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CD „TRIUMVIRAT“ JULIANE LAAKE & Ensemble Art D‘Echo spielen Gambenmusik vom Johann Schenk, August Kühnel und Conrad Höffler, QUERSTAND

15.09.2019 | cd

CD „TRIUMVIRAT“ JULIANE LAAKE & Ensemble Art D‘Echo spielen Gambenmusik vom Johann Schenk, August Kühnel und Conrad Höffler, QUERSTAND


Nein, Schenk, Kühnel & Höffler ist nicht die neue Trendmarke von Schokolade mit mindestens 70% Kakaoanteil, rotem Pfeffer, Ingwer und karamelisierten Orangenzesten. Dieses Triumvirat tritt auf der neuen CD vielmehr den überzeugenden Beweis dafür an, dass nicht nur Engländer und Franzosen famose Musik für Gambe zu schreiben vermochten, sondern auch die Deutschen, allerdings mit etwas Verspätung gegen Ende des 17. Jahrhunderts zu und an weniger gloriosen Höfen als demjenigen Ludwig XIV.

Außerhalb des übermächtigen Fahrwassers von Marin Marais (der Film “Die siebente Saite”, im Original “Tous les Matins du monde “ von Alain Corneau mit Gerard Depardieu setzte der Barockmusik des 17. Jahrhunderts als auch dem Gambisten Marin Marais ein faszinierendes Denkmal) und Antoine Forqueray entstanden somit auch an kleineren deutschen Höfen Kompositionen, die es durchaus mit den Werken berühmterer Namen aus Frankreich aufnehmen können. So wirkte Conrad Höffler 20 Jahre lang am Hofe des Herzogs von Sachsen-Weißenfels, August Kühnel verbrachte eine ähnlich lange Zeitspanne am Hof zu Sachsen-Zeitz und Johann Schenck edelte als Gambist das musikalische Leben am Hof des Kurfürsten von der Pfalz Johann Wilhelm.


Auf dem vorliegenden Album werde diese drei Komponisten von Juliane Laake vor den roten Vorhang gebeten. In Zusammenarbeit mit ihrem Ensemble Art d‘Echo (Johannes Gontarski Laute, Carsten Lohff Cembalo, Júlia Vetö Viola da Gamba) eröffnet sich eine eigene völlig neue Welt ungeahnter Harmonien, unbändig verzierter melodischer Linien, höfisch feinsinniger Lebenslust.


Das Album entfaltet den gesamten weit gespannten Fächer an technischen Finten und vertrackten Kühnheiten, die diesem sechssaitigen historischen Streichinstrument abgeluchst werden können. Die drei tonsetzende Gambisten sind mit drei, zwei bzw. einer Komposition vertreten. Johann Schenck mit der „Ouverture 66“ aus der Suite IX, der „Sonata 4 solo“ sowie der Sonata I, August Kühnel mit der Sonata II á 2 Viole da Gamba und der Partita XIII sowie Conrad Höffler mit der Suite I.


Gambenmusik, in dieser Sonnenlicht leuchtenden Qualität vorgetragen, lässt den Hörer das Dasein entschleunigt wahrnehmen, ihn in eine gelassen allen weltlichen Erregungen abholde arkadische Musiklandschaft tauchen. Julian Laake lässt als Grande Dame der Viola da Gamba mit ihrem Spiel allen Zauber versunkener Partituren wieder aufleben. Heben wir doch gemeinsam diesen Schatz. Der Hörer braucht hier nichts anderes zu tun, als den CD-Player zu betätigen und sich auf diese wahrhaftig daseinsbejahenden Kammermusiken einzulassen.


Dr. Ingobert Waltenberger

 

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