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CD: TRYPTICHON mit Iveta Apkalna (3 CD-Box)

12.08.2021 | cd

Triptychon Iveta Apkalna

Mit großem Weltatem

Neue CD’s mit der Organistin Iveta Apkalna bei Berlin Classics erschienen/

Musik-CD Triptychon / Apkalna,Iveta, (3 CD)

Mit „Triptychon“ in einer 3-CD-Box spannt Iveta Apkalna einen gewaltigen Bogen über drei Jahrhunderte. Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Peteris Vasks erklingen hier an der von ihr mitentwickelten Orgel der Konzertkirche in Neubrandenburg. Mit drei Werken ihres Landsmanns und persönlichen Freundes beginnt Iveta Apkalna diesen besonderen Zyklus. Er ist neben Arvo Pärt der am meisten gespielte Komponist des  Baltikums. Lettland sei Peteris Vasks und Peteris Vasks sei Lettland, so Apkalna. In seiner Musik höre sie die Landschaft Lettlands, den weiten Horizont des flachen Landes, die Wiesen und Wälder, Vogelstimmen und das Meer. Peteris Vasks wäre sicher ein sehr lettischer Charakter, verfüge aber auch über einen „Weltatem“.  Viel von diesem großen Weltatem ist auf der bemerkenswerten CD-Einspielung zu spüren. „Sonst würden die Menschen auf der ganzen Welt nicht seine Musik lieben“, ergänzt Iveta Apkalna. Die drei Werke „Hymnus“, „Balta ainava“ und „Musica seria“ ergänzen sich gegenseitig. So scheint die erfrischende Hymne an den Frühling die „Weiße Landschaft“ mit ihrem improvisationsartigen Charakter zu bereichern. Markanter und kraftvoller wirkt dagegen die „Musica seria“, die einen politischen Hintergrund hat und den Kampf der baltischen Staaten um ihre Unabhängigkeit schildert. Eine zentrale Rolle spielt bei dieser weiträumigen Aufnahme aber auch Johann Sebastian Bach. Dessen Toccata, Adagio und  Fuge in C-Dur BWV 564, die Triosonate BWV 527 und die sechs Schübler-Choräle würden mit ihren persönlichen Motiven eine große Rolle spielen. Es sei wirklich ein Phänomen, so Iveta Apkalna. Die Musik Bachs berühre jeden, wirklich jeden, und hinterlasse Spuren im Leben von jedem Menschen, auch bei denen, die normalerweise gar nichts mit Musik zu tun hätten. Vor allem die Bewegung des thematischen Linienspiels sticht bei dieser Interpretation reizvoll hervor.  Auffallend ist hier in jedem Fall die Offenlegung der facettenreichen kontrapunktischen Verknüpfung, und auch die langausgesponnenen Themen erhalten ein großes Gewicht.

Ein klanglich opulenter Höhepunkt dieser CD-Aufnahmen sind in jedem Fall die monumentalen Werke von Franz Liszt, die Iveta Apkalna transparent und dynamisch ausgewogen interpretiert. Präludium und Fuge über den Namen BACH erklingt hier mit markanten Ostinato-Akzenten und einem durchaus dramatisch interpretierten Fugenthema. Zwischen diesen zupackenden Momenten erfasst die Solistin die harmonische Durchsichtigkeit aber immer wieder mit feinen ornamentalen Figurationen und leidenschaftlicher spieltechnischer Beweglichkeit. Das thematische Material wird auf diese sensible Weise gleichsam seziert. Einen ähnlich bewegenden Eindruck vermittelt Liszts Choralbearbeitung „Nun danket alle Gott“, wo die geheimnisvollen Cantus-firmus-Effekte hervorblitzen. Zum Abschluss interpretiert Iveta Apkalna noch Franz Liszts gewaltige Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“, wo deutlich wird, mit welcher unglaublichen Geschicklichkeit Liszt hier sein Virtuosentum  mit traditionellen Werten zu verbinden versteht. Liszts glühender Enthusiasmus für den christlichen Sozialismus spiegelt sich in diesen anspruchsvollen Kompositionen wider, denen die lettische Organistin stets eine persönliche Note verleiht. 

Alexander Walther

 

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