Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

CD: VIOLIN CONCERTO NO. 22 • CHERUBINI: SYMPHONY in D MAJOR • Nuova Orchestra Ferruccio Busoni, Massimo Belli

06.03.2024 | cd

VIOLIN CONCERTO NO. 22 • CHERUBINI: SYMPHONY in D MAJOR • Nuova Orchestra Ferruccio Busoni, Massimo Belli

Faszinierende Musik

viop

Die Einspielung des Konzerts Nr. 22 für Violine und Orchester in a-Moll G 97 (1793–95) von Giovanni Battista Viotti (1755–1824) und Sinfonie in D-Dur (1815) von Luigi Maria Cherubini (1760–1842) zum 55jährigen Jubiläum des «Nuova orchestra Ferruccio Busoni». Aufgezeichnet wurde die Einspielung in der Abteikirche von Rosazzo in der Provinz Udine am 5. und 6. Oktober 2021.

Das Kammerorchester „Ferruccio Busoni“ (Nuova orchestra Ferruccio Busoni) wurde 1965 von Aldo Belli als eines der ersten im Nachkriegs-Italien entstandenen Kammerorchester gegründet. Das Kammerorchester ist Gründer und Träger des seit 21 Jahren bestehenden Festivals «Mattinate Musicali Internazionali».

Giovanni Battista Viotti (* 12. Mai 1755, † 3. März 1824) war ein italienischer Violinist und Komponist. Er gilt als einer der Väter der modernen Violintechnik und ist heute trotzdem weitgehend vergessen. Zu Lebzeiten war Viotti berühmter und gefeierter als viel grosse Namen seiner Zeit und verfolgte eine europaweite, internationale Karriere. 1775 wurde Viotti Mitglied der Königlichen Kapelle in Turin. Von 1780 bis 1782 tourte er mit seinem Lehrer Gaetano Pugnani durch Europa. Viotti trennte sich in St. Petersburg von seinem Lehrer und lebte dann in Paris,  er am 17. März 1782 sein Debüt bei den «Concerts spirituels» gab. Zum Verhängnis wurden ihm die Umstände der Zeit, konkret die Französische Revolution: von 1789 bis Juni 1792 zusammen mit Cherubini Opernimpresario am Théâtre de Monsieur und am Théâtre Feydeau und Hof-Musiker Marie Antoinettes musste er 1792 nach London fliehen. Bis zum Ende der Umwälzungen lebte Viotti teils inkognito in England und Deutschland. Nach der Restauration 1818 kehrte Viotti nach Paris zurück und war von 1818-1821 Direktor der Grand Opéra de Paris und in der Führung des Théâtre-Italien. 1824 starb er in London. Am bekanntesten wurde Viottis 22. Violinkonzert in a-Moll, das Johannes Brahms in seinem Doppelkonzert in a-Moll op. 102 zitierte. Der mit Brahms befreundete Violinist und Komponist Joseph Joachim schrieb für dieses Konzert Viottis Kadenzen, die auch heute noch gespielt werden.

Die Musik von Viottis Violinkonzert in a-Moll zeichnet sich durch eine feine, elegante, fast romantische «Süsse» kombiniert mit streng klassischen Momenten à la Gluck aus. Für den zweiten Satz nimmt Dirigent Massimo Belli die Bezeichnung «Adagio» sehr genau: Hier läuft die Süsse immer wieder Gefahr penetrant zu werden. In den beiden anderen Sätzen («Moderato» und «Agitato assai») ist die Tempowahl deutlich stimmiger. Das Nuova Orchestra Ferruccio Busoni spielt mit ausgesprochen kompaktem Klang, Massimo Quarta das Solo virtuos auf einer sehr hell klingenden Violine.

Luigi Carlo Zenobio Salvatore Maria Cherubini (* 14. September 1760; † 15. März 1842) war ein in Frankreich naturalisierter italienischer Komponist., ähnlich wie gut 100 Jahre zuvor Jean-Baptiste Lully. Mit Ankunft der überschäumend lebhaften Opern Rossinis in Paris gerieten die seinigen wie auch jene von Spontini und Gluck wegen ihrer klassizistischen Strenge aus der Mode. Mit nachlassendem Erfolg der Opern wandte sich Cherubini der Kirchenmusik zu: neben seiner durch Maria Callas wiederbelebten «Medée» ist er heute vor allem für seine beiden Requien bekannt. Die Sinfonie in D-Dur von Luigi Cherubini wurde 1815 als Auftragswerk der kurz zuvor von Giovanni Battista Viotti mitbegründeten Royal Philharmonic Society komponiert und blieb Cherubinis einzige Sinfonie.

Cherubinis Sinfonie tönt deutlich konservativer als Viottis Violinkonzert. Auch hier überzeugt das Nuova Orchestra Ferruccio Busoni trotz der wieder sehr exakten Interpretation des «Larghetto cantabile» (2. Satz) mit harmonischem, kompaktem Klang

Faszinierende Musik!

06.03.2024, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken