz Waxmann, bei deren Ende wenigstens wirklich atemberaubende Seilsprünge an Geigenspiel vorgeführt werden können.   

 

Begleitet wird die junge Geigerin vom NFM Wrocław Philharmonic Orchester unter der Stabführung von Chefdirigent Giancarlo Guerrero. Das Album erschien zu Bomsoris großer Tour in Korea und den Festivals in Rheingau und Gstaad beim Menuhin Festival, bei denen sie diesen Sommer auftritt.

 

Fazit: Außer den Weniawski-Stücken bekommt der Hörer lediglich eine Ansammlung an musikalisch überzuckertem Schlagobers serviert. Nur für diejenigen, denen das schmeckt, zu empfehlen. Auf ein Soloalbum mit künstlerischem Anspruch werden wir also noch warten müssen. 

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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