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CD TRIO KARÉNINE spielen Klaviertrios von SHOSTAKOVICH, DVORAK und WEINBERG, MIRARE

01.11.2019 | cd

 

CD TRIO KARÉNINE spielen Klaviertrios von SHOSTAKOVICH, DVORAK und WEINBERG, MIRARE

 

Diese drei ungemein musikalischen Musiker aus Frankreich, die ihr Ensemble nach einem Roman von Tolstoi benannt haben, beweisen in der neuen CD ein glühendes Feeling für slawisches Flair und wie die Namensgeberin des Trios Anna Karenina Mut, Leidenschaft und eine (düstere) Leuchtkraft in ihrem von existenzieller Tiefe getragenen Spiel. 

 

Das Album bietet russisches, tschechisches und polnisch/sowjetisches Repertoire: Das frühe, noch ganz der Romantik verpflichtete einsätzige Klaviertrio Nr. 1 in c-Moll Op. 8 des kaum zwanzigjährigen  Dmitri Shostakovich, das berühmte „Dumky“ Trio in e-Moll Op. 90 von Antonín Dvořák und das erschütternde Klaviertrio in a-Moll Op. 24 von Mieczyslaw Weinberg.

 

Dem Trio Karénine (Fanny Robillard Violine, Louis Rodde Cello und Paloma Kouider Klavier) gelingt der schwierige Spagat, im 1923 entstandenen Klaviertrio von Shostakovich postromantische Schwärmerei – der Komponist war gerade in Tatjana Gliwenko verliebt – mit den schon typisch für Shostakovich Stil hämmernden Rhythmen zu einer rundum packenden Interpretation zu verbinden, die Vergangenheit lyrisch abschiedsvoll verklärt und wo die Zukunft schon mächtig an die Tür klopft. Das Werk war als Begleitmusik zu einem Stummfilm gedacht, das der jungen Sowjetunion modernsten Kunstwillen attestieren sollte. 

 

Die Dvoraks Trio in e-Moll zugrunde liegenden sechs ,Dumky‘ (das sind ukrainische Tänze, die das innere Wolkentreiben selbstbezogen reflektieren), spiegeln die unterschiedlichsten Gemütsverfassungen von melancholischer Grübelei bis hin zu ausgelassenster Freude wieder. Das Trio Karénine reizt die dynamischen Kontraste dieses Reigens voller Elan tonmalend aus (beispielhaft im ,Lento maestoso‘). Zwischen hochfliegender poetischer Deklamation und deftig bodenständiger Lebenslust oszilliert das klangliche Portfolio des stets elegant, bisweilen nonchalant phrasierendes Trios.   

 

Weinberg vollendete sein Trio in a-Moll Op. 24 im Jahr 1945. Der Schmerz über den Verlust seiner gesamten Familie in den Konzentrationslagern Polens, aber auch Einflüsse von Shostakovich‘ avantgardistischer Klangsprache geben den inhaltlich-künstlerischen Rahmen der tragischen Faktur des von Krieg und den Gräueln des Nationalsozialismus durchtränkten Werks. Volksmusikalische Einflüsse und motorisch rhythmisches Aufbäumen, eine „progressive Zunahme der Spannungen“, kontrapunktische Einschübe, sarkastische Verzerrungen, meditatives Innehalten und ein finaler Choral im Bass des Klavierparts sind die Ingredienzien dieser vom Trio Karénine in allen Extremen ausgeloteten Kammermusik. Ein kleiner Schimmer von Trost im dunklen Fahrwasser der Geschichte machen dieses Trio zu einer Schlüsselkomposition des 20. Jahrhunderts.

 

CD-Tipp: Trio Karénine mit französischen Klaviertrios von Fauré, Ravel und Tailleferre.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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