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CD: VALER SABADUS: BACH/TELEMANN ARIAS – Kammerorchester Basel, Julia Schröder

06.02.2021 | cd

CD: VALER SABADUS: BACH/TELEMANN ARIAS – Kammerorchester Basel, Julia Schröder

Pures Vergnügen!

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Johann Sebastian Bach (1685–1750) und Georg Philipp Telemann (1681–1767) lebten fast gleichzeitig und pflegten eine innige Freundschaft, ähnlich Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart. Kennengelernt hatten sich die beiden Komponisten, als sie zur selben Zeit in nur 80 Kilometern Entfernung an zwei Fürstenhöfen wirkten: Telemann als Hofkapellmeister in Eisenach (1708–1712), Bach als Organist, Konzertmeister und kommissarischer Hofkapellmeister in Weimar (1708–1717). Auf der CD «Bach/Telemann Arias» lassen der Countertenor Valer Sabadus und das Kammerorchester Basel unter Leitung von Christina Schröder Arien aus drei Bühnenwerken Telemanns mit Werken seines Freundes Johann Sebastian Bach in Kontakt treten.

Mit mehreren tausend überlieferten Werken ist Georg Philipp Telemann (1681–1767) einer der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. Seine Zeitgenossen schätzten nicht nur seinen feinen Geist, sondern auch die unterschiedliche Nationalstile und Volksmusikzitate kunstvoll miteinander zu verschmelzen und daraus etwas Neues zu entwickeln: den sogenannten «vermischten Geschmack», der auch Telemanns Bühnenschaffen prägte. Telemann wirkte ab 1721 in Hamburg und übernahm 1722 die Leitung des Theaters am Gänsemarkt. Zu Lebzeiten hochgeschätzt (Johann Mattheson: «Ein Lully wird gerühmt; Corelli lässt sich loben; nur Telemann allein ist übers Lob erhoben»), geriet sein Werk nach seinem Tode rasch in Vergessenheit. Mit Dirigenten wie Frans Brüggen, Gustav Leonhardt oder Nikolaus Harnoncourt begann im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts eine Telemann-Renaissance.

Im Juli 1722 erlebte das Singspiel «Sieg der Schönheit oder Gensericus» (TWV 21:10) über Einnahme Roms durch die Vandalen unter Geiserich (Gensericus) im Jahr 455 seine Uraufführung. Auf der Aufnahme sind die beiden Arien «Wo ist das Ende meiner Plagen… Zeige dich, geliebter Schatten» und «Ich fliehe Dich, vergallte Liebeslust… Lass in Augen Feuer blitzen» des Honoricus vertreten. Die Arie «Hò disarmato il fianco» stammt aus «Flavius Bertaridus» (TWV 21:27), der einzigen Opera seria Telemanns, von der nur die Uraufführung am 23. November 1729 dokumentiert ist. Die enorm hohen Anforderungen an den Sänger des Bertarido lassen erahnen, welch exzellente Virtuosen damals in Hamburg sangen. Die Arie «“Mein Feind frohlockt ob meinem Schmerz… Eifersucht, du Kind der Höllen» stammt aus dem Singspiel «Miriways» (TWV 21:24), komponiert für ein mit zwei Jagdhörnern, zwei Traversflöten, zwei Oben, zwei Oboen d’amore, Streichern und Basso continuo luxuriös besetztes Orchester.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) ist mit fünf Arien aus geistlichen Werken vertreten: «Ich habe genug» aus der Kantate «Ich habe genug», BWV 82:a (Fassung für Sopran), «Laudamus te» Arie aus der «Messe in h-Moll» (BWV 232), «Vergnügte Ruh’, beliebte Seelenlust» aus der Kantate «Vergnügte Ruh’, beliebte Seelenlust» BWV 170, «Schlafe mein Liebster» aus der Kantate «Lasst uns sorgen, lasst uns wachen» (BWV 213) und «Et exsultavit spiritus meus» aus dem «Magnificat D-Dur» (BWV 243).

Valer Sabadus begeistert mit seiner glasklaren, immer gefühlvollen Stimme mit mustergültiger Virtuosität und Verständlichkeit. Ob Dramatik oder Lyrik, jeder Affekt gelingt Sabadus in eindrücklicher Art und Weise und Natürlichkeit.

Das Kammerorchester Basel unter Leitung von Christina Schröder ist Sabadus ein absolut würdiger Begleiter und begeistert mit seinen fabelhaften Solisten und dem frischen, saftigen Klang des Kollektivs.

Auf der Silberscheibe ist auch ein Instrumentalwerk Bachs vertreten: das Konzert E-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo (Allegro, Adagio, Allegro assai; BWV 1042). Das Werk ist nur in einer Abschrift aus dem Jahr 1760 überliefert, entstanden sein dürfte es in Bachs Köthener Zeit als er Fürst Leopold von Anhalt-Köthen als Hofkapellmeister diente und sich ab etwa 1713 mit dem Schaffen Vivaldis zu befassen begann. Die Solistin Julia Schröder begeistert mit ihrem zarten, elegischen und virtuosen Spiel. Das Kammerorchester Basel läuft zu grosser Form mit enthusiasmierender Vitalität und kernigem Klang auf.

Pures Vergnügen!

05.02.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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