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CD VATROSLAV LISINSKI: KRESIMIR STRAZANAC singt Deutsche Lieder; hänssler classic

08.07.2026 | cd

CD VATROSLAV LISINSKI: KRESIMIR STRAZANAC singt Deutsche Lieder; hänssler classic

Weltersteinspielungen voller romantischer Inbrunst und erzählerischer Dringlichkeit

kres

Ein findiger Wünschelrutengänger ist er, auf der Suche nach verborgenen Liedquellen. Der Bariton Krešimir Stražanac sorgte bei hänssler classic mit seinem Pioniergeist bereits trefflich für Furore. Als Weltpremiere hatte der an große und größte Liedkunst anknüpfende Sänger nämlich bereits ein großartiges Doppelalbum mit Liedern von Blagoje Bersa herausgebracht. Der Komponist gilt als Vertreter der kroatischen musikalischen Moderne Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. bis 1920.

Jetzt legt er mit einem Album mit unbekannten deutschsprachigen Liedern des Ignaz Fuchs alias Vatroslav Lisinski nach. Im Karst der Musikgeschichte ist die Musik des Frühromantikers versickert. Zumindest erinnert die Vratoslav-Lisinski-Konzerthalle in Zagreb an diesen Komponisten mit einem wahrlich bewegten und bewegenden Schicksal.

Vatroslav Lisinski war ein kroatischer Dirigent und Komponist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er schrieb Opern, Instrumentalmusik, Klavierstücke, Lieder in kroatischer, tschechischer, slowakischer und deutscher Sprache sowie Chöre. Als Spross einer deutschsprachigen jüdischen kroatischen Familie setzte sich Lisinski im Rahmen der sogenannten „illyrischen Bewegung“ für einen nationalkroatischen Musikstil ein. Mit diesem Bekenntnis kroatisierte der Künstler seinen ursprünglichen Namen Ignaz Fuchs. Als Musiker war der gelernte Jurist und Philosoph ein Spätstarter. Aufgrund eines Unfalls erlitt Lisinki eine körperliche Beeinträchtigung, von der er sich nie erholen sollte. Er lebte in Zagreb und Prag. Arm war er und bescheiden. Als nur 35-Jähriger ereilte ihn 1854 der allzu frühe Tod.

Wenn man sich die Kunstlieder Lisinskis anhört, so entstammen sie stilistisch ganz eindeutig einer biedermeierlich bürgerlichen Hausmusiktradition, wie wir sie von Franz Schubert kennen. Romantische Kleinoden, Lyrisches und Balladen voller Herz-Schmerz, emotionaler Unruhe, Passion, Liebesgeflüster, Naturschilderungen, Vergänglichkeit von Glück, Abschied und Tod sind die Ingredienzien einer ausgefeilten Liedgestaltung, die auch dem Klavier einen eigenständig expressiven, die seelischen Dispositionen des Erzählers vertiefenden Interpretationsraum zuerkennt. Die Mehrzahl der hier von Krešimir Stražanac und seinem Begleiter Krešimir Starčević aufgenommenen Lieder entstanden 1846 und danach.

Die Parallelen zu Franz Schubert liegen neben den wunderschön ergreifenden, an melodischen Einfällen und harmonisch atmosphärischen Wendungen reichen Liedern auch in einer schwierigen, von Krankheit und Zweifeln geprägten Biografie des Vatroslav Lisinski. Die zwingende und entwaffnende Intensität seiner Lieder legt davon ein beredtes Zeugnis ab.

Lisinski ist ein Meister onomatopoetischer Klangmalereien und rhythmisch markanter Artikulation. Der Komponist verlangt seinen Interpreten einiges ab: Das zeigt sich besonders an „Die Botschaft“, einer durchkomponierten Ballade, in der fiebrig das unstete Hin und Her der unsicheren Annäherung an die Geliebte und der Furcht vor dem Zuviel oder Zuwenig an Gefühlsäußerung für eine bewegte Gesangslinie und eine Hochschaubahn an Stimmungen sorgt.

Krešimir Stražanac schlüpft, aufbauend auf einer präzisen Wort-Tondurchdringung und eine dynamisch feinst abgestufte Phrasierung, in jeder Sekunde seines Vortrags mit Haut und Haar in die jeweiligen lyrischen Subjekte. Deren vielfältige Emotionen macht er sich erzählerisch völlig zu eigen, ohne je einen deklamatorischen Überhang zu strapazieren. Die Schönheit der Gesangslinie, das Poetische der Kompositionen kommen bei Stražanacs Liederkundungen ebenso stets zu ihrem Recht.

Erstaunlich und erfreulich ist – wie schon anhand des Albums mit Liedern von Blagoje Bersa festzustellen war – wie sehr vokale Linien, die sängerische Qualität und pianistische Einfühlung des Krešimir Starčević zu einer höheren untrennbaren Einheit verschmelzen.

Anmerkung: In den Liedern „Die Botschaft“, „Der Zufluchtsort“ tritt Lisinski auch als Dichter der vertonten Verse in Erscheinung. Die Mehrzahl der 18 aufgenommenen Lieder schrieb Lisinski auf Texte anonymer Poeten. Zwei Lieder („Lebewohl“ und „Abreise“) basieren auf Texten von Ludwig Uhland, „An die Tanne“ baut auf ein Gedicht aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“.

Fazit: Ein Album zum Entdecken, zum Weinen, zum Träumen (nicht nur nach einem Kroatien Urlaub) oder einfach zum Genießen einer reichhaltig timbrierten jungen Baritonstimme.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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