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CD: Tondichtungen von Richard Strauss mit dem Orchester der Oper Zürich / Naxos

18.08.2026 | cd

CD: Tondichtungen von Richard Strauss mit dem Orchester der Oper Zürich / Naxos

Vielschichtiges Klangbild

mazu

Der italienische Dirigent und Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich Gianandrea Noseda wartet mit dem opulent musizierenden Orchester der Oper Zürich mit einem spannungsvollen Klangbild auf. Am naturgetreuesten illustriert der große Orchestermagier Richard Strauss seine Tondichtung „Don Quixote“ op. 35. Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ nimmt hier einen sehr präzis gezeichneten Platz ein, dessen Charakterisierungsreichtum den Hörer unmittelbar fesselt. Sichtbares wird hier hörbar gemacht, virtuoseste Instrumentationskunst blitzt verheißungsvoll auf. Der an der Wirklichkeit gescheiterte Idealist nimmt klare Formen an. So sichert der Komponist dieser tragischen Gestalt am Ende ehrliches Mitgefühl. Schon bei der Einleitung entfaltet sich das Wesen des Don Quixote ganz unmittelbar. Überall wittert er Ungeheuer, Widersacher und in Gefangenschaft schmachtende schöne Damen. Zeichnet Strauss hier eine bedauernswerte Leseratte, die sich als Ritter fühlt? Man hat manchmal keinen Zweifel daran. Die unzähligen Abwandlungen des Themas und das treffliche Charakterbild dieses Helden blitzen immer wieder glutvoll auf! Sancho Pansa erscheint als bäuerlich-einfältiges Gegenstück seines Herrn. Auch dieses Thema besteht bei Noseda zahllose Abwandlungen, deren Intensität sich dank dem vorzüglichen Orchester des Opernhauses Zürich noch verstärkt. Kühn wirft sich Don Quixote hier dem vielköpfigen Heer des Kaisers Alifanfaron entgegen, bis ihn die blökende Schafherde eines Besseren belehrt. Bei tiefsinnigen Gesprächen mit Sancho Pansa lebt der Ritter von der traurigen Gestalt auf. Karen Forster (Viola) und Lev Sivkov (Violoncello) ergänzen Witz mit echtem Gefühl. In der neunten Variation werden in den fulminanten Fagotten zwei Mönche sichtbar, die heldenhaft in die Flucht geschlagen werden. Ein Höhepunkt ist zuvor die siebte Variation, wo die beiden Helden Opfer eines frechen Schabernacks werden. Man setzt sie mit verbundenen Augen auf ein Holzpferd und pustet sie mit großen Blasebälgen an. Die Hexenkünste illustrativer Tonmalerei werden sichtbar! Richard Strauss erweist sich als Altmeister kontrapunktischer Satzkünste der letzten Jahrhunderte. Eine interessante Begegnung ermöglicht Gianandrea Noseda dem Hörer auch bei der selten zu hörenden Tondichtung „Macbeth“ op. 23, wo Richard Strauss die nervös-grausige „Elektra“ schon ganz versteckt anklingen lässt. Das kurze Fanfarenmotiv lässt den königlich-heroischen Schauplatz aufblitzen, wo Macbeth ganz im Sinne Shakespeares voller Kraft und Herrschsucht dasteht. Hervorragend wird außerdem das unterirdisch schleichende Motiv des Schwankens und Zauderns herausgearbeitet. Die Lady Macbeth erscheint verführerisch mit ihren schmeichlerischen Einflüsterungen. Als Macbeth zum Morden bereit ist, erscheint die „Tat der Nacht“ mit allen Registern und Farben des Klanges. Umso schauerlicher ertönt dann die „Königsfanfare“! Ohne wilhelminische Selbstglorifizierung lässt Gianandrea Noseda Richard Strauss selbst in der glutvoll musizierten Tondichtung „Ein Heldenleben“ op. 40 erscheinen, wo das Orchester der Oper Zürich nochmals alle Register seines Könnens zieht. Das Thema erinnert auch bei dieser Interpretation entfert an Bruckners siebte Sinfonie. Vor allem das markante Kopfthema ragt hier neben den anderen Motiven deutlich heraus! Im Kampf gegen die „Widersacher“ werden wirklich alle Register gezogen! Mit schier grenzenloser Selbstironie wird diese unvergleichliche Schlachtmusik in bajuwarischem Walzertakt präsentiert, allerdings nicht ganz so bombastisch wie bei Böhm oder Karajan. Der ungeheure Klangapparat scheint sich wirklich selbständig zu machen. Und zuletzt verdichten sich kunstvoll und gar nicht aufdringlich die Selbstzitate vom „Traum durch die Dämmerung“ über „Don Juan“, „Macbeth“, „Tod und Verklärung“, „Till Eulenspiegel“ und „Also sprach Zarathustra“ bis hin zu „Don Quixote“.  Bartlomiej Niziol (Violine) zeichnet das Bild der Gefährtin ebenso verführerisch wie leidenschaftlich nach, die erotisch getönten Melodien blühen geradezu auf! Reif und abgeklärt wirken zuletzt die vier sinfonischen Zwischenspiele aus Richard Strauss‘ Oper „Intermezzo“ als „Ehemelodram“. „Till Eulenspiegel“ und der Zauber der „Symphonia domestica“ blitzten leuchtend auf. In jedem Fall ein starkes Hörerlebnis! 

Alexander Walther

 

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